Ski-WM: Letzte Chance für Felix Neureuther - Bereit, "einen rauszuhauen"

In seinem vermutlich letzten Rennen bei einer Weltmeisterschaft ist der angeschlagene Felix Neureuther die letzte Chance auf eine deutsche WM-Medaille in St. Moritz. Favoriten für das Slalom-Rennen am Sonntag (9:45/13:00 Uhr Live im TV bei Eurosport 1 und im kostenlosen Livestream & Liveticker bei Eurosport.de) sind aber andere Ski-Asse.

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Am Samstag hatte es Felix Neureuther auf die erste Seite der großen Schweizer Boulevardzeitung Blick geschafft - dummerweise nicht mit einer bemerkenswerten Leistung im Riesenslalom am Vortag. "Die Schweizer sind zu deppert", zitierte das Blatt den Deutschen zum beinahe katastrophalen Ausgang der Übungseinheit der Fliegerstaffel "PC 7 Team" der eidgenössischen Luftwaffe. Dumm gelaufen: Das "deppert" hatte Neureuther im Österreichischen Rundfunk gesagt, und bald lief es auch im Netz rauf und runter.

Wieder macht der Rücken Probleme

Neureuther ist seit seiner Ankunft in St. Moritz, genauer im benachbarten Celerina, fast täglich in den Schlagzeilen gewesen. Erst mit lockeren Sprüchen, dann aber wegen Unerfreulichem: Im Team-Wettbewerb schied die deutsche Mannschaft gleich in der ersten Runde aus, weil Schlussläufer Neureuther, der sein Duell unbedingt gewinnen musste, am Sprung kurz nach dem Start seinen ohnehin seit Jahren geplagten Rücken dermaßen verdrehte, dass er sich dabei eine Muskelverhärtung der üblen Sorte zuzog.
Im Riesenslalom am Freitag hatte Neureuther wegen des Rückens im Grunde genommen keine Chance - behauptete aber, der Start habe ihm geholfen, sich auf den Slalom einzustimmen:
Im zweiten Lauf des Riesenslaloms ist Neureuther immerhin die zweitbeste Zeit gefahren, am Ende wurde es Platz 16.
Neureuther ist immer in der Lage, einen rauszuhauen, nur: Diese Tage sind selten geworden. Er ist derzeit noch Vierter in der Slalom-Weltrangliste, er ist immerhin noch Sechster im Slalom-Weltcup, er hatte im Januar auch eine sehr gute Phase, in der er immer um einen Platz auf dem Podest mitfuhr, aber eben auch nur zweimal drauf. Und vor seinem vermutlich letzten WM-Rennen gehört er deshalb nicht zu den Favoriten, die Neue Zürcher Zeitung zählt ihn nicht mal mehr zu den Anwärtern auf eine Medaille. Wohl zu Recht.
Abgesehen davon, dass Linus Straßer derzeit in bestechender Form ist, Stefan Luitz zuletzt gut Slalom fuhr und Dominik Stehle immer mal wieder für eine Überraschung sorgt: Neureuther ist der letzte Trumpf, den der DSV bei dieser bislang so unglücklich verlaufenen WM hat.
Aber: Da sind noch Riesenslalom-Weltmeister Marcel Hirscher, Slalom-"Mozart" Henrik Kristoffersen, der starke Russe Alexander Choroschilow, die Schweden, die Italiener und sogar ein Engländer namens Dave Ryding. Jede Menge Konkurrenz.

Die Konkurrenz schläft nicht...

Wegen des WM-Slaloms ist Neureuther im vergangenen Sommer sogar in eine Skihalle gegangen zum Training. In Wittenburg, rund 80 km südlich der Ostsee und eine gute Autostunde östlich von Hamburg gelegen, simulierten er und die Teamkollegen die flache Zielpassage in St. Moritz - mit Erfolg. In einem nur 25 Fahrsekunden langen Kurs verbesserte sich Neureuther innerhalb von zwei Tagen um eineinhalb Sekunden. Nur: Die anderen schlafen auch nicht. Und es ist ja auch nicht das einzige Problem, das Neureuther hat.
Diese WM, hat Neureuther zuvor gesagt, sei eine gute WM, "wenn ich wieder das Gefühl habe, dass ich alles unter Kontrolle habe beim Skifahren". Dass er wieder das Gefühl habe, "dass du tun und lassen kannst, was du willst und es funktioniert einfach". Dieses "Gefühl suche ich seit zwei Jahren, das hatte ich schon mal", sagte Neureuther. Sollte er es zufällig am Sonntag wiederfinden, wird er am Montag sicher eine tolle Schlagzeile auf Seite eins haben.
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