Zeitfahrer im Fokus

Die Zeitfahrer Tony Martin und Bert Grabsch (beide Team Columbia) sind die großen Hoffnungsträger des Bundes Deutscher Radfahrer bei der Straßen-WM in Mendrisio in der Schweiz. Der BDR hat die Hürde im vorigen Jahr mit je einmal WM-Gold und - Silber sowie dreimal Bronze sehr hoch gelegt.

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"Das Zeitfahren steht bei mir im Mittelpunkt, auch wenn es wegen der Überlegenheit Fabian Cancellaras vor eigenem Publikum wohl die traurige Wahrheit gibt, dass es für den Rest der Fahrer nur um Silber und Bronze geht", sagte Tony Martin, der bei der Tour de France im Juli die große positive Überraschung war.
Neben Martin kämpft am Donnerstag über die 49,6 Kilometer-Strecke noch sein Columbia-Team-Kollege und Titelverteidiger Bert Grabsch mit berechtigten Chancen um eine Medaille. "Ich habe die Vuelta extra früher verlassen, um mehr Erholungszeit zu haben und mich speziell vorzubereiten. Ich bin optimistisch und nicht so kaputt wie befürchtet", gab Grabsch zu Protokoll.
Im Elite-Straßenrennen über 262,2 Kilometer zum WM-Finale am Sonntag droht den neun deutschen Startern die Zuschauer-Rolle. "Ich kenne die Strecke vom Giro 2008. Sie ist sehr schwer, und ich sehe offen gesagt in unserem Team keinen, der ganz vorne mitfahren kann. Für Greipel ist sie, glaube ich, zu heftig", sagte Martin, der seine eigenen Chancen und Ambitionen im Straßenrennen diplomatisch so umschrieb: "Ich lasse mich überraschen".
Cunego und Valverde sind die Favoriten
Favoriten sind Vize-Weltmeister Damiano Cunego (Italien) und der frisch gekürte Vuelta-Gewinner Alejandro Valverde (Spanien). Die mit Abstand am stärksten eingeschätzten Teams aus Italien und Spanien haben aber über den Parcours mit zwei happigen Steigungen mit Titelverteidiger Alessandro Ballan und Ivan Basso (beide Italien) sowie dem dreifachen Weltmeister Oscar Freire und Olympiasieger Samuel Sanchez (Spanien) noch mehr Trümpfe in der Hand. Italien stellte drei Jahre hintereinander den Champion.
Doch auch die Gastgeber sollten nicht unterschätzt werden - für sie hat Cancellara schon mal festgehalten: "Das Straßenrennen interessiert mich besonders." Bei den Olympischen Spielen in Peking stemmte der 29 Jahre alte Berner auch die Doppelbelastung, holte im Zeitfahren Gold und im Straßenrennen immerhin noch Bronze.
Dunkler Schatten über Valverde
Die dunkle Vergangenheit holt auch die WM im schönen Tessin ein. Valverde gilt als so etwas wie eine tickende Zeitbombe. Sowohl sein Gold-Trikot der Vuelta als auch eine mögliche Medaille in Mendrisio hängen von einem bis zum Jahresende erwarteten CAS-Urteil ab. Der Internationale Gerichtshof entscheidet, ob die vom italienischen Olympischen Komitee CONI vorerst nur für Italien verhängte Zweijahressperre auch weltweit gelten soll. Valverde will seinerseits vor höchster Instanz geklärt wissen, ob das CONI in seinem Fall überhaupt zuständig sein kann.
Eine bei der Tour 2008 auf italienischem Boden genommene Blutprobe Valverdes konnte einem Blut-Depot beim mutmaßlichen Dopingarzt Eufemiano Fuentes zugeordnet werden. Ähnlich war Jan Ullrich von der Staatsanwaltschaft Bonn entlarvt worden.
TV-Tipp:
Der Kampf um die Medaillen und die Regenbogen-Trikots steht an: Verfolgen Sie die WM in Mendrisio ab 23. September hautnah im Eurosport-TV, über den Eurosport Player und den Kampf um Gold bei den Männern auch im Live-Ticker bei eurosport.yahoo.de!
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