Rad-WM 2023: Mathieu van der Poel krönt sich in dramatischem Finale erstmals zum Weltmeister im Straßenrennen
Radsport-Star Mathieu van der Poel hat sich im schottischen Glasgow erstmals zum Weltmeister im Straßenrennen gekrönt. Der Niederländer triumphierte nach 271,1 Kilometern als Solist. Knapp 22 Kilometer vor dem Ziel ließ der 28-Jährige die anderen Mitfavoriten um Tadej Pogacar und Wout Van Aert stehen. Auch ein Sturz im dramatischen Finale konnte van der Poel nicht mehr aufhalten.
Highlights: Blutender van der Poel trotzt Sturz und Protest-Eklat
Quelle: Eurosport
Zweiter wurde mit 1:37 Minuten Abstand van der Poels langjähriger Rivale Wout an Aert. Den Sprint um Bronze gewann der Tour-Zweite Tadej Pogacar (+1:45 Minuten) vor Mads Pedersen.
Van der Poel musste 16 Kilometer vor dem Ziel noch einmal zittern. Nachdem er bereits einen Vorsprung von knapp 30 Sekunden auf seine Verfolger herausgefahren hatte, kam er in einer Kurve auf der regennassen Fahrbahn auf dem Rundkurs in Glasgow zu Fall. Zwar stieg der Niederländer umgehend wieder aufs Rad, allerdings hatte sich an seinem rechten Schuh einer der beiden BOA-Verschlüsse gelöst.
"Das ist wie wenn man versucht, mit offenen Schuhbändern die Treppe hochzugehen", erklärte Eurosport-Experte Jens Voigt während der Übertragung.
Doch van der Poel meisterte die schwierige Situation und baute seinen Vorsprung auf den letzten Kilometern sogar noch weiter aus, ehe er nach 6:07:27 Stunden mit blutendem Knie und Schürfwunden die Arme im Ziel nach oben riss.
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Schreckmoment! Van der Poel stürzt in Führung liegend
Quelle: Eurosport
Van der Poel: "Das war mein wichtigster Sieg"
Für van der Poel, der in diesem Jahr bereits die Radsport-Monumente Mailand-Sanremo und Paris-Roubaix gewinnen konnte, ist es der erste Welmeister-Titel auf der Straße - 49 Jahre nach der Vize-Weltmeisterschaft seines 2019 verstorbenen Großvaters Raymond Poulidor. Der 28-Jährige ist der erste niederländische Weltmeister seit Joop Zoetemelk (1985).
"Es bedeutet mir alles. Das war eines meiner großen Ziele und komplettiert meine Karriere", sagte van der Poel: "Das war mein wichtigster Sieg. Ich kann es kaum erwarten, für ein Jahr im Regenbogentrikot zu fahren."
Die sechs deutschen Starter hatten mit der Entscheidung nichts zu tun. Letzter Titelträger bleibt Rudi Altig, der 1966 auf dem Nürburgring triumphiert hatte.
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Völlig überwältigt: Gezeichneter van der Poel rollt zu Gold
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Protest sorgt für über 50 minütige Rennunterbrechung
Zum ersten Aufreger kam es bereits nach 80 Kilometern, als eine Ausreißergruppe um Patrick Gamper und Krists Neilands, die zwischenzeitlich fast acht Minuten Vorsprung auf das Hauptfeld herausgefahren hatte, plötzlich mit der Roten Flagge gestoppt wurde.
Der Grund: Aktivisten der Organisation "This is Rigged" hatten sich auf der Straße festgeklebt und machten ein Weiterfahren zwischenzeitlich unmöglich. Auch das Hauptfeld musste anhalten, das Rennen wurde neutralisiert.
Erst nach über 50 Minuten Unterbrechung ging es mit den zuvor festgehaltenen Zeitabständen weiter.
Vor allem dank der Führungsarbeit des australischen und dänischen Teams im Peloton schmolz der Vorsprung der Ausreißer in der Folge sukzessive dahin.
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Feld gestoppt: Demonstranten sorgen für Unterbrechung
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Hartes Ausscheidungsfahren um Gold
Währenddessen entwickelte sich das Duell der Mitfavoriten auf dem Stadtkurs in Glasgow in der zweiten Phase des Rennens zu einem wahren Ausscheidungsfahren. Die 14,3 Kilometer lange Runde, die zehn Mal absolviert werden musste, war äußerst kurvenreich und verlangte mit mehreren giftigen Anstiegen Kraft und taktisches Gespür.
"Der Kerl, der diese Strecke entworfen hat, muss in der Kneipe gewesen sein", hatte der belgische Titelverteidiger Remco Evenepoel vorab gesagt: "Mit all den Kurven wird das eine ziemliche Show."
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Van der Poel über Sturz: "Hätte tagelang nicht schlafen können"
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Schnell brach Hektik aus. Julian Alaphilippe attackierte 134 Kilometer vor dem Ziel und musste kurze Zeit später abreißen lassen. Auch Jasper Philipsen (Belgien) und Kasper Asgreen (Dänemark) konnten dem hohen Tempo nicht mehr folgen. In der Folge wurde auch die Spitzengruppe gestellt.
Kurz darauf konnte sich eine sechsköpfige Gruppe um die Top-Stars Pogacar, van der Poel und Van Aert nach einem Angriff von Pedersen, dem Weltmeister von 2019, absetzen, wurde jedoch knapp 68 Kilometer vor dem Ziel wieder eingeholt. Klassikerspezialist John Degenkolb hielt lange mit, musste als letzter Deutscher aber über 50 Kilometer vor dem Ende abreißen lassen.
Prominentes Quartett stellt Bettiol
Den nächsten Versuch wagte Alberto Bettiol, der zunächst beinahe auf seiner eigenen Trinkflasche, die ihm in einer Kurve aus der Halterung gerutscht war, wegrutschte und Tempo rausnehmen musste. Kurz darauf konnte sich der Italiener im mittlerweile einsetzenden Regen von Glasgow mit einer weiteren Attacke aber etwas Abstand verschaffen und fuhr zwischenzeitlich über 30 Sekunden auf die Verfolger heraus.
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Bettiol rutscht beinahe auf Flasche weg und rettet sich spektakulär
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Das machte offenbar knapp 40 Kilometer vor dem Ziel auch die Top-Favoriten nervös. Mit Pedersen, Van Aert, Pogacar und van der Poel nahm ein Quartett die Verfolgung auf und hängte den Rest des Hauptfeldes – wenn man überhaupt noch davon sprechen konnte – ab. Auch Titelverteidiger Remco Evenepoel konnte nicht mehr folgen.
22 Kilometer vor dem Ziel stellte das Quartett Bettiol in einem Anstieg, den van der Poel direkt zur entscheidenden Attacke nutzte.
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(mit SID)
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Die entscheidende Attacke: Van der Poel lässt Pogacar und Co. stehen
Quelle: Eurosport
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