Olympia 2026: Emma Aicher verpasst Gold bei Abfahrt der Frauen nur um vier Hundertstel: Mit Lockerheit ans Limit

Emma Aicher hat den Bann gebrochen und die erste Medaille für Deutschland bei den Olympischen Spielen 2026 gewonnen. Die 22-Jährige zeigte eine couragierte, aber keineswegs fehlerfreie Fahrt. Doch mit der nötigen Portion Lockerheit landete Aicher auf dem Treppchen - und verpasste Gold nur um einen Wimpernschlag. Die schwierigen Bedingungen auf der Tofana sorgten allerdings für Gesprächsstoff.

Aicher exklusiv im Silber-Interview: "Es hat sich schlecht angefühlt"

Quelle: Eurosport

Im Ziel ließ Emma Aicher erstmal die Schultern hängen, ehe sie vor Enttäuschung ihren Kopf auf die Absperrung legte und ihn zwischen ihren Armen vergrub.
Läppische vier Hundertstel fehlten auf die Bestzeit von Breezy Johnson und zu diesem Zeitpunkt (Aicher fuhr mit Startnummer zehn) schien eine Medaille nicht in greifbarer Nähe zu sein.
Dafür war Aichers Lauf eigentlich zu fehlerhaft. Sie hatte ihr Herz in die beide Hände genommen, ihr Ritt über die Olimpia delle Tofane war wild - vielleicht zu wild. Vor allem bei den zahlreichen Sprüngen hatte Aicher Schwierigkeiten.
"Über jedem Sprung hat es mich aufgerissen", murrte sie im Gespräch mit Eurosport, "ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass es sich ausgeht nach der Fahrt. Ich hab' mir nur gedacht, reiß Dich zusammen!"
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Emma Aicher nach dem ihrem Lauf im Ziel

Fotocredit: Getty Images

Ferstl und Rebensburg imponiert Aichers Lockerheit

Trotz ihrer Kamikaze-Fahrt lag Aicher ständig in Schlagdistanz mit Johnson und büßte erst im vorletzten Sektor die entscheidenden zwei Zehntel ein.
Josef Ferstl hatte gleich ein gutes Gefühl. "Als Breezy Johnson im Ziel war, habe ich mir gedacht: 'Wow, jetzt bin ich gespannt, was die anderen machen.' Ich dachte, dass keine mehr so richtig an Breezy rankommt. Als Emma dann nur vier Hundertstel hinten war, habe ich ihrem Manager geschrieben: 'Safe Medaille, safe Edelmetall.' Sie ist ans Limit gegangen, hat Fehler akzeptiert und sich durch den ganzen Lauf gekämpft - so ist man schnell", sagte der Eurosport-Experte.
Was Ferstl besonders imponierte, war Aichers Herangehensweise: "Sie hatte die nötige Lockerheit, als ob es kein besonderes Rennen war - aber es war die Olympia-Abfahrt."
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Duell um Abfahrts-Gold: Johnson und Aicher im Vergleich

Quelle: Eurosport

Viktoria Rebensburg, die das Spektakel für Eurosport in Cortina hautnah an der Strecke miterlebte, schlug in die gleiche Kerbe. "Beim Skifahren hat sie ihren eigenen Style. Auch wenn sie manchmal ein bisschen unkonventionell unterwegs ist, hat sie das richtige Gefühl für den Schnee. Emma macht sich keine Gedanken, zieht ihr Ding durch und bleibt sich selbst treu", sagte die Olympiasiegerin im Riesenslalom von 2010.
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Highlights: Aicher schrammt nur knapp am Olympiasieg vorbei und holt Silber

Quelle: Eurosport

Rebensburg: "Emma kann Olympia jetzt richtig genießen"

Ob Olympia, WM oder Weltcup - Aicher kennt keine Nervosität. "Die zwei Minuten vor dem Start sind die schönsten, da fühle ich mich besonders locker", sagte sie nach ihrem Silber-Lauf, der das gesamte deutsche Alpin-Team zusätzlich pusht.
"Die Medaille ist für alle eine Erleichterung. Ich kenne das Gefühl: Wenn jemand im Team eine Medaille holt, will man mehr. Das ganze Team sieht, es ist möglich, Medaillen zu holen", sagte Ferstl.
Das erste Edelmetall macht vor allem Aicher selbst noch gefährlicher für die Konkurrenz. "Sie hat abgeliefert und kann nun befreit drauflosfahren. Alles, was jetzt noch kommt, ist Zugabe. Ab sofort kann sie Olympia richtig genießen. Mit dieser Lockerheit und Entspanntheit kann man oftmals noch befreiter auffahren. Ob im Super-G, in der Team-Kombination oder im Slalom - sie hat einige Chancen", verdeutlichte Rebensburg.
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Drama nach 13 Sekunden: Vonn stürzt schwer in Abfahrt

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Eberharter kritisiert Bedingungen auf der Tofana

Dass Aicher mit einer fehlerhaften Fahrt überhaupt in den Genuss ihrer ersten Olympiamedaille kam, lag auch an den Bedingungen. Ohne Schnitzer kam keine Läuferin herunter, auch Johnson verlor im Mittelsektor einige Zehntel.
Stephan Eberharter, Olympiasieger im Riesenslalom 2002 und zweifacher Abfahrts-Champion auf der Streif in Kitzbühel, hält die überarbeitete Tofana für am Limit.


Für die Damen war die Strecke eigentlich zu schwer. So viele Sprünge müssen nicht sein, vor allem waren das alles Sprünge, die im Flachen landeten. Die Strecke ist ja an sich für die Damen super, nur warum muss ich da so viele Sprünge und Wellen einbauen? Das habe ich nicht verstanden,
sagte der Österreicher exklusiv zu Eurosport.
Die Hälfte der Läuferinnen sei damit überfordert gewesen. "Es gab ein paar wenige, die da mit großem Herz gefahren sind, wie die Olympiasiegerin Johnson und auch Emma Aicher. Die haben die Herausforderung angenommen. Viele andere sind an gewissen Stellen mit angezogener Handbremse gefahren. Da frage ich mich dann schon, ob eine solche Strecke sein muss", so Eberharter.
Aicher kamen die brutale Abfahrt, die vom schweren Sturz von Lindsey Vonn überschattet wurde, entgegen. Ihr erstes Edelmetall bei ihrer ersten Olympia-Teilnahme war erst der Anfang.
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Siegerehrung: Aicher strahlt mit Silbermedaille um die Wette

Quelle: Eurosport

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