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Olympia 2018 - Jaqueline Löllin verschafft Skeleton-Sport mit Silber gute Perspektive

Skeleton in Deutschland: Perspektive stimmt dank Lölling-Silber
Von Kevin Obermaier / SID

18/02/2018 um 11:12Aktualisiert 18/02/2018 um 11:22

"Jacqpot!" stand in großen Buchstaben auf der riesigen Leinwand im Deutschen Haus, als Jacqueline Lölling Freudentränen vergoss. Unter tosendem Applaus fiel sie zu später Stunde ihren Eltern in die Arme, ließ ihr Olympia-Debüt Revue passieren. Das erste deutsche Gold im Skeleton hatte sie knapp verpasst - doch auch Silber war für ihren kleinen Sport ein Hauptgewinn.

"Ich kann das kaum in Worte fassen", sagte die 23-Jährige, "diese zwei Tage, diese vier Läufe waren so hart, ein echter Nervenkrieg. Es gab noch nie ein Olympiarennen im Skeleton, das so knapp war."

Nur Sotschi-Olympiasiegerin Lizzy Yarnold war nicht zu schlagen, 0,45 Sekunden fehlten am Ende auf die 29-Jährige. Laura Deas, eine weitere Britin, holte Bronze. Das hervorragende Ergebnis für das junge deutsche Frauenteam rundeten Vizeweltmeisterin Tina Hermann (25) und Anna Fernstädt (21) auf den Rängen fünf und sechs ab.

Skeleton: Perspektive stimmt dank Pyeongchang

Dabei hatten Lölling und Co. unter Druck gestanden, die Zukunft des deutschen Skeletons hing in gewissem Maße von ihrem Auftritt in Pyeongchang ab. Denn das Abschneiden und die Perspektive haben Einfluss auf die Sportförderung, und ein Nischensport kann nur mit Unterstützung wachsen.

Nach den enttäuschenden Winterspielen von 2014 "war die Medaille unser großes Ziel, das war ganz wichtig für unsere Sportart", sagte Bundestrainer Jens Müller. Dafür wurde seit vier Jahren viel getan, so Lölling, "es wurde an allen Schrauben gedreht, ich habe das nicht allein geschafft."

Und auch die Perspektive des Teams stimmt nun, auch wenn die Männer schon am Freitag die zarten Hoffnungen auf Bronze nicht erfüllen konnten. Lölling:

"Wir sind eine junge Mannschaft, waren alle zum ersten Mal bei Olympia. Und ich glaube, wir haben noch viel vor uns. "

Allein deshalb kann ihr Sport zuversichtlich auf die kommenden Förderrunden blicken, denn der DOSB will mehr denn je auf Potenzial achten. Lölling ist Weltmeisterin, Europameisterin und Weltcup-Gesamtsiegerin, Hermann holte schon 2016 den WM-Titel. Bei den Männern ist Axel Jungk (26) Vizeweltmeister.

Lölling, Hermann und Fernstädt müssen sich strecken

Dennoch wird es auch in den kommenden Jahren ein harter Kampf um gute Ergebnisse sein. Vor allem Lölling, Hermann und Fernstädt sind zwar hervorragende Pilotinnen, die im unteren Bereich der Bahn auf die höchsten Geschwindigkeiten kommen. Allerdings haben sie im Vergleich zur Weltspitze auch eine große Schwäche: Alle drei gehören zu den langsamsten Starterinnen im Feld, und Sprintstärke ist Veranlagung, nur bedingt trainierbar.

Zudem schläft die Konkurrenz nicht. Athletik, Fahrtechnik, Material, an allen Fronten wird um den Sieg gekämpft. In Pyeongchang wurde das vor allem am Beispiel Großbritannien deutlich: Zu den Spielen nutzte das Team plötzlich neue High-Tech-Rennanzüge mit verbesserter Aerodynamik, und die zuletzt nur durchschnittlichen Yarnold und Deas waren plötzlich ganz vorne dabei. Das gleiche galt bei den Männern für Bronzegewinner Dominic Parsons.

"Die haben da eine kleine Revolution gestartet", sagte Jungk anerkennend. Der deutsche Verband muss sich strecken, um mitzuhalten. Löllings Silbermedaille hilft da sehr.

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