Linus Straßer konnte sein Glück am Dienstagabend kaum fassen, sprach im Nachgang von einer "unglaublichen Nacht". Mit einer herausragenden Darbietung auf der Planai sicherte sich der Münchner den Sieg und ließ die beiden Spitzen-Athleten Atle Lie Mcgrath aus Norwegen und Manuel Feller aus Österreich hinter sich.
Straßer habe nur "mich, mein Skifahren und den Berg im Kopf gehabt", wie er erklärte. Er ergänzte: "Wenn einem das gelingt, das ist das Schönste, was es gibt. Ich genieße es sehr." Dass der 29-Jährige derart überzeugen würde, war im Vorfeld nicht unbedingt abzusehen. Noch vor wenigen Tagen hatte Straßer mit seinem Auftritt in Kitzbühel gehadert und den legendären Ganslernhang, der ihm einen enttäuschenden 14. Rang beschert hatte, als "Schweinsberg" bezeichnet.
Für Fritz Dopfer fußt die Leistungssteigerung in Schladming vor allem auf der psychologischen Stärke Straßers. "Das war eine fulminante und reife Leistung. Der Sieg war hochverdient", sagt Dopfer exklusiv im Gespräch mit Eurosport.
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Er schiebt nach: "Linus war mit seiner Leistung in Kitzbühel selbst nicht zufrieden - davon hat er sich aber nicht unterkriegen lassen, sondern hat die richtige Entschlossenheit an den Tag gelegt. Es war schön zu sehen, dass er offensichtlich auch im mentalen Bereich einen großen Schritt nach vorne gemacht hat."

Dopfer: Straßer hat "unglaubliche Persönlichkeitsentwicklung vollzogen"

Generell sei Straßer sehr reflektiert und in der Lage, seine Leistungen gut einzuordnen: "Er ist über die Jahre hinweg gereift und hat eine unglaubliche Persönlichkeitsentwicklung vollzogen. Der Sieg in Schladming dient als gutes Beispiel dafür: Dass er wenige Tage nach dem nicht optimalen Rennen in Kitzbühel solch eine Leistung abruft, zeugt von einem kühlen und klaren Kopf und einem warmen Herzen", sagt der ehemalige DSV-Fahrer.

Slalom-Drama in Schladming: So wird Straßer zur Gold-Hoffnung bei Olympia

Dass sich Straßer nun in Übermut verlieren könnte, schließt Dopfer aufgrund besagter Charakterzüge aus - alleine aufgrund der großen und qualitativ hochwertigen Konkurrenz. Das jüngste Rennen habe einmal mehr eindrucksvoll gezeigt, wie hoch die Leistungsdichte an der Spitze dieser Tage ist.
"Skifahren ist ein knallhartes Tagesgeschäft, es geht tagtäglich darum, Feinheiten abzustimmen. Es gab in dieser Saison bislang sechs Weltcup-Rennen mit sechs verschiedenen Siegern und 14 unterschiedliche Podest-Fahrer", sagte Dopfer. "Das Niveau im Slalom ist sehr hoch. Linus weiß, dass er zu den Top-Athleten zählt und an einem guten Tag ganz vorne mitfahren kann. Er weiß aber auch um die starke Konkurrenz."

Dopfer: "Linus hat alle Möglichkeiten, ganz vorne mitzufahren"

Starke Konkurrenz, mit der Straßer selbstverständlich auch in Peking konfrontiert wird. Entsprechend wichtig sei es, dass Straßer die richtige Balance zwischen Fokussierung und Durchpusten findet. "Die Spannung permant hochzuhalten, ist schwierig. Deshalb wird er die nächsten Tage es etwas ruhiger angehen und das System herunterfahren. Dann wird er noch ein paar Tage intensives Skitraining absolvieren", so Dopfer.
Worauf es in China schließlich besonders ankommt? "Im Anschluss geht es darum, in einer guten mentalen und körperlichen Verfassung nach Peking zu fliegen. Vor Ort heißt es, sich so schnell wie möglich zu akklimatisieren und die Begleitumstände weitestgehend ausblenden."
Wird diese Voraussetzung erfüllt, kann Straßer aus Dopfers Sicht auf erfolgreiche Spiele hoffen. "Ich bin kein großer Fan davon, konkrete Medaillen-Prognosen abzugeben. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass ein derartiger Druckaufbau nicht förderlich ist. Dennoch: Linus hat mit seinen Fähigkeiten und Vorleistungen alle Möglichkeiten, ganz vorne mitzufahren."
Dopfer werde seinem ehemaligen Kollegen jedenfalls "die Daumen drücken und hoffen, dass er sich seinen Traum erfüllen kann."
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Straßer flucht im Ziel: "Du Schweinsberg!"

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