Lucas Braathen steht vor dem Comeback im Ski-Weltcup: Das sind die Hürden für eine Rückkehr
VonThomas Gaber
Publiziert 06/03/2024 um 13:57 GMT+1 Uhr
Lucas Braathen wird wie erwartet auf die Skipiste zurückkehren. Wie der Superstar am Mittwoch im Gespräch mit dem brasilianischen Medium "Globo Esporte" bestätigte, wird er fortan unter brasilianischer Flagge an den Start gehen. Die öffentliche Verkündung soll am Donnerstag erfolgen. Doch welche Hürden müsste Braathen hinsichtlich eines Comebacks überwinden? Eurosport hat sich umgehört.
Braathen zu Gast in Kitzbühel: "Dann vermisse ich den Skisport"
Quelle: Eurosport
Hier ein Selfie mit Luc Alphand und Daron Rahlves, dort eins mit Aksel Lund Svindal. Dazwischen ein Podcast mit Felix Neureuther und abends ein Auftritt als DJ im Club Beyond Kitz. Lucas Braathen hetzte im Rahmen der Hahnenkammrennen im Januar in Kitzbühel von Termin zu Termin.
Auch drei Monate nach seinem überraschenden Rücktritt als Rennläufer war der Norweger ein gern gesehener Gast im Mekka des alpinen Skisports. Doch noch viel lieber würden ihn ehemalige Konkurrenten, Skisportfans und Sponsoren wieder auf der Piste erleben. Im Stangenwald am Kitzbühler Ganslernhang oder im steilen Gelände des Chuenisbärgli in Adelboden.
Braathen hat die Wünsche erhört. Am Mittwoch bestätigte er seine Rückkehr gegenüber "Globo Esporte" - zudem erklärte er, dass er fortan für Braslien an den Start gehen wird. Für Donnerstag (ab 11:00 Uhr im kostenlosen Livestream auf Eurosport.de) hat ein Sponsor des 23-Jährigen zu einer Pressekonferenz nach Salzburg geladen, auf der Braathen das Ganze offiziell machen will.
Brasiliens Skipräsident Anders Petterson reist am Mittwoch nach Salzburg und wird der Pressekonferenz beiwohnen.
Braathen-Comeback: Vorfeude bei Kilde und Dopfer
"Wir möchten, dass Lucas für Brasilien fährt. Aber es ist noch nichts unterschrieben. Die Gespräche laufen noch", sagte Pettersson unlängst dem norwegischen TV-Sender "NRK".
Die Reaktion auf die angekündigte Pressekonferenz ließ in Norwegen die Korken knallen. "Das erste, was ich dachte, war 'YES'!", sagte Lars Myhre, der für "NRK" arbeitet.
Aleksander Aamodt Kilde kann das Comeback seines Landsmanns kaum erwarten. "Es ist großartig für den Sport, dass er zurück ist. Lucas ist ein unglaublich guter Freund, den ich sehr vermisst habe", sagte der derzeit verletzte Superstar.
Auch beim ehemaligen Slalom-Vizeweltmeister Fritz Dopfer ist die Vorfreude groß. "Braathen ist ein unfassbar selbstbewusster Typ. Ein Freigeist, der unabhängig sein will. Ich hoffe, dass wir ihn wieder bestaunen können - wo auch immer, in welchem Dress auch immer und mit welcher Skimarke auch immer. Solche Persönlichkeiten können dem Skisport nur gut tun", sagte der zweifache WM-Medaillengewinner und Eurosport-Experte.
Norwegischer Skiverband kann Lizenzwechsel behindern
Doch bei aller Euphorie über seine bevorstehende Rückkehr muss Braathen erst noch ein paar Hürden nehmen. Seine brasilianischen Wurzeln machen einen potenziellen Wechsel zum brasilianischen Skiverband laut den Regularien des Skiweltverbandes FIS per se einfach.
Allerdings könnte ihm der norwegische Skiverband, mit dem sich Braathen überworfen hatte, in die Suppe spucken. Für einen Verbandswechsel muss die schriftliche Zustimmung des bisherigen Verbandes eingeholt werden. Würde der norwegische Verband diese verweigern, dürfte Braathen von einem anderen Verband keine Teilnahmelizenz an FIS-Rennen ausgestellt werden.
Aber: Das letzte Wort hat die FIS. Der Vorstand behält sich das Recht vor, ungeachtet der Erfüllung der genannten Bedingungen einen Lizenzwechsel nach freiem Ermessen zu verweigern oder zu billigen, wenn er der Auffassung ist, dass dies dem Sinn der FIS-Regularien widerspricht oder im Interesse der FIS ist.
Bis 1. Mai muss Brasilien bei der FIS eine Lizenz beantragen, über die dann im Rahmen der Frühjahrssitzung der FIS Ende Mai entschieden wird. Nach Eurosport-Informationen gilt die Zustimmung eines Verbandswechsels von Braathen seitens der FIS als Formsache. Der Weltverband weiß um den (Werbe)-Wert des exzentrischen Norwegers, der nicht nur ein außergewöhnliches Skitalent besitzt, sondern auch abseits der Pisten die Massen anzieht.
Braathens Hürden: FIS-Code, FIS-Punkte, Brasiliens Status
Doch was käme auf Braathen hinsichtlich seines Wettkampf-Status zu? Der Technik-Spezialist hat eine ganze Saison ausgesetzt. In der aktuellen FIS-Athletenliste taucht sein Name aber nach wie vor auf. Zudem verfügt Braathen weiterhin über einen aktiven FIS-Code, der Voraussetzung ist, um bei FIS-Wettkämpfen zugelassen zu werden.
Aufgrund seiner Erfolge aus der Saison 2022/23, als Braathen den Slalom-Weltcup gewinnen konnte, wird er in der aktuellen FIS-Punkteliste im Slalom mit dem Wert 0 auf Rang eins geführt. Hintergrund: Ein Athlet startet mit 999 Punkten und kann sich dann peu à peu "runterarbeiten". Neben Braathen haben auch die aktuellen Slalom-Könige Manuel Feller und Linus Straßer 0 Zähler.
Da er zum offiziellen Start der Saison 2024/2025 am 1. Juli zwölf Monate lang kein Rennen gefahren ist, bekommt Braathen einen Punkte-Aufschlag von 50 Prozent. Das ist noch immer ein sehr guter Wert und wird eine wichtige Grenze nicht überschreiten: 140 FIS-Punkte. Jeder der FIS angeschlossene Skiverband bekommt das Recht, einen Läufer im Weltcup starten zu lassen, wenn dieser maximal 140 Punkte hat.
Die Brasilianer haben derzeit 14 aktive Athleten bei der FIS gemeldet, darunter neun Männer, die allesamt kleinere Rennen fahren und für Weltcup-Veranstaltungen nicht infrage kommen.
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Tearful Braathen 'so excited' for next journey after announcing retirement
Quelle: Eurosport
Start mit Startnummer 10 oder 80?
Braathen könnte es also sofort wieder mit den Topstars der Slalomszene aufnehmen. Bleibt die Frage zu klären, wo er sich in der Startliste einreihen würde. Kann er Straßer und Co. unter gleichen Bedingungen mit der Nummer 10 die Stirn bieten oder muss er sich mit der 80 auf der Brust durch ramponierte Pisten kämpfen?
Die Antwort darauf liegt ungefähr in der Mitte. Am 1. Juli wird die FIS eine neue Liste auf der Basis der zurückliegenden Ergebnisse veröffentlichen, die dann ausschlaggebend für die Vergabe der Startplätze für die Weltcupsaison 2024/2025 sein wird. Nach Eurosport-Informationen dürfte Braathen im Slalom aller Voraussicht nach mit einer Startnummer zwischen 30 und 35 ins Rennen gehen.
Am Donnerstag herrscht Gewissheit, was Braathen wirklich im Schilde führt. Ein Restart würde dem Skizirkus einen enormen Schub verleihen.
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Shiffrin: "Ich hoffe, wir sehen Braathen wieder"
Quelle: Eurosport
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