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Ski-WM 2019 in Are | Ferstl weit zurück, Doppelsieg für Norwegen mit Jansrud und Svindal

Mit Video | WM-Abfahrt: Traumtag für Norwegen - Ferstl weit zurück
Von SID

09/02/2019 um 16:14

In der Abfahrt der Herren bei der Ski-WM in Are hat Josef Ferstl das Podium klar verpasst. Einen umjubelten Doppelsieg feierten die Norweger: Kjetil Jansrud setzte mit Startnummer sechs auf der verkürzten Strecke in 1:19.98 Minute eine Bestzeit, die keiner mehr knacken konnte. Hauchdünn hinter ihm landete Aksel Lund Svindal, der in seinem letzten Rennen Gold nur um 0,02 Sekunden verpasste.

Kronprinz Haakon von Norwegen hatte seine helle Freude, seine zahlreichen Untertanen, die ihn nach Schweden begleitet hatten, waren auf der Tribüne völlig aus dem Häuschen. Ihnen zu Füßen standen im dichten Schneetreiben von Are zwei Landsleute, die ziemlich besten Freunde Kjetil Jansrud und Aksel Lund Svindal: lachend, feixend, überglücklich.

Während der große Svindal sich im letzten Rennen seiner Karriere den Abschied versilberte, durfte der von ihm so oft besiegte Jansrud über das erste Gold bei einer WM und in einer Abfahrt jubeln. Übrigens mit 33 Jahren als ältester Weltmeister der Geschichte in der alpinen Königsdisziplin.

"Es hilft, alt zu sein", sagte Jansrud schmunzelnd mit Blick auf die widrigen, fast irregulären Bedingungen am Berg Areskutan.

Video - Gold-Fahrt im Nebel: Hier macht sich Jansrud zum Abfahrts-Weltmeister

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Die geschlagene Konkurrenz, darunter die Deutschen um Josef Ferstl (28.), schimpfte auf die Rennjury. Doch dass mit Jansrud, Svindal und Vincent Kriechmayr (Österreich) die Richtigen oben standen, bezweifelte keiner. "Ich habe in meiner Karriere mit Aksel oft das Podium geteilt", sagte Jansrud, der sich erst vor zweieinhalb Wochen in Kitzbühel die linke Hand gebrochen hatte, "dass ich das auch in seinem letzten Rennen tun darf, ist eine Ehre. Ein perfekter Tag."

Paris und Co. kritisieren Bedingungen

Um 0,02 Sekunden hatte der glühende Liverpool-Fan dem Kumpel eine Goldmedaille zum Abschied verwehrt, doch Svindal versicherte: "Mir geht es sehr gut, ich habe Spaß." Okay, Gold wäre "perfekt gewesen, so sind es 99,9999 Prozent. Und damit muss ich zufrieden sein." Ein schöneres Ende, sagte der einstige "Super-Elch" Kjetil Andre Aamodt, selbst mehrfacher Olympiasieger und Weltmeister, "hätten wir uns nicht erträumen können. Was für eine wunderbare Vorstellung!"

Das sah das geschlagene Feld ganz anders. "Es war einfach nicht fair", klagte Titelverteidiger Beat Feuz (Schweiz/4.), der hoch gewettete Super-G-Weltmeister Dominik Paris (Italien/6.) meinte:

"Man hätte das Rennen nicht starten dürfen. "

Ferstl fand es gar "gefährlich", weil nur wenige Meter neben der Ideallinie immer mehr Schnee auf die Piste fiel:

"Das darf nicht sein, das ist einfach scheiße! "

In Abwesenheit des verletzten Kitzbühel-Siegers Thomas Dreßen war Dominik Schwaiger auf Rang 25 bester Deutscher. Auch er fand es "ärgerlich", dass das Rennen nach zweimaliger Verschiebung letztlich doch gestartet wurde, noch dazu auf einer um fast einen Kilometer verkürzten Piste. "Wie es uns geht, interessiert halt manchmal gar keinen", sagte Ferstl, "die Medaillen sind vergeben, die Schnellsten vorne - fertig, aus."

Video - Ferstl kämpft sich durch WM-Abfahrt: Keine Chance auf Medaille

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Den Norwegern war es egal: Kraftpaket Jansrud, im Weltcup in dieser Saison nie besser als 13., gelang eine fast perfekte Fahrt. Als kurz darauf der Stilist Svindal über die Ziellinie raste, ging ein Aufschrei durch das Publikum. "Zwei Hundertstel hinter Kjetil, da wusste ich: Das wird eine höllisch gute Show! Ich habe mein letztes Rennen so genießen können, die Stimmung, es ist einfach unglaublich", sagte Svindal.

Es war in der Tat ein märchenhafter Tag für ihn - und Jansrud. Letzterer sprach von "payback", von ausgleichender Gerechtigkeit. Jansrud hat immerhin fünf Olympiamedaillen gewonnen, aber er war auch viermal nur Zweiter oder Dritter, zuletzt bei den Spielen 2018 in Pyeongchang, als er in der Abfahrt von Svindal um 0,12 Sekunden besiegt wurde. Im Super-G von Südkorea fehlten ihm als Drittplatziertem 0,18 Sekunden zu Olympiasieger Matthias Mayer (Österreich).

Video - Grandioser Abschied: Svindal rast zu Silber

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