Vier Medaillen. Vier! Wolfgang Maier könnte in eine leichte Euphorie verfallen, denn wenn er vor den alpinen Ski-Weltmeisterschaften gesagt hätte, "wir gewinnen vier Medaillen, hätten die Leute gesagt: Ja, spinnt der denn jetzt komplett!?"

Nein, auch der Alpinchef des Deutschen Skiverbandes (DSV) hat nicht erwartet, dass seine Mannschaft gleich vier Medaillen in Cortina d'Ampezzo gewinnt - er wäre schon mit zwei zufrieden gewesen. Aber: "Wir haben alle Erwartungen übertroffen", und: "Wir haben uns selbst überrascht."

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Die Bilanz mit drei silbernen Medaillen und einer bronzenen ist die beste seit der WM in Schladming 2013. Sie ist das Resultat einer gewissenhaften Arbeit der Rennläufer, ihrer Trainer und seit gut zweieinhalb Jahren auch eines Technologiezentrums in Berchtesgaden, an dem schlaue Köpfe darüber nachdenken, wie das Material verbessert werden kann.

Das war vor allem wichtig für die Schussfahrer Kira Weidle, Romed Baumann und Andreas Sander - die sogar Gold nur knapp verpassten. Sein Speed-Team, lobte Maier, sei "sensationell" gefahren - mit "historischen" Resultaten.

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Maier warnt trotz WM-Erfolg: "Haben massive Baustellen"

Fast allen Deutschen gelang es, gerade zum Saisonhöhepunkt ihre Bestleistung in diesem Winter oder gar in der Karriere abzurufen - die Zukunft ist freilich keineswegs rosig. "Man hat auch unsere Schwächen gesehen", betonte Maier, "wo Licht ist, ist auch Schatten."

Im Riesenslalom und im Slalom der Frauen "sind wir nicht konkurrenzfähig, wir haben massive Baustellen zu beheben, damit wir da wieder konkurrenzfähig sind". Dazu braucht es auch Nachwuchs, doch: "Wir haben zwölf Millionen Skifahrer in Deutschland, aber nur wenige haben Zugang zum Leistungssport."

Aber Angst vor der Zukunft? "Die habe ich nicht", beteuerte Maier. "Gut, natürlich gab es mal Olympische Spiele oder eine WM, wo wir keine Medaille geholt haben. Aber wir waren immer bei den besten Zehn dabei, wir konnten immer eine gewisse Leistung bringen, die uns nicht komplett von der Weltspitze abgedrängt hat."

DSV fehlt es in der Breite

Um dauerhaft eine Bilanz vorlegen zu können wie gerade eben, fehle es an der Breite: "Wir sind nicht das Team, das kontinuierlich in der Weltspitze fährt, wir können Akzente setzen, wir können mit guten Ergebnissen glänzen" - aber mehr nicht.

Maier weiß, dass die deutschen Alpinen viel intensiver suchen müssen als andere Nationen wie Österreich, die Schweiz, Italien oder Norwegen. Er weiß, dass er aus den wenigen viel machen muss. Er weiß, dass das nicht immer klappt. "Deutschland", sagte er, "ist kein Wintersportland", nicht einmal Bayern - "wir machen Sommertourismus". Kinder und Jugendliche müssten viel reisen, ihre Familien einen extrem großen Aufwand betreiben. "Unser Sport ist elitär geworden", sagte Maier, "die Basis wird immer dünner."

Aber keine Zukunft? Diese Sorgen kenne er seit Jahren, schon als "Maria Höfl-Riesch oder Katja Seizinger abgetreten sind, hat es geheißen, der deutsche alpine Skisport steht vor dem Untergang. Und dann kam der Felix, und dann kam der Dreßen - es kommen immer wieder welche." Zum Beispiel Emma Aicher (17) oder Simon Jocher (24).

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(SID)

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