Kitzbühel: Weltcup-Comeback der Damen auf der Streif? Bernhard Russi stört Debatte: "Musst die Strecke kastrieren"

Anfang März haben erstmals seit knapp 64 Jahren Frauen-Rennen in Kitzbühel stattgefunden. Zweimal ging es im Europacup im Super-G um den Sieg, zweimal standen nur Österreicherinnen auf dem Podest. Im Anschluss wurde die Frage aufgeworfen, ob die Streif nicht auch im Weltcup ein Damen-Comeback feiern sollte. Olympiasieger Bernhard Russi sieht hinter einem solchen Vorhaben aber nur wenig Sinn.

Ein Triumph in der Abfahrt auf der Streif fehlt Weltcup-Dominator Marco Odermatt

Fotocredit: Getty Images

"Grundsätzlich kann man das machen, dass die besten Skifahrerinnen der Welt auf der Streif fahren", erklärte der ehemalige Abfahrtsspezialist im Podcast "Aprés-Ski" des Schweizer "Blick".
Doch wie man bei der stark verkürzten Streckenführung im Europacup gesehen hat, sei dieser Schritt mit einigen Anpassungen verbunden.
"Man kann natürlich einen Riesenslalom bauen bis zur Mausefalle und dann um die Falle herumführen, dass es keinen Sprung mehr gibt. Dann hast du aber immer noch den Steilhang mit 100, 150 Metern", so Russi. "Dann musst du die Männerstrecke kastrieren und das hilft niemandem. Wenn, dann muss man eine Abfahrt machen."
Und dieser Umstand wird in Kitzbühel zum Knackpunkt.

Russi: "So funktioniert es nicht"

Dabei will der zweimalige Weltmeister den Damen keineswegs die Fähigkeit absprechen, auch auf den den Herren vorbehaltenen Strecken zu bestehen. "Ich sage: 80 Prozent der Männer-Abfahrten können auch die Frauen fahren", sagte der 76-Jährige. "Aber es gibt gewisse Sachen - und da gehört Kitzbühel dazu - die Frauen nicht fahren können."
Letzten Endes sei es aber keine Frage des Geschlechts. "Auch gewisse Kamerafahrer ziehen da die Handbremse und sagen da: das überlasse ich jetzt den anderen."
Gewisse Teilstücke der Streif verlangen absolute Risikobereitschaft und Perfektion pur. "Die kannst du nicht langsam fahren, die musst du schnell fahren. Aber so funktioniert es nicht", schob Russi nach.

Clarey stellt die Frage nach dem Sinn

Mit dieser Meinung steht der Schweizer aber nicht alleine da. Eurosport-Expertin Florence Masnada, zweimalige Bronzemedaillengewinnerin bei Olympischen Spielen, machte zwischen den Abfahrten der Damen und Herren grundlegende Unterschiede fest.
"Auf der Streif, mit ihrem furchterregenden Gefälle bis zu 85 Prozent, müsse "man ein großartiger Skifahrer sein, aber auch viel Mut haben. Bei den Frauen geht es in der Abfahrt mehr um gute Linienwahl und darum, keine Fehler zu machen."
Bei den Männern hingegen sei die Risikobereitschaft höher. Für die "Art und Weise, wie die Piste für die Jungs präpariert wird", so Masnada, müsse "man 'Cojones' haben".
Eine mögliche Alternative, welche die eisige Streif erheblich entschärfen würde, wäre eine andere Präparation, die Verlegung in den wärmeren März oder starke Veränderungen der Streckenführung. Das würde jedoch sehr am Mythos Kitzbühel kratzen.
"Hat es einen Sinn, Kitz' umzusetzen, wenn man die ersten 30 und die letzten 30 Sekunden der klassischen Strecke nicht fährt?", fragte der französische Eurosport-Experte Johan Clarey. Der 44-Jährige gab sich darauf selbst die Antwort: Es wäre "eigentlich überhaupt nicht 'Kitz'."
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Quelle: Eurosport


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