"Die Anzahl der Leute, die sagen, dass wir nur schlechte Verlierer sind oder dass wir 'verpflichtet' sind, die Interviews zu führen, ist problematisch", schrieb Manuel und gibt zu, nicht nur die Seite der Athleten, sondern auch die Perspektive der Medien nachvollziehen zu können: "Mangelnde Empathie für Sportler ist problematisch. Als jemand, der am College Kommunikation mit mehreren Journalismuskursen studiert hat, verstehe ich die Rolle der Medien."
Die Schwimmerin appellierte an den gesunden Menschenverstand und wies darauf hin, dass es für Athleten nicht einfach sei, mit sportlichen Rückschlägen umzugehen.
"Betrachtet uns als Menschen mit Emotionen", schrieb sie: "Es ist mental und emotional anstrengend, Fragen verständlich zu beantworten und gleichzeitig zu verarbeiten, dass man auf der größten Bühne der Welt bereits gesehen wurde, wie man die eigenen Ziele nicht erreicht hat, für die man so hart gearbeitet hat."
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Der hohe Druck, der auf Athleten lastet, war eins der bestimmenden Themen während der Olympischen Spiele in Tokio. Die US-amerikanische Kunstturnerin Simon Biles erregte riesige mediale Aufmerksamkeit als sie sich aus mehreren Wettbewerben aufgrund psychischer Gesundheitsprobleme zurückzog.

"Gewicht der ganzen Welt auf den Schultern"

"Im Moment habe ich wirklich das Gefühl, dass ich das Gewicht der ganzen Welt auf den Schultern trage", schrieb sie während der Spiele. Biles forderte ebenfalls, dass die psychische Belastung der Sportler mehr berücksichtigt werden müsse.
Auch der norwegische 400-Meter-Läufer Michael Norman brach während der Sommerspiele ein Interview ab nachdem er eine Medaille verpasste.

Manuel: "Nicht verpflichtet, unsere Seele zu geben"

"So viel von unserem Leben ist öffentlich, aber nicht alle unsere Emotionen müssen es sein. Zum Beispiel: Es wird nicht öffentlich gezeigt, wenn jemand von seinem Job gefeuert wird oder einen Test nicht besteht. Als Sportler sind wir nicht verpflichtet, den Menschen unsere ganze Seele zu geben", führte die geborene Texanerin aus.
"Und es scheint, als ob die Medien und einige Zuschauer genau das mögen. Das ist keineswegs ein Angriff auf die Medien. Ich biete einfach nur Lösungen an, von denen ich glaube, dass sie viele Athleten für nötig erachten. Gebt uns einfach einen Moment Zeit. Die Geschichte kann warten. Empathie und Freundlichkeit sind das Wichtigste, was wir in diesem Moment brauchen."

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Einen Lösungsansatz präsentierte die ehemalige Studentin der renommierten Stanford Universität ebenfalls: "Als Athletin bin ich mir sehr bewusst, wie ihre Rolle zum Wohle von uns allen verbessert werden kann. Ich persönlich glaube, dass es eine Art besseres Training geben sollte, um zu wissen, wann und ob man interviewt wird und wie man über bestimmte Themen, Siege und Enttäuschungen gleichermaßen spricht."
Der Schwimmstar kennt sich mit dem Druck im Elitesport aus. Als sie Doppel-Gold bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 gewann, war sie die erste dunkelhäutige Frau, die einen individuellen Schwimm-Titel bei Olympia gewann.
Ihre Tokio-Vorbereitung lief suboptimal, da sie sich mit Corona infizierte und das Burnout-Syndrom bei ihr diagnostiziert wurde. Trotzdem gewann Manuel die Bronze-Medaille in der 4x100-Meter-Freistilstaffel.
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