FINA verkündert Schwimm-Weltmeisterschaften in Ungarn - Bundestrainer äußert Kritik

Olympiasieger Florian Wellbrock freute sich über die unverhoffte Chance auf WM-Gold in diesem Sommer, doch sein Trainer war überhaupt nicht begeistert. "Dieser Wirrwarr", sagte Bundestrainer Bernd Berkhahn, "ist nicht gut für unseren Sport". In einer Hau-Ruck-Aktion hatte der Schwimm-Weltverband FINA am Montag eine "außerordentliche" Weltmeisterschaft 2022 in Budapest aus dem Hut gezaubert.

Florian Wellbrock

Fotocredit: Getty Images

Die Weltmeisterschaft soll vom 18. Juni bis 3. Juli stattfinden. Doch die Begeisterung hält sich deutlich in Grenzen.
Das Termin-Chaos ist nun vollends komplett, und die dicht an dicht gedrängten Großereignisse drohen an Bedeutung zu verlieren. Das Fachportal State of Swimming schrieb passend von einem "Dilution Day" - Verwässerungs-Tag.
Erst vor einer Woche hatte die FINA die für diesen Mai geplante WM im japanischen Fukuoka wegen der Corona-Pandemie auf 2023 (14. bis 30. Juli) verschoben. Für Januar 2024 (Doha) und Sommer 2025 (Kasan) sind wieder Welt-Titelkämpfe angesetzt, dazwischen finden die olympischen Schwimm-Wettbewerbe in Paris statt. Fünf Mega-Events innerhalb von drei Jahren - warum das Ganze?
Für die Athleten, betonte FINA-Präsident Husain Al-Musallam. Man maximiere "die Rennmöglichkeiten und das Verdienstpotenzial für etablierte und aufstrebende Aktive gleichermaßen".

Gewinnmaximierung zu welchem Preis?

Dass es aber auch und vor allem um die Gewinn-Maximierung seines eigenen Verbandes geht, dürfte unbestritten sein. Aber zu welchem Preis?
Die kurzfristige Ankündigung würde "so ziemlich jede Planung für die aktuelle Saison durcheinanderbringen", teilte der DSV in einer Stellungnahme mit. Nach der Verschiebung der Fukuoka-WM waren im DSV Nominierungs-Wettkämpfe abgesagt und Trainingslager verschoben worden. All das muss nun wieder neu geplant werden.
Für Juni waren zudem bereits nationale Meisterschaften im Beckenschwimmen und Wasserspringen in Berlin sowie die im Freiwasserschwimmen in Mölln geplant gewesen. Auch international kommt es zu Überschneidungen mit dem Finalturnier der Champions League im Wasserball oder der International Swimming League (ISL).
Bundestrainer Berkhahn gab außerdem zu bedenken, dass eine WM im kommenden Juni "noch einmal schwieriger" mit der anschließenden EM in Rom im August zu vereinbaren sei. Die Athleten stehen in der Trainingssteuerung vor einer Herkulesaufgabe - oder sie verzichten auf ein Event.

Wellbrock äußert sich

"Es wäre für uns Sportler und vor allem für die Trainer einfacher gewesen, wenn man von Anfang an kommuniziert hätte, dass an einer Verschiebung in diesem Jahr noch gearbeitet wird", kritisierte Wellbrock. Der Doppel-Weltmeister von 2019 zeigte sich dennoch froh, "dass die WM nun doch dieses Jahr stattfindet. Und mit Budapest findet sie sogar 'in der Nähe' statt."
Ungarns Metropole gilt quasi als Geheimwaffe des Weltverbandes, wenn dieser kurzfristig nach einem Ausrichter sucht. Auch diesmal einigte sich die FINA schnell und unbürokratisch mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban. Doch große Freude löste das in der Schwimmszene nicht aus.
(SID)
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Fehlerfrei im letzten Schießen: Herrmann macht Gold perfekt

Quelle: Eurosport

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