Rad-WM: Peter Sagan vor ganz neuen Herausforderungen

Peter Sagan gehört nach seinem dritten WM-Titel zu den größten Fahrern, die der Radsport je hervorbrachte. Für sein deutsches Team Bora-hansgrohe ist der Slowake wie ein Sechser im Lotto.

Eurosport

Fotocredit: Eurosport

Nicht mehr lange, dann kommen auf den überirdischen Peter Sagan weltliche Pflichten zu. Im Oktober erwarten der slowakische Radsport-Star und seine Frau Katarina ihr erstes Kind. Sagan wird dann sehen, ob er beim Windeln wechseln, Fläschchen geben und Schlaflieder singen ebenso talentiert ist wie auf seiner Rennmaschine.
Dort hat er am Sonntag mit seinem dritten WM-Titel in Folge bereits Legendenstatus erreicht. Und es soll noch längst nicht vorbei sein. Auch wenn sich die Prioritäten in Sagans Leben bald etwas verschieben, an Erfolgshunger wird es ihm nicht fehlen. "Wollt ihr etwa, dass ich aufhöre, Rennen zu fahren?", entgegnete der 27-Jährige auf eine entsprechende Frage in seiner typisch brummigen Art:
Genießen, was ihm bevorsteht, und auch das genießen, was er im norwegischen Bergen wieder für ein verblüffendes Kunststück vorgeführt hat. Praktisch unsichtbar war Sagan während des Rennens, aber ganz vorn, als es darauf ankam. "Ich hatte schon vergessen, dass er überhaupt mitfährt. Verrückt, er ist eine Legende", sagte Rick Zabel. Sagan gelang schließlich, was nicht einmal der große Eddy Merckx geschafft hatte.
Ein Stück Genugtuung war der Sieg letztlich auch angesichts seines kontrovers diskutierten Ausschlusses von der Tour de France im Sommer nach dem Rempler gegen Mark Cavendish. In allem Schlechten liege auch etwas Gutes, meinte Sagan lapidar, der nach dem krönenden WM-Rennen seine Saison beendete. Schließlich verlangt das baldige Familienglück nun seine volle Aufmerksamkeit.
Dafür müssen auch seine Landsleute Verständnis aufbringen, die ihr Idol überschwänglich wie einen Rockstar feierten. Eine regelrechte kleine Invasion aus der Slowakei war in Bergen eingefallen, riesige Fahnen schmückten vor allem die Zielgerade. "Slovensko"- und "Sagan"-Rufe durchdrangen bis in die Nacht die Straßen der Hafenstadt.
Wieviele aus der Heimat gekommen seien, um ihn zu unterstützen, sei "einfach Wahnsinn" gewesen, sagte Sagan, der aus Zilina stammt und nun in Monaco lebt. Und es zeigte auch, wie groß mittlerweile die Verantwortung des Volkshelden ist, der er aus Sicht des Radsports hoffentlich gerecht wird.

Denk gerührt: "Herausragendes Jahr"

Freudentränen hatten aber nicht nur seine Anhänger in den Augen, auch Teamchef Ralph Denk war gerührt. Der Manager der deutschen Mannschaft Bora-hansgrohe war ebenfalls gekommen, um seiner "heißesten Ware" die Daumen zu drücken. "Dieser Augenblick wiegt alles wieder auf", jubelte Denk und dachte nicht nur an die Tour-Panne, sondern auch an das relativ missglückte Klassiker-Frühjahr: "Nun würde ich sagen, dass wir statt eines guten ein herausragendes Jahr haben."
Das WM-Quadruple wird aber für den derzeit populärsten Radprofi der Welt unmöglich sein. Innsbruck hat für 2018 einen Kurs vorgestellt, der so bergig ist, dass er selbst den Alleskönner überfordert. Aber soweit will Sagan ohnehin nicht vorausschauen. Er sieht es pragmatisch:
Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung