Dominik Schwaiger war schier außer sich vor Freude. Als er im Zielraum der furchterregenden Stelvio abschwang und die "5" neben seinem Namen aufleuchten sah, ließ er einen Urschrei los, dann küsste er seinen rechten Ski, der ihn gerade zum besten Abfahrts-Ergebnis seiner Karriere getragen hatte - und darüber hinaus als fünften deutschen Schussfahrer zu den Olympischen Spielen.
Vor vier Jahren war der bisweilen übermütige Schwaiger (30) auf der herausfordernden Strecke im italienischen Bormio noch schwer gestürzt, diesmal jedoch gelang dem Draufgänger vom Königssee ein unerwartetes Husarenstück.
"Einfach geil", sagte der überglückliche Schwaiger, er habe "einfach einen geilen Lauf erwischt", dazu gute Ski für die extremen Bedingungen gewählt und während seiner Fahrt ein "geiles Gefühl gehabt". Tatsächlich holte der Sportsoldat vom Königssee vor allem im unteren Teil der Strecke auf, dort, wo den Läufern nach dem 3270 Meter langen Ritt über Eis und Wellen die Kraft ausgeht.
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Schwaiger hatte immerhin noch 1,10 Sekunden Rückstand auf den unwiderstehlichen Paris, der vor den Schweizern Marco Odermatt (+0,24 Sekunden) und Niels Hintermann (+0,80) zu seinem mittlerweile siebten Sieg auf der Stelvio fuhr - dem sechsten in der Abfahrt. Mehr Abfahrtstriumphe an einem Ort hat kein Rennläufer vorzuweisen. Am Mittwoch und Donnerstag kann Paris in den Super-G-Rennen nachlegen.

"Der König von Bormio": Paris mit siebtem Streich auf der Stelvio

Fünf deutsche Abfahrer für Olympia qualifiziert

Nur einmal war Schwaiger bislang besser gewesen im Weltcup, 2015 bei einem Parallel-Riesenslalom in Alta Badia. Doch genau genommen zählen diese Rennen nicht so recht, und so war die bemerkenswerteste Platzierung des ehemaligen Riesenslalom-Fahrers ein siebter Rang bei der Abfahrt 2019 in Beaver Creek/USA gewesen. Dort hatte er auch Anfang Dezember mit einem elften Rang gefallen.
Für die Olympischen Spiele (4. bis 20. Februar) sind nun fünf deutsche Abfahrer qualifiziert, neben Schwaiger die WM-Zweiten Andreas Sander und Romed Baumann sowie Josef Ferstl und Simon Jocher. Nur vier allerdings dürfen pro Disziplin starten. "Da können wir jetzt Schnick, Schnack, Schnuck machen, wer starten darf", witzelte Schwaiger - es wird in Peking wohl eine Ausscheidung geben müssen.

Ferstl, Baumann und Sander fahren in Bormio hinterher

Tatsächlich waren schon einmal fünf Deutsche bei einer olympischen Abfahrt an den Start gegangen. 1968 fuhren Gerhard Prinzing (7.), Luggi Leitner (12.), Franz Vogler (15.) und Dieter Fersch (19.) für die Mannschaft der BRD. Hinzu kam Eberhard Riedel (DDR), der allerdings mit der besten Zwischenzeit ausschied. Vier deutsche Abfahrer waren zuletzt 1988 in Calgary am Start gewesen.
Schwaiger überstrahlte das ansonsten schwache deutsche Abschneiden am ersten Renntag nach Weihnachten. In Bormio kam Ferstl als schnellster Teamkollege noch auf Rang 16. Baumann, WM-Zweiter im Super-G, und Sander, WM-Zweiter in der Abfahrt, belegten die Plätze 22 und 28. Jocher schied aus. Beim Riesenslalom im österreichischen Lienz, den die französische Ex-Weltmeisterin Tessa Worley gewann, verpasste Marlene Schmotz als einzige DSV-Starterin das Finale.
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(SID)

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