Peter Schröcksnadel geht auf Distanz zu FIS-Präsident Johan Eliasch: "Sonst muss er weg …"

Johan Eliasch steht als Präsident des Ski-Weltverbands FIS immer stärker unter Druck. Nun rückt mit dem Österreicher Peter Schröcksnadel ein weiteres Schwergewicht der Wintersportszene vom schwedisch-britischen Geschäftsmann ab. "Ich kann seine Art der Verbandsführung nicht mehr mittragen", sagte der 81 Jahre alte ehemalige ÖSV-Präsident dem "Kurier".

Johan Eliasch (r.) 2019 mit Schauspieler Arnold Schwarzenegger in Kitzbühel

Fotocredit: Getty Images

Der Skizirkus hat mit drei Absagen bei vier angesetzten Rennen einen formidablen Fehlstart in den Weltcup-Winter 2022/23 hingelegt. Vor allem die Havarie der als Mega-Event geplanten umstrittenen Doppel-Abfahrt am Matterhorn mit Start in der Schweiz (Zermatt) und Ziel in Italien (Cervinia) schlug hohe Wellen.
Mittendrin: FIS-Präsident Johan Eliasch, der als radikaler Erneuerer gilt, damit aber zunehmend aneckt. Nun ist auch Peter Schröcksnadel, früher ein klarer Fürsprecher Eliaschs, von dem 60 Jahre alten Geschäftsmann abgerückt. "Ich kann seine Art der Verbandsführung nicht mehr mittragen", sagte der ehemalige FIS-Vize über den seit Juni 2021 amtierenden Eliasch. Er fühle sich "getäuscht" und sandte medial ein deutliches Signal.
Der Schwede müsse darüber nachdenken, wie der Ski-Weltverband schnell wieder in ruhigere Gewässer finden kann, sonst "muss er weg", wurde Schröcksnadel in der "Kleinen Zeitung" zitiert.
"Ich war der Meinung, dass es dem Skisport guttun würde, wenn jemand von Außen kommt, der offen für Erneuerungen ist", sagt der langjährige ÖSV-Präsident zudem im "Kurier": "Ich habe mich in ihm getäuscht. Es gibt elementare Auffassungsunterschiede."

Zentralvermarktung als Streitpunkt

Ein Streitpunkt: Die angestrebte Zentralvermarktung der Weltcup-Bewerbe, gegen die man sich vor allem beim mitgliederstarken (ca. 130.000 Personen) Österreichischen Skiverband (ÖSV) heftig sträubt. Für Schröcksnadel kommen Eliaschs Pläne einer "Enteignung" der nationalen Skiverbände gleich.
"Dabei müsste man sie stärken", findet der 81-Jährige. Die FIS ist für Ski alpin, Langlauf, Skispringen, die Nordische Kombination, Ski Freestyle und Snowboard zuständig. Eliasch, so der Vorwurf, konzentriere sich jedoch zu sehr auf den Alpinen Skisport und seine ehrgeizigen Großprojekte.
"Die Hoffnungen, die man in den Multimilliardär aus Schweden gesetzt hat, sind dahingeschmolzen wie der Schnee in der Sonne. Die neuen Wege, die Eliasch beschreiten wollte, scheinen die FIS mehr und mehr in die Sackgasse zu führen", heißt es im "Kurier".
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Peter Schröcksnadel

Fotocredit: Getty Images

ÖSV vs. Eliasch: Der Ton wird rauer

So wird der Ton zunehmend rauer. Eliasch erklärte zuletzt, dass nur die FIS Rechte an den Rennen besäße, und bezeichnete nationale TV-Verträge als ungültig. Schröcksnadel entgegnete nun in der "Kleinen Zeitung": "Er ist der Meinung, dass die FIS alle Rechte hat, das teile ich nicht."
Die FIS habe "die Marke 'Weltcup' und das Recht, Rennen zu vergeben. Aber Veranstalterrechte, die hat sie eben nicht", so der Österreicher. Die FIS habe "nicht die Macht, die sie zu besitzen glaubt".
Auch Expansionspläne des FIS-Präsidenten stoßen in Österreich auf Ablehnung. "Eliasch will den Sport woanders implementieren, wo er nicht auf fruchtbaren Boden fällt. Das wird nicht funktionieren. Der Skisport ist vorwiegend in Europa beheimatet", findet Schröcksnadel.

Eliasch und Schröcksnadel mögen sich nicht mehr

Zu Eliasch und Schröcksnadel gibt es allerdings auch eine Vorgeschichte. Der Österreicher hatte den schwedisch-britischen Geschäftsmann zunächst unterstützt, FIS-Präsident zu werden. Später firmierte er selbst kurzzeitig als FIS-Vize und im Council und sollte dann zum Direktor der FIS-Marketing-Gesellschaft gemacht werden - das stieß jedoch bei Eliasch auf Widerstand.
"Er will alles sofort haben - was aber nicht geht. Er sucht dann auch Lösungen mit Rechtsstreitigkeiten, das ist nicht mein Weg. Also bin ich ausgestiegen", erklärte Schröcksnadel sein Ende bei der FIS.
Eliasch wiederum nutzte die Querelen, um mit der "FIS M+M" eine neue Gesellschaft zu gründen, die sich ums Marketing und die weltweite Vermarktung kümmern soll.

Interessenkonflikt um Ortlieb?

Dort arbeitet nun aber in Lara Ortlieb die Tochter von ÖSV-Finanzreferent Patrick Ortlieb - für Schröcksnadel ein Interessenkonflikt, hat der ÖSV doch mit anderen kleineren Verbänden die im Mai 2022 erfolgte Wiederwahl von Eliasch angefochten. Am 5. Dezember wird am Internationalen Sportgerichtshof CAS verhandelt.
Mit Schröcksnadels Ansichten konfrontiert, stellte nun Vater Ortlieb sein Amt zur Verfügung. "Sollte die Arbeit meiner Tochter, ein ganz normaler Job, für jemanden ein Problem sein, bin ich der Letzte, der ein Problem hat, alle Funktionen zurückzulegen. Immerhin investiere ich ehrenamtlich meine Zeit, um Finanzreferent zu sein", sagte er laut "Kleine Zeitung".
Der Streit zwischen Eliasch und Schröcksnadel zieht also weiter Kreise - Fortsetzung folgt …
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Dreßen exklusiv: "Matterhorn-Absage nervt"

Quelle: Eurosport

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