Lena Dürr atmete schwer, die Freudentränen in ihren Augen glänzten im gleißenden Flutlicht. "Papa, das ist für dich!", wiederholte die 30-Jährige aufgewühlt jene emotionalen Worte, die sie wenige Minuten zuvor beseelt in die TV-Kamera gerufen hatte. Peter Dürr war einst ein passabler Abfahrer, 1988 stand er als Dritter in Schladming das einzige Mal auf einem Weltcup-Stockerl - auf jener Piste, auf der Tochter Lena in einem mitreißenden Nachtslalom am Dienstag eine Familientradition fortsetzte.
Platz drei auf der "Planai" hinter den Topstars Mikaela Shiffrin und Petra Vlhova, "das ist ein Hammer", rief Dürr, "unglaublich! So cool, dass ich das hier schaffen konnte." Sofort habe sie an ihren Vater und dessen Coup denken müssen, "es macht mich stolz, dass ich es ihm gleichtun konnte". Ihre Stimme wurde brüchig, "das ist ein Traum", brachte Dürr noch heraus.
Sie erfüllte ihn sich mit Ansage: An Weihnachten habe sie im Familienkreis die alten Fernsehbilder der Erfolge ihres Papas nochmal gesehen, berichtete sie, "das hatte ich im Kopf". Und den Wunsch, "Danke" zu sagen. Ihre Familie sei immer für sie da gewesen, meinte Dürr, "egal, wie schlecht es die letzten Jahre lief. Es ist so cool, wenn man dann etwas zurückgeben kann."
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Dürr galt in jungen Jahren als kommender Star und potenzielle Nachfolgerin der dreimaligen Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch, Talent war reichlich vorhanden. Doch sie schien förmlich an den Erwartungen zu zerbrechen, verlor vor drei Jahren sogar vorübergehend ihren Kaderstatus. "Menschlich und von der Einstellung her", sagte Cheftrainer Jürgen Graller in Schladming, habe Dürr das geholfen.

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Medaillenanwärterin bei Olympia

Der große Durchbruch kam in diesem Winter. In sieben Slaloms war sie dreimal Dritte, je einmal Vierte und Fünfte. Ihr kleines Zwischentief mit den Plätzen 18 und elf über den Jahreswechsel ist aufgrund einer Erkrankung gut erklärbar, zu Olympia nach Peking (ab 4. Februar) fährt sie neben der WM-Zweiten Kira Weidle als einzige alpine Medaillenanwärterin.
Oder? Dürr lachte nach der überaus gelungenen Generalprobe, "daran denke ich jetzt gar nicht", behauptete sie. Aber, gab die 30-Jährige zu, "zumindest ist es mal in Reichweite, sagen wir mal so". Chef Graller betonte: "Sie hat in dieser Saison gezeigt, wo sie ist." Dürrs Nervenstärke sei "beeindruckend".
Das liege daran, dass sie sich im Rennen nicht mehr allzu viele Gedanken machen müsse, meinte sie. "Ich steige auf die Ski und weiß, dass alles funktioniert unter mir." Skifahren sei da wie Puzzeln: "Je mehr zusammenpasst, desto leichter und einfacher geht es." Das soll auch in China gelten.
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