Kjetil Jansrud regte sich vor allem über die Entscheidungsfindung von FIS-Renndirektor Markus Waldner auf. "Hier herrscht komplettes Chaos mit dem Informationsfluss, und man hat den Eindruck, dass Markus eine kleine Diktator-Linie ohne Informationen führte", griff Jansrud Waldner direkt an und kritisierte dessen fehlende Kommunikation.
Es sei schwer seine Top-Leistung abzurufen, wenn man keine Ahnung habe, ob es stattfindet oder nicht, begründete der Super-G-Olympiasieger von 2014 seine heftige Kritik.
Zudem passte es ihm auch nicht, dass nach drei Athleten schon abgebrochen wurde. "Gleichzeitig merkt man im gesamten Feld einen großen Unterschied zwischen denen, die eine dritte Fahrt hatten und denen, die keine hatten", legte Jansrud nach.
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Damit kritisierte er auch die Entscheidung, dass nach Angaben der Organisatoren aufgrund der schlechten Prognosen keine Verschiebung des Trainings möglich gewesen sei.

Waldner: "Böen waren zu gefährlich"

"Es war anders windig als gestern. Der Wind ist plötzlich gekommen. Die Böen waren zu gefährlich, also haben wir das Training gestoppt. Die Wettervorhersage hat uns kein Fenster gegeben. Wir sind für die Sicherheit verantwortlich, wir konnten sie nicht runterwinken", verteidigte Waldner die Entscheidung.
So bleiben Topfavorit Aleksander Aamodt Kilde (Norwegen), Matthias Mayer (Österreich) und Christof Innerhofer (Italien), die einzigen Athleten, die drei Trainingsfahrten auf der Olympia-Abfahrtspiste absolvieren durften.
Allerdings hatte Mayer am Samstag mit Startnummer eins schwer mit dem Wind zu kämpfen. Beim ersten Sprung wurde der Abfahrts-Olympiasieger von 2014 von einer Böe erwischt, der Österreicher konnte sich gerade so noch retten. Nach ihm fuhr Innerhofer, der dann jedoch nach der Hälfte der Strecke deutlich Tempo raus nahm.

Olympiasieger Mayer strauchelt im letzten Abfahrtstraining

Es folgte Kilde, der trotz schwieriger Verhältnisse einen Streckenrekord aufstellte. Dennoch wurde nach dem 29-jährigen Norweger der Trainingsdurchlauf abgebrochen.

Odermatt: "Einfach unfair und lächerlich"

Auch Doppel-Weltmeister Vincent Kriechmayr konnte die Entscheidung nicht nachvollziehen. "Es ist unverständlich, gestern war viel windiger. Wir sind um den Lauf umgefallen", tobte der Österreicher.
Landsmann Otmar Striedinger pflichtete Kriechmayr und Jansrud bei der Kritik bei. "Das Jury hat jetzt einen Schnellschuss gemacht. Die Entscheidung hat kein Athlet verstanden", so der 30-Jährige.
Der Gesamtweltcupführende Marco Odermatt hatte für die Jury-Entscheidung ebenfalls kein Verständnis. "Das ist einfach unfair und lächerlich!", echauffierte sich der 24-Jährige: "In den vergangenen Tagen wurde immer davon gesprochen, dass es ab zwölf Uhr ein Fenster mit nachlassendem Wind geben könnte, und dann wird um 11:15 Uhr abgebrochen."

Schwaiger versteht es nicht

Odermatt laut "Blick" weiter: "Ich war ganz in der Nähe von unserem Sprecher Johan Clarey. Der hat der Jury vorgeschlagen, das wir eine Trainingsfahrt mit Jacke und dicker Skihose machen, damit das Tempo um rund 20 km/h geringer ist. Doch nach zwei, drei Sätzen ist von der Jury keine Antwort gekommen. Es ist schon sehr bedenklich, wie man hier mit uns Athleten umgeht."
Sein deutscher Kollege Dominik Schwaiger beschwerte sich, dass die FIS nicht auf die Athleten hören würde. Die Entscheidung sei nicht fair, so Schwaiger, die Athleten hätten gerne weitergemacht.
"Unser Vorschlag war, oben Vollgas zu fahren und dann abzuschwingen, wo wirklich der Wind war. Jeder hätte sein Risiko selbst in der Hand gehabt. Wir haben versucht, mit der FIS zu diskutieren, die wollte es nicht annehmen. Schade ...", sagte Schwaiger.

Kilde trotz schwieriger Bedingungen mit Rekordzeit auf Olympia-Piste

Kilde verteidigt Abbruch: "Bei Sprüngen wirklich zu gefährlich"

Eine der wenigen, der für den Abbruch Verständnis hatte, war Kilde. Der Kitzbühel-Sieger, der bekanntlich seinen Trainingslauf noch absolvieren durfte, meinte: "Bei den Sprüngen war es wirklich zu gefährlich."
Bitter war der Abbruch auch für diejenigen Fahrer, die sich noch Hoffnungen machten, mit einem starken letzten Training die internen Ausscheidungen um die letzten Startplätze für sich zu entscheiden. Dazu hätte es eigentlich auch im deutschen Team kommen sollen. Andreas Sander, WM-Zweiter in der schnellsten Disziplin, und Simon Jocher sollten das vierte Ticket im Abschlusstraining ausfahren.
Durch den vorzeitigen Abbruch wurden beiden die Chance auf eine sportliche Entscheidung genommen. Zum Leidwesen von Jocher.
Bundestrainer Christian Schwaiger gab im Anschluss bekannt, dass Sander den vierten Abfahrts-Startplatz neben Romed Baumann, Josef Ferstl und Dominik Schwaiger für die erste alpine Medaillenentscheidung am Sonntag (4:00 Uhr MEZ live im Free-TV bei Eurosport 1 und bei Eurosport auf Joyn!) erhält.
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