Rad-WM - Jens Voigt exklusiv zum Karriereende von Tony Martin: "War so wertvoll wie drei Fahrer"
Mit Tony Martin hat am Mittwoch einer der besten deutschen Radfahrer des vergangenen Jahrzehnts sein letztes Profi-Rennen bestritten. Passenderweise gab es für den viermaligen Einzelzeitfahr-Weltmeister zum Abschluss tatsächlich nochmal WM-Gold im Mixed-Teamzeitfahren. Doch nicht nur aufgrund seiner Erfolge verlässt aus Sicht von Eurosport-Experte Jens Voigt "ein ganz Großer" die Bühne.
Tony Martin beendet nach Gold im Mixed Teamzeitfahren seine Karriere
Fotocredit: Getty Images
"Tony Martin war ein Jahrzehnt lang nicht nur in Deutschland, sondern weltweit der dominante Zeitfahrer. Er war viermal Weltmeister im Einzelzeitfahren, hat viele Male Medaillen geholt und viermal das Mannschaftszeitfahren gewonnen. Er war der dominierende Zeitfahrer seiner Generation", schwärmte Eurosport-Experte Jens Voigt im Anschluss an das letzte Rennen in der Karriere Martins.
Insgesamt holte Martin 14 WM-Medaillen, allesamt im Einzel - oder Mannschaftszeitfahren. Zudem fuhr er bei den Olympischen Spielen 2012 in London im Einzelzeitfahren zu Silber. Hinzu kommen Etappensiege bei der Tour de France und der Vuelta a España.
Doch nicht nur aufgrund seiner Erfolge prägte der 36-Jährige seine Sportart. "Er hat auch viele technische Innovation mitgebracht, wie beispielsweise das Fahren auf dem ganz großen Kettenblatt oder die schlauchlosen Drahtreifen im Zeitfahren und hat auch an einigen Neuentwicklungen mitgearbeitet", so Voigt.
In den vergangenen Jahren beeindruckte der Jumbo-Visma-Profi aber vollem auch als sehr loyaler und mannschaftsdienlicher Fahrer, der seinen Kapitänen immer wertvolle Dienste erwies. "In jeder Mannschaft, in der er war, war er so wertvoll wie drei Fahrer. Ich habe auch oft im Fernsehen gesagt, wenn du Tony Martin in der Mannschaft hast, sagst du: 'Tony, Kilometer 0 bis 150 ist deins. Für die letzten 50 haben wir dann die anderen sieben Fahrer, die schaffen das bestimmt.' Und Tony hat das dann auch gemacht", lobte Voigt.
Voigt: "Tony Martin hat nie enttäuscht und war unzerstörbar"
Voigt weiter: "Tony hat nie enttäuscht. Er war immer da, wenn er gebraucht wurde. Er war stark und hart zu sich selbst. Er war unzerstörbar. In der Sonne, im Regen, im Hagelsturm, Tony war immer da, wo er sein musste."
Seine Leidensfähigkeit und seine Härte stellte Martin auch in diesem Jahr bei der Tour de France noch einmal unter Beweis. Nachdem er auf der 1. Etappe in einen schweren Massensturz verwickelt war, der durch eine Zuschauerin ausgelöst wurde, die mit einem Pappschild zu nah an der Strecke stand, hielt der gebürtige Cottbuser noch viele weitere Tage durch und arbeitete für seinen Kapitän Primoz Roglic. Erst ein weiterer Sturz auf der 11. Etappe beendete dann endgültig Martins Hoffnungen, nach Paris zu kommen.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2021/06/26/3161377-64783268-2560-1440.jpg)
Unglaubliche Szene: Zuschauerin löst mit Schild Massensturz aus
Quelle: Eurosport
Voigt über Martins Gelb-Coup bei der Tour 2015: "Einfach großartig"
Vor sechs Jahren erlebte Martin bei der Tour aber auch einen seiner größten Momente. Nachdem er im Auftaktzeitfahren noch knapp am Sieg und dem Gelben Trikot vorbeigeschrammt war, gelang ihm auf der 4. Etappe von Seraing nach Cambrai mit einer Solo-Attacke im Finale der große Coup: Er gewann das Teilstück mit drei Sekunden Vorsprung vor dem Peloton und eroberte Gelb.
"Das war einfach großartig", schwärmt Voigt noch heute vom 7. Juli 2015: "Alle dachten: 'Tony, du hast die Chance verpasst, du warst so dicht dran und jetzt kommen die Sprinter …' Da hat er sich gesagt: 'Ist mir alles egal, was ihr glaubt, ich fahre und gewinne jetzt die Etappe und hole auch das Gelbe Trikot.'"
Dieses konnte er dann jedoch nur zwei Tage lang tragen, denn auf der 6. Etappe nach Le Havre stürzte er auf dem letzten Kilometer so schwer, dass er die Frankreich-Rundfahrt mit einem gebrochenen Schlüsselbein verlassen musste.
Insgesamt feierte Martin bei der Tour de France fünf Etappensiege, davon drei im Einzelzeitfahren.
Am Mittwoch gelang Martin bei der WM in Flandern schließlich der goldene Abschluss: Genau zehn Jahre und einen Tag nach seinem ersten WM-Triumph im Einzelzeitfahren gewann er zusammen mit Lisa Brennauer, Lisa Klein, Mieke Kröger, Nikias Arndt und Maximilian Walscheid Gold im Mixed-Team-Zeitfahren.
Das könnte Dich auch interessieren: Perfekter Abschluss für Martin: Deutsche Mixed-Staffel holt WM-Gold
/origin-imgresizer.eurosport.com/2020/08/13/2863699-59019988-2560-1440.png)
Martin verrät: Das werde ich am meisten vermissen
Quelle: Eurosport
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/12/18/image-9fbf5758-461f-4908-811f-d0ad3e360399-68-310-310.png)