Natalie Geisenberger blieb auf ihrer Rekordjagd noch ganz cool, dann brach alles aus ihr heraus: Auf Knien feierte die "Rodel-Mama" ihre fünfte olympische Goldmedaille, mit der deutschen Fahne trocknete sie ihre Freudentränen, selbst Weggefährte Felix Loch weinte vor Glück. "Der Empfang im Ziel vom Team war so großartig. Unfassbar schöne Momente", schwärmte die Olympiasiegerin im Interview mit Eurosport.
"Felix Loch hat gesagt, wenn ich das Rennen jetzt mache, dann küsse ich dir die Füße. Ich hätte ihm so die Medaille gegönnt", so Geisenberger. Mit all ihrer Erfahrung hatte 34 Jahre alte Münchnerin den tückischen Eiskanal von Yanqing gemeistert, einen Doppelsieg vor Anna Berreiter angeführt - und nun nimmt sie sogar die Olympia-Bestmarke von Claudia Pechstein ins Visier.
"Es war irgendwo immer das Ziel, hier noch mal um eine Medaille zu fahren", sagte Geisenberger, die im Mai 2020 erstmals Mutter geworden war, in der "ARD": "Aber dass es wieder zu Gold reicht ist Wahnsinn. Ich habe keine Worte, ohne meine Familie hätte ich es nicht geschafft."
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Debütantin Berreiter rundete mit Silber das starke deutsche Ergebnis ab. "Mein Silber glänzt wie Gold. Ich bin superhappy mit meinem Rennen, habe die Nerven bis zum letzten Moment zusammengehalten. Dann über die Ziellinie und nur noch genießen", beschrieb die 22-Jährige bei Eurosport.
"Das ist ein großartiger Moment, den ich mir oft vorgestellt habe. Aber nie so wie er wirklich war. Es ist einfach überwältigend. Ich hatte so viel Spaß. Das ist mir so viel wert und die ganze harte Arbeit wird belohnt. Besser hätte ich es nicht erwischen können", freut sich Berreiter.

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Beste deutsche Winter-Olympioniken: Geisenberger zieht mit Pechstein gleich

Schon in Pyeongchang 2018 und Sotschi 2014 hatte das Team D einen Doppelsieg mit Geisenberger an der Spitze bejubelt. Nach Johannes Ludwigs Triumph bei den Männern feierten die erfolgsverwöhnten deutschen Rodler bereits das zweite Gold in China.
Julia Taubitz war schon am Vortag gestürzt, die Weltmeisterin kämpfte sich immerhin noch um einige Ränge auf Platz sieben vor. "Alle sagen zu mir: in vier Jahren gibt es die nächste Chance", sagte sie, "das stimmt, aber es sind vier verdammte Jahre." Bronze ging an ROC-Athletin Tatjana Iwanowa.
Mit ihrem fünften Coup, 2014 und 2018 gewann sie auch im Team, schloss Geisenberger nach Goldmedaillen zu Pechstein auf. Siegt die deutsche Staffel im Teamwettbewerb am Donnerstag, würde die 34-Jährige die Eisschnellläuferin nach Olympiasiegen sogar hinter sich lassen und zur erfolgreichsten deutschen Winter-Olympionikin aufsteigen.
Wichtig sei ihr das nicht, sagte Geisenberger, "vielleicht irgendwann mal. Aber jeder geht ja seinen eigenen Weg, jeder hat unterschiedliche Chancen. Mein Weg war super, so wie er war." Viel bedeutender: Nach der Geburt ihres Sohnes Leo hat sie es zurück in die Weltspitze geschafft.

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Geisenberger gesteht: "Zwei wahnsinnig harte Tage"

"Ich hab es eigentlich bis zum Schluss nicht geglaubt. Das Comeback, das wir als Familie gestartet haben, das hat sich einfach nur gelohnt. Die Goldmedaille ist für meine Familie. Ich kann nur Danke sagen und freue mich, wenn ich wieder zu Hause bin. Dann wird gefeiert", kündigte Geisenberger im Interview bei Eurosport an.
Ihr Mann Markus verfolgte das Rennen mit dem Sohnemann in der Heimat in Miesbach. "Ich habe gestern ein Bild von Leo bekommen, wie er vor dem Fernseher sitzt. Aber vielleicht haben ihn heute seine Autos mehr interessiert, ich weiß es nicht. Das ist das schöne: Er hätte sich genau so auf mich gefreut, wenn ich keine Medaille hätte", sagte Geisenberger.
Bemerkenswert ehrlich hatte die "Rodel-Königin" (O-Ton Bundestrainer Norbert Loch) auch über ihren Respekt vor der Kurve 13 gesprochen. Hier war am Vortag Taubitz gestürzt, Geisenberger hatte im Weltcup im November sowie im vorletzten Training das gleiche Schicksal ereilt.
Am Dienstag sei sie "genauso nervös wie am Montag" gewesen, "ich habe wieder kaum gegessen, es waren zwei wahnsinnig harte Tage", sagte Geisenberger und schaute auf die Goldmedaille: "Aber das hier ist der Lohn."

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