Sölden: Tiefer Fall für Lucas Braathen, US-Girls mit Olympia-Kampfansage - Lara Gut-Behrami will letzte Höhenflüge
Update 27/10/2025 um 17:04 GMT+1 Uhr
Mit dem traditionellen Auftakt in Sölden ist der Startschuss für die alpine Ski-Saison gefallen. Am Rettenbachferner wurde den Zuschauern ein Spektakel geboten, trotz Wind und Wetter krönten sich am Wochenende zwei verdiente Sieger. Dahinter spielten sich ebenso interessante Geschichten ab - von einem tiefen Fall über eine erste Olympia-Kampfansage bis hin zum ersten von vielen letzten Malen.
Highlights: Odermatt siegt bei Saisonauftakt - Schwarz meldet sich zurück
Quelle: Eurosport
In der Welt des Ski Alpin bleibt nie etwas beim Alten. So war es nicht verwunderlich, dass über den Sommer hinweg neue Helden geboren wurden, die sich beim Weltcup-Auftakt am vergangenen Wochenende in Sölden zum ersten Mal in Szene setzten.
Dank Julia Scheib etwa feierten die Damen des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) ihren ersten Sieg im Riesenslalom seit fast neun Jahren. Die US-Girls präsentierten sich zum Start in die Olympia-Saison bärenstark - mit Mikaela Shiffrin als Team-Playerin.
Am Sonntag wurde schließlich ein Vorgeschmack auf jenen Showdown geliefert, den der Weltcup seit der schweren Verletzung von Marco Schwarz im Dezember 2023 so schmerzlich vermisst hatte. Ohne Souveränität der Organisatoren wäre dies aber nie zustande gekommen.
Sieben Geschichten vom Weltcup-Auftakt in Sölden.
1.) Odermatt vs. Schwarz: Der Showdown beginnt
Vielleicht hat das rot-weiß-rote Fahnenmeer das letzte Prozent bei Schwarz herausgeholt.
"Wenn der 'Blacky' Blut leckt und so ruhig wird und mit sich und der Welt zufrieden ist, weißt du, dass er gefährlich wird. In diesem Ding ist er gerade drin", schwärmte Atomic-Rennsportleiter Christian Höflehner im Interview mit der "Kronen-Zeitung".
Der 30-jährige Lokalmatador brachte die 15.300 Zuschauer auf dem Gletscher mit seinem zweiten Platz zum Beben. Bereits im ersten Lauf sorgte er mit einer phänomenalen Leistung im flachen Schlussakt - wo er 0,48 Sekunden schneller als Sieger Marco Odermatt war - für Ekstase. Den ÖSV-Helden selbst übermannten im Zielraum die Emotionen. Im Interview beim "ORF" in Tränen aus.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/10/26/image-f56099e9-fd69-4f2a-b253-9ff7a5df91f1-85-2560-1440.jpeg)
Odermatt schlägt Schwarz zum Auftakt im Riesenslalom
Quelle: Eurosport
Im Dezember 2023 war Schwarz als Führender im Gesamtweltcup nach Bormio gereist, riss sich dort aber das Kreuzband. Der erhoffte Schlagabtausch um die große Kristallkugel fiel damals ins Wasser.
22 Monate später stand der Kombinationsweltmeister zum ersten Mal wieder auf dem Weltcup-Podest. "Es war ein langer Weg zurück, das letzte Jahr war wirklich hart für mich", sagte er in einer Medienrunde. "Aber ich habe wieder Vertrauen in meinen Körper, und das ist wirklich großartig."
Nach dem Hundertstel-Krimi von Sölden ist klar: Schwarz meldet sich nach einer Übergangssaison endgültig zurück und sagt Odermatt im Olympia-Winter den Kampf an.
2.) Hut ab! Eine Show trotz Wetter-Chaos
Dass es zu diesem spannenden Auftakt gekommen ist, war nicht zuletzt den Organisatoren im renommierten Wintersportort Sölden zu verdanken.
Trotz Wind, Schnee und Nebel machten FIS-Renndirektor Markus Waldner und Co. einen fairen Wettkampf möglich. Wie? Ganz nach dem Motto "Picasso".
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/10/26/image-e65dcb94-9969-4a67-8002-1629ef3fc255-85-2560-1440.jpeg)
Odermatt gesteht: Mit Absage gerechnet
Quelle: Eurosport
Das Kontingent jener Pistenarbeiter, die mit blauer Lebensmittelfarbe die Ränder und Wellen der Piste markieren, gemeinhin als "Picassos" oder "Alpenmaler" bekannt, wurde vor dem zweiten Durchgang aufgestockt, um einen Blindflug der Athleten aufgrund des dichten Schneefalls zu vermeiden.
Kürzere Startintervalle, nur eine Werbepause im TV und die Alpenmaler rutschten nach jedem Rennläufer die Strecke hinunter - so muss Freiluftsport unter extremen Bedingungen laufen!
3.) Deutsche Ski-Asse liefern ab
Für Aufsehen sorgten auch die Starter aus dem Deutschen Skiverband (DSV).
In den Ötztaler Alpen landeten mit Anton Grammel (11./+1,32 Sekunden), Fabian Gratz (17./+1,58), Jonas Stockinger (19./+1,69) und Alexander Schmid (27./+2,83) gleich vier DSV-Asse in den Punkten.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/10/26/image-9226e790-6d3a-4b97-b5e7-950a7d61134a-85-2560-1440.jpeg)
Stockinger: "Anspruch sind die Top Ten"
Quelle: Eurosport
Dass sich vier DSV-Starter in einem Riesenslalom für das Finale qualifizieren, ist eine Seltenheit. Zuletzt war dies in der vergangenen Saison im Dezember in Beaver Creek gelungen, davor 20 Jahre lang überhaupt nicht.
Ein gutes Omen für die Olympia-Saison, der nächste Schritt wäre für das Quartett der Sprung in die Top 10.
4.) Scheib bricht gleich zwei ÖSV-Flüche
Druck verspürte Schwarz am österreichischen Nationalfeiertag mit Sicherheit, im Gegensatz zu seiner Landsfrau Julia Scheib war der Allrounder zumindest daran gewöhnt.
Die erste Halbzeitführung der Karriere - in ihrem Fall ein Vorsprung von 1,28 Sekunden - muss man vor einer Rekordkulisse von 15.900 Zuschauern erst einmal hinunterbringen.
Die 27-Jährige aus der Steiermark bescherte Österreich den ersten Sieg in einem Damen-Riesenslalom seit Eva-Maria Brem im März 2016 im slowakischen Jasna und den ersten Heimerfolg in Sölden seit Anna Veith im Jahre 2014.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/10/26/image-44ad1517-940b-45b2-8d17-2dce70fb8473-85-2560-1440.jpeg)
Fauxpas bei der Siegerehrung: Scheib hält Trophäe falschrum
Quelle: Eurosport
Sowohl auf der Piste als auch am Mikrofon bestach die introvertierte Scheib jedoch mit der Souveränität und Abgeklärtheit einer Seriensiegerin.
"Mir sind tausend Kilo von den Schultern gefallen. Der Lauf hat sich furchtbar angefühlt", meinte sie anschließend. "Zu gewinnen ist nie leicht. Auch wenn man in Topform ist. Bisher hat immer ein bisschen etwas gefehlt."
Der Startschuss für eine Erfolgsgeschichte in rot-weiß-rot?
5.) US-Girls strahlen - mit Team-Playerin Shiffrin
Eine Glanzleistung durften auch die US-Girls bejubeln.
Paula Moltzan fuhr hinter Triumphatorin Scheib auf den zweiten Platz (+0,58), dahinter folgten Mikaela Shiffrin (4./+1,42), Nina O'Brien (6./+1,75), Katie Hensien (12./+2,11), A J Hurt (13./+,2,14) und schließlich Elisabeth Bocock (19./+2,91). Ein geschlossenes Mannschaftsergebnis, wonach sich manche Nation die Finger lecken würde.
"Wir sind ein eingeschworenes Team und alle sind sehr ehrgeizig. Gleichzeitig sind wir auch sehr gute Freundinnen", verriet Moltzan anschließend in einer Medienrunde. "Ich denke, jeder weiß, um was für eine Saison es sich handelt."
Die Olympischen Winterspiele seien im US-Team stets präsent, ob im Wettkampf oder Training. "Wir alle versuchen uns zu qualifizieren, wir haben sechs Athleten, die im Riesenslalom stark performen - aber nur vier Tickets für Mailand und Cortina. Das ist allen bewusst", so Moltzan.
Im zweiten Durchgang befanden sich sogar fünf US-Amerikanerinnen unter den sieben Laufschnellsten. Der prominenteste Name, Mikaela Shiffrin, tauchte auf Rang sieben auf.
Der Freude für ihre Teamkolleginnen tat dies aber keinen Abbruch. Die 101-malige Weltcupsiegerin strahlte mit ihren Landsfrauen um die Wette, auf dem Teamfoto überließ sie den anderen das Rampenlicht.
"Wir träumen nicht mehr - wir ziehen es jetzt durch", schrieb die Team-Playerin auf Instagram. "Was für ein Tag für dieses Team!" Eine erste Kampfansage in Richtung Winterspiele - die US-Girls sind bereit!
6.) Braathen: Man kann auch tief fallen
Ausgerechnet Lucas Pinheiro Braathen erlebte einen gebrauchten Tag beim Skifest in seinem Wohnzimmer.
Als "Icon of the Alps" wird der Brasilianer in der Winterkampagne der PR-Abteilung des Veranstaltungsortes Sölden abgefeiert. Ein Imagefilm zeigt den extrovertierten Ski-Star von seiner bunten und schrillen Seite.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/10/26/image-b5159583-dbc1-4f87-be20-af9dd236b733-85-2560-1440.jpeg)
Pinheiro Braathen nach Ausfall in Sölden bedient
Quelle: Eurosport
Mit der traditionellen Samba-Einlage bei der Startnummernvergabe baute er den Hype um seine Person am Vorabend des Rennens noch weiter auf - am darauffolgenden Nachmittag sah sich der 25-Jährige auf dem Boden der Tatsachen wieder.
Ein Innenskifehler wurde dem für Brasilien startenden Norweger im ersten Durchgang nach wenigen Toren zum Verhängnis. Ein Autounfall, bei dem ein Reh angefahren wurde, brachte Pinheiro Braathen offenbar aus dem Konzept. Den Saisonstart hat sich der Paradiesvogel auf Skiern sicher anders vorgestellt.
7.) Gut-Behrami: Höhenflug statt Sentimentalität
Während Sölden traditionell den Auftakt in den Weltcup-Winter darstellt, war es für eine Athletin, die dem Ski-Rennsport seit vielen Jahren ihren Stempel aufdrückt, der Start in eine Abschiedstour.
Seit Lara Gut-Behrami im Juni ihr Karriereende angekündigt hatte, ist klar: Die Schweizerin stand in Sölden zum 15. Mal in ihrer Karriere im Starthaus und fuhr nach drei Siegen und einem zweiten Platz zum fünften Mal auf das Podest (3./+1,11).
Sentimental will die Olympiasiegerin und zweimalige Gesamtweltcupsiegerin aber nicht werden. "Am Ende mit der Fahne runterzufahren und allen zuzuwinken - das ist nicht das Ziel", meinte sie im Gespräch mit "SportNews.bz".
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/10/24/image-2e8e13a5-5ec6-44c8-8e26-63d4ffecff7a-85-2560-1440.jpeg)
Gut-Behrami emotional: "Da werde ich wütend"
Quelle: Eurosport
"Ich bin keine Person, die zurückblickt", führte sie weiter aus. "Dann ist das eine Traurigkeit, die ich nicht brauche."
Eine gemütliche Abschiedstour ist für Gut-Behrami demnach keine Option, Höhenfluge statt Sentimentalität peilt die Ski-Königin aus dem Tessin an: "Ich würde mich nicht jeden Tag in den Kraftraum stellen, arbeiten und schwitzen, nur um locker runterzufahren. Dafür bin ich einfach zu stolz."
Lara Gut-Behrami - so wie der Weltcup-Zirkus sie zu lieben lernte.
Das könnte Dich auch interessieren: Shiffrin emotional: "Damit wird er sein Leben lang zu kämpfen haben"
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/10/26/image-f02a027b-bd66-483d-971d-50a580e4c835-85-2560-1440.jpeg)
Starke Aufholjagd: Gratz mit bestem Riesenslalom-Ergebnis
Quelle: Eurosport
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung