Debakel für Marcel Hirscher in Levi kein Zeichen der Zeit - Fritz Dopfer: "Er wird in die Erfolgsspur zurückfinden"

Marcel Hirscher musste im ersten Weltcup-Slalom seit seinem Comeback einen Rückschlag hinnehmen. In Levi verpasste der achtmalige Gesamtweltcupsieger auf Rang 46 in deutlicher Manier den zweiten Durchgang. Nach seinem Achtungserfolg beim Auftakt im Riesenslalom in Sölden verzockte sich Hirscher in Finnland bei der Materialwahl. Die Situation kann sich jedoch bereits beim Weltcup in Gurgl drehen.

Pinheiro Braathen stark, Hirscher enttäuscht - Highlights

Quelle: Eurosport

"Eine der schlechtesten Slalom-Fahrten meines Lebens", nannte Marcel Hirscher seinen Auftritt im nebligen Levi: "Ich hatte keinen Grip, es war wirklich eine Plagerei."
Eurosport-Kommentator Fritz Dopfer sah live die Anspannung im Gesicht des Salzburgers, die Skier seiner eigenen Marke rutschten über den eisigen Untergrund, x-beinig und fehleranfällig hangelte er sich die "Black Levi" hinunter.
Selten sah man Hirscher derart weit außerhalb seiner Komfortzone auf der Piste. 2,69 Sekunden lag er hinter dem Führenden nach dem ersten Durchgang und späteren Sieger Clément Noel.
Hirscher beklagte die Bedingungen und seinen fehlenden Grip, den Halt auf dem eisigen Terrain in Finnland. Sein Team und er griffen beim Material daneben - ausgerechnet. Wohl kein anderer Fahrer im Weltcup hat ein derartiges Mitspracherecht in Sachen Skigestaltung und Team wie der Doppel-Olympiasieger: Hirscher ist der Boss seiner eigenen Skimarke "Van Deer". Rund 20 Ski-Sets und 30 Paar Skischuhe sollen zu seiner Verfügung parat stehen.
Trotzdem wurde er von den extrem eisigen Pistenverhältnissen überrascht und konnte sich nicht darauf einstellen. Im Gegensatz zu früher fehlte Hirscher der Fehler-Spielraum - diesmal konnte der Tüftler, der in seiner Laufbahn in Durchgang eins nicht nur einmal "verwachst" hatte, seine Erkenntnisse eben nicht mehr im zweiten Lauf umsetzen.

Dopfer vergleicht Skifahren mit Formel 1

Anders der Norweger Henrik Kristoffersen, der nach Platz elf im ersten Durchgang noch auf Platz zwei vorfahren konnte - mit der gleichen Skimarke wie Hirscher.
Wie das funktionieren konnte, erschließt sich aus Hirschers Analyse vom "fehlenden Grip" und der Einschätzung von Linus Straßer gegenüber dem "BR" zu beiden Läufen: "Der Steilhang war im ersten Durchgang sehr glatt. Im zweiten Lauf war es eigentlich genau das Gegenteil, der Schnee war aufgeraut und es wurde sehr griffig."
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Dopfer-Analyse: "Aicher hat enorm viele Fähigkeiten"

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Dopfer verwies im Gespräch mit Eurosport nach dem Rennen auf eine differenziertere Lage: "Man sollte Hirschers Situation nicht direkt mit anderen Athleten wie Kristoffersen vergleichen. In der Formel 1 ist es ja genauso: Verstappen und Pérez fahren zwar im selben Auto, aber was dahintersteckt – die Motoren, die Bremsen, die Reifen – ist oft ganz unterschiedlich. So lässt sich auch die Leistung von Marcel Hirscher nicht nur anhand des Materials bewerten."
Vielleicht hätte sich Hirscher unter diesen anderen Bedingungen im zweiten Durchgang trotzdem noch steigern können. Mit diesen Konjunktiven hielt sich der Niederländer in Levi nicht auf, er schaute nach vorne: "Ich glaube, jetzt werden die Telefone schon einmal heiß laufen. Was machen wir jetzt in den nächsten Tagen? Wo trainieren wir? Wie sind die Verhältnisse in Gurgl? Ist es dort auch so eisig wie heute?"

Chance für Hirscher: Der Druck ist weg

Dieser Rückschritt kann für Hirscher und sein Team aber auch etwas Gutes haben: Der Druck wird etwas von seinen Schultern genommen. Die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit passt sich an - in Richtung eher realistischer Ergebnisse zwischen Rang 15 und 25.
In Sölden war das im Riesenslalom noch anders. Da konnte er den ersten Durchgang mit Startnummer 34 bei sonnigen, griffigen Verhältnissen angehen. Und im zweiten Lauf auf frischer Piste angreifen. Zudem profitierte er vom Ausfall von Topfavorit Marco Odermatt und anderen starken Fahrern wie Manuel Feller und Stefan Brennsteiner.
Geduld dürfte eine weitere wichtige Eigenschaft sein, die Hirscher bei seinem Comeback mitbringen muss, meinte auch Dopfer: "Seine Leistung wurde im Team sicherlich schon kritisch analysiert und in Maßnahmen umgewandelt. Es wird etwas Zeit brauchen, aber dann wird er in die Erfolgsspur zurückfinden."
Die alpine Weltspitze ist in den technischen Disziplinen zusammengerückt, nicht erst in den vergangenen fünf Jahren. Läufer wie Noel und Lucas Pinheiro Braathen fahren im Slalom inzwischen eine andere Linie, noch enger an den Toren. Hirscher konnte in den ersten beiden Rennen zeigen, dass er körperlich sicher in der Lage ist, sich für den zweiten Durchgang zu qualifizieren. Sein Comeback im Stangenwald zeigte aber auch, dass Fehler auch einem einstigen Dominator auf diesem Niveau nicht verziehen werden.
Der 35-Jährige will für diese Saison ohnehin langfristig planen. Das Ziel: Punkte sammeln, um seine Startgruppe zu verbessern, um dann bei der Heim-WM in Saalbach in aussichtsreicher Position zu liegen. Dafür muss er künftig allerdings zweite Durchgänge erreichen.
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Paukenschlag beim Slalom-Comeback: Hirscher verpasst zweiten Lauf

Quelle: Eurosport


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