Corona hat Florian Wellbrock aus der Bahn geworfen, doch die EM im Weltrekordbecken von Rom will sich der Olympiasieger nicht nehmen lassen. Trotz seiner Covid-Erkrankung vor vier Wochen geht der deutsche Schwimmstar in der Ewigen Stadt an den Start - allerdings nicht mit voller Kraft und quasi auf Abruf.
"Die Absprache ist, dass wir die EM weiter im Fokus haben und aus der Situation heraus entscheiden, welche Strecken er schwimmt oder ob er abreist", sagte Bundestrainer Bernd Berkhahn am Freitag - sechs Tage vor dem Beginn der Europameisterschaften.
Wahrscheinlich ist, dass Wellbrock wegen seines Trainingsrückstands zunächst auf die 800 m Freistil verzichtet. Man peile "eher die 1500 an, dann hätte er mehr Zeit für die Vorbereitung", erklärte Berkhahn, "dann könnte er auch Freiwasser schwimmen."
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DSV gibt EM-Kader bekannt: Wellbrock lässt Start offen
22/07/2022 UM 16:23
Der 24-Jährige hatte sich nach der WM in Budapest, bei der er zweimal Gold und insgesamt fünf Medaillen gewonnen hatte, mit dem Virus infiziert. Deshalb hatte er unter anderem auf das Trainingslager auf Mallorca verzichten müssen. "Er hat noch nicht zu vollen Kräften zurückgefunden", berichtete Berkhahn, "aber er ist im Training und voll belastbar. Er ist fit."

Weltrekord nicht in Reichweite

Der ursprünglich angepeilte Weltrekord auf seiner Lieblingsstrecke 1500 m im Foro Italico, wo vor 13 Jahren Paul Biedermann mit Fabelzeiten die Schwimmwelt auf den Kopf stellte, sei aber völlig utopisch. "Die Vorbereitung reicht sicher nicht für den Weltrekord", meinte Berkhahn, "ich hoffe aber, dass er mitspielen kann."
Eigentlich wollte der Magdeburger auch bei der EM auf fünf Strecken starten: im Becken über 800 und 1500 m Freistil, außerdem im Freiwasser über 5 und 10 km sowie in der Staffel. In Budapest hatte Wellbrock WM-Gold über 5 km und in der gemischten Staffel gewonnen, seine Titel über 1500 m und die olympischen 10 km aber an seinen italienischen Rivalen Gregorio Paltrinieri verloren. Mit fünf Medaillen war der Freiwasser-Olympiasieger von Tokio der erfolgreichste deutsche Schwimmer bei einer WM seit Michael Groß 1982.
Doch dann kam Corona dazwischen. Die Erkrankung habe sich wie eine heftige Grippe angefühlt, sagte Wellbrock dem "SID", deswegen waren die Wochen nach der WM "nicht ganz so erholsam, wie sie sein sollten". Er habe anderthalb Wochen Symptome gehabt, "dann hat es noch eine halbe Woche gedauert, bis meine Tests wieder negativ waren".

Auch Kollege Märtens infiziert

Wellbrock ist nicht der einzige Schwimmer, der vor der EM mit dem Virus zu kämpfen hatte. Auch sein Magdeburger Vereinskollege Lukas Märtens, Vizeweltmeister über 400 m Freistil, musste zwischenzeitlich pausieren, fand laut Berkhahn aber "schnell ins Training zurück und ist in einer verhältnismäßig guten Verfassung".
In Rom nicht am Start ist die WM-Zweite Anna Elendt, die ebenso wie der deutsche Rekordsprinter Rafael Miroslaw schon wieder das Studium in den USA aufgenommen hat.
Aufgrund von Krankheit oder Verletzung mussten auch Lars Rüdiger (Wasserspringen), Marek Ulrich (Schwimmen), Niklas Frach (Freiwasser), Johanna Bleyer (Synchronschwimmen) und Kai Kirbs (High Diving) ihre EM-Teilnahme kurzfristig absagen.
Ob Rüdiger, der zusammen mit Timo Barthel WM-Bronze vom 3-m-Brett gewann, im EM-Synchronwettbewerb durch einen anderen Athleten ersetzt wird, will Bundestrainer Lutz Buschkow vor Ort entscheiden.
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