Sicherheit im alpinen Skisport - deutsche Stars um Linus Straßer werden in Debatte deutlich: "Totale Augenwischerei"

Die schweren Verletzungen von Stars wie Francesca Brignone, Aleksander Aamodt Kilde oder Cyprien Sarrazin und der tragische Tod von Matteo Franzoso - die Debatte über mehr Sicherheit holt den alpinen Rennsport immer wieder ein. Viele Athleten halten die bislang getätigten Maßnahmen wie etwa die Einführung des Airbags für nicht ausreichend. Eurosport hat sich bei den Rennläufern des DSV umgehört.

Vogt exklusiv: "Die FIS versteht nicht, dass wir Schmerzen haben"

Quelle: Eurosport

Der Auftakt der alpinen Weltcupsaison war ein Fest. Sölden präsentierte sich als "Winterwonderland" und die Begeisterung der Skisportfans ist ungebrochen. Wie eh und je wurde auch wieder Rennsport der Extraklasse geboten.
Doch die Gefahr von Stürzen und daraus resultierenden schweren Verletzungen fährt immer mit. "Uns ist allen klar, dass wir einen Extremsport betreiben, aber es ist unglaublich unglücklich, was in den letzten Jahren passiert ist", sagte Technik-Spezialistin Lena Dürr im exklusiven Gespräch mit Eurosport und spielte damit auf prominente Opfer wie Francesca Brignone oder Cyprien Sarrazin oder den Tod des Italieners Matteo Franzoso beim Speed-Training Mitte September in Chile an.
Das Thema Sicherheit nimmt bei den Alpinen mittlerweile genauso viel Raum ein wie Materialtests oder die Suche nach der richtigen Linie. Mit der Einführung der schnittfesten Unterwäsche und des Airbags, der zumindest in den Rennen ab dieser Saison verpflichtend ist, hat der Weltverband FIS erste sinnvolle Maßnahmen getroffen.
Romed Baumann begrüßt die Pflicht, einen Airbag zu tragen auch aus Fairnessgründen. "Jetzt kann sich keiner mehr einen aerodynamischen Vorteil verschaffen durch eine Tragebefreiung", sagte der 39-Jährige.

Vogt kritisiert FIS: "Sie versteht das nicht"

Für Kira-Weidle-Winkelmann ist die Sicherheitsdiskussion damit aber noch lange nicht abgeschlossen. "Unterwäsche und Airbag sind Begleiterscheinungen, die helfen. Aber die weitaus größeren Probleme sind die Aggressivität, die das Material hergibt, sowie die Pistenpräparierungen. Wir müssen aber das große Thema Knie- und Kopfverletzungen unbedingt minimieren. Deswegen stehen wir immer noch am Anfang der Diskussion", sagte die Speedfahrerin bei Eurosport.
Slalom-Ass Linus Straßer spricht sich im Speedbereich und auch im Riesenslalom für verstärkte Zäune aus. "Das ist für mich essenziell, die Läufer müssen optimal geschützt werden", so der WM-Dritte im Slalom.
Für jede Menge Wirbel sorgte die Entscheidung der FIS, die Schienbeinschoner aus Carbon zu verbieten. Beim DSV herrscht darüber Kopfschütteln. "Das Verbot der Carbonschoner löst das eigentliche Problem nicht", stellte Luis Vogt klar und kritisierte den Weltverband: "Die FIS gibt uns die Schuld, dass wir mit den Dingern fahren und versteht nicht, dass wir ohne die Carbonschoner einfach Schmerzen an den Schienbeinen haben. Sie ist aber nicht gewillt, uns da entgegenzukommen."

"Augenwischerei": Straßer legt den Finger in die Wunde

Linus Straßer geht noch einen Schritt weiter und spart im Gespräch mit Eurosport nicht mit Kritik. "Man will die Carbonschienen verbieten, hat aber überhaupt kein Konzept für ein gut definiertes Reglement. Der eine schiebt es zum anderen rüber und letztlich kommt etwas dabei heraus, was totale Augenwischerei ist. Der mediale Druck ist gestiegen, deswegen hat man augenscheinlich etwas gemacht. Aber letztendlich hat man gar nichts gemacht", so Straßer.
Derweil appelliert Dürr an die Verantwortung jedes einzelnen. "Jeder, der in unserem Sport unterwegs ist, sollte sich Gedanken darüber machen, wo man für sich noch Stellschrauben finden kann, um den Skisport sicherer zu machen. Ich glaube nicht, dass es hilft, gegen irgendjemanden zu schießen, sondern jeder muss für sich schauen, das Optimale herauszuholen", sagte die zweimalige Weltcupsiegerin im Slalom.
Die Diskussion über mehr Sicherheit wird die Alpinen noch lange begleiten.
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Baumann exklusiv: "Für Olympia werde ich mich richtig ins Zeug hauen"

Quelle: Eurosport


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