Eurosport
WM-Gold für Julian Alaphilippe - Maximilian Schachmann geschlagen
Von
Publiziert 27/09/2020 um 16:38 GMT+2 Uhr
WM-Gold in Imola für Julian Alaphilippe: Der Franzose siegte zum Abschluss der Titelkämpfe in Italien im Straßenrennen der Männer mit einem Solo über zwölf Kilometer. Der Attacke des Tour-Etappensiegers am letzten Anstieg konnte keiner der Konkurrenten mehr folgen. Alaphilippe verteidigte seinen knappen Vorsprung vor den Verfolgern bis ins Ziel auf der Rennstrecke erfolgreich.
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
Silber holte im Sprint einer Fünftergruppe mit 24 Sekunden Rückstand der Belgier Wout Van Aert vor Marc Hirschi aus der Schweiz. Ex-Weltmeister Michal Kwiatkowski (Polen), der Däne Jakob Fuglsang und Tour-Star Primoz Roglic verpassten das Podium und die Medaillen.
Maximilian Schachmann fuhr als bester Deutscher ein starkes Rennen und kam in der zweite Verfolgergruppe mit 53 Sekunden Rückstand als Neunter nach über sechseinhalb Stunden Rennzeit bei einem Schnitt von 38,8km/h ins Ziel. Letzter deutscher Titelträger bleibt damit Rudi Altig, der 1966 triumphierte. Die bisher letzte deutsche WM-Medaille im Straßenrennen der Profis gewann Sprinter Andre Greipel bei seinem dritten Platz vor neun Jahren in Kopenhagen.
"Ich ärgere mich. Mir haben einfach am Ende über den Berg zehn Meter gefehlt. Und bei dem Seitenwind konnte ich es nicht mehr alleine von hinten zu fahren", sagte Schachmann, der im Finale mehr auf seine Mitverfolger um Tour-"Vize" Roglic, Alejandro Valverde, Michael Matthews und Co. gesetzt hatte. "Irgendwie ist dann allen die Luft ausgegangen, und dann sind wir nicht mehr rangekommen."
Sieger Alaphilippe kämpfte derweil mit den Tränen. "Es war schon immer mein Traum, dass ich meine Karriere mit dem Titel krönen kann", sagte der 28-Jährige. Letzter Weltmeister aus Frankreich war Laurent Brochard im Jahr 1997 in San Sebastian. Titelverteidiger Mads Pedersen aus Dänemark war gar nicht erst nach Italien gereist.
Tour-Sieger Tadej Pogacar hatte es rund 40 Kilometer vor demZiel ebenfalls mit einer Solo-Attacke versucht, war aber nach einigen Kilometern wieder gestellt worden und wurde am Ende 33. mit fast vier Minuten Rückstand.
Schachmann kann sich WM-Traum nicht erfüllen
Als auch Maximilian Schachmann das Podest recht deutlich verpasst hatte, war die größte WM-Pleite seit der Wiedervereinigung für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) besiegelt. Der Berliner kämpfte zum Abschluss der Titelkämpfe in Imola im brutalen 258,2 km langen Straßenrennen aufopferungsvoll, die erste medaillenlose WM der deutschen Mannschaft seit dem Mauerfall konnte er aber nicht verhindern.
Beim Triumph des Franzosen Julian Alaphilippe landete der Paris-Nizza-Gewinner vor den Augen von IOC-Präsident Thomas Bach auf Platz neun. Silber gewann wie schon am Freitag im Einzelzeitfahren Van Aert. Letzter deutscher Titelträger bleibt damit Rudi Altig, der 1966 triumphierte. Die letzte deutsche WM-Medaille im Straßenrennen der Profis gewann Sprinter Andre Greipel, der vor neun Jahren in Kopenhagen Bronze holte.
WM: Koch trumpft als Ausreißer auf
Bei leicht kühleren Temperaturen als an den Vortagen blieb der vorhergesagte Regen rund um das Autodromo Enzo e Dino Ferrari aus. Direkt nach Rennbeginn bildete sich eine siebenköpfige Ausreißergruppe mit Jonas Koch. Und der 27-Jährige präsentierte sich stark: 100 km vor dem Ziel hatten Koch und der Norweger Torstein Traeen den Rest der Begleiter abgeschüttelt.
Im Hauptfeld konzentrierte sich das deutsche Team voll auf Kapitän Schachmann. "Wir gucken, dass wir Max so frisch wie möglich ins Finale kriegen und ihn dann unterstützen", hatte Simon Geschke dem SID kurz vor dem Start in der Boxengasse der Rennstrecke gesagt - die Zielsetzung setzten der Routinier und die weiteren Helfer um John Degenkolb auch um.
Gegen die Tempoverschärfung des Pelotons nach zwei Dritteln des Abnutzungskampfes konnten die beiden tapferen Kämpfer Koch und Traeen 70 km vor dem Ziel aber nichts mehr entgegenzusetzen. 30 km später versuchte es dann Pogacar, der wegen eines Defekts zuvor noch das Rad gewechselt hatte: Der jüngste Tour-Sieger seit 116 Jahren stieg am Cima Galisterna, dem zweiten Anstieg jeder Runde, aus dem Sattel, wurde 22 km vor dem Ende jedoch wieder eingeholt.
In einer hektischen Schlussphase war Schachmann auf sich alleine gestellt, nachdem Geschke ihn nach überragender Unterstützung alleine ins Finale geschickt hatte. Am Galisterna ging Schachmann die Puste aus, während Alaphilippe zu seiner Soloshow aufbrach.
WM-Double bei Frauen
Am Samstag war bereits Lisa Brennauers Traum vom Regenbogentrikot nach einem gescheiterten Ausreißversuch geplatzt, stattdessen krönte sich Olympiasiegerin Anna van der Breggen zur Königin von Imola. 48 Stunden nach dem Triumph im Einzelzeitfahren feierte die Niederländerin im Straßenrennen das seltene WM-Double. Dies war zuvor nur der Französin Jeannie Longo-Ciprelli 1995 gelungen.
Brennauer erreichte vor den Augen ihrer mitgereisten Eltern das Ziel am Ende auf Platz neun, Nachwuchshoffnung Liane Lippert (Friedrichshafen) erkämpfte sich einen starken fünften Rang.
WM ohne Nachwuchsklassen im Ersatzort
Ursprünglich war die WM in Aigle und Martigny in der Schweiz vom 20. bis 27. September geplant gewesen. Mitte August folgte aufgrund der Corona-Pandemie die Absage. Imola war erst vor knapp drei Wochen als Ersatz eingesprungen und schaffte in der Kürze der Zeit rund um die berühmte Formel-1-Rennstrecke die notwendigen Bedingungen.
Dadurch wurde die WM auf vier Rennen komprimiert, die Wettkämpfe der Junioren und U23-Klasse fielen aus. Das beste Resultat aus deutscher Sicht erreichte die frühere Einzelzeitfahr-Weltmeisterin Brennauer. Die 32-Jährige wurde Vierte im Einzelzeitfahren.
Das könnte Dich auch interessieren: Tour-Stars und Top-Talent: Ineos mit Transfers zu alter Stärke?
Werbung
Werbung