Ski-WM 2023 - Fritz Dopfer feiert Gold-Coup von Alexander Schmid: "Einer der komplettesten Skifahrer"

Alexander Schmid hat mit seiner Goldmedaille im Parallel-Rennen der Ski-WM 2023 in Courchevel und Méribel Geschichte geschrieben. Der 28-Jährige sorgte für das erste deutsche Einzel-Gold der Herren seit 34 Jahren. Fritz Dopfer bezeichnet Schmid im exklusiven Eurosport-Interview als einen der komplettesten Weltcup-Fahrer, der sich nicht vor Henrik Kristoffersen und Marco Odermatt verstecken muss.

Highlights Parallel-Rennen: Schmid holt Gold für Deutschland

Quelle: Eurosport

Alexander Schmids Triumph im Parallel-Rennen bei der Ski-WM 2023 sorgte beim Deutschen Ski-Verband für "extreme Erleichterung". Immerhin fuhr der Oberstdorfer die erste deutsche Medaille in Courchevel und Méribel ein.
Fritz Dopfer zeigt sich im exklusiven Interview mit Eurosport vom Siegeszug seines ehemaligen Teamkollegen begeistert - auch wenn ihn der Gold-Coup nicht unbedingt überrascht hat. "Mir ist es immer so vorgenommen, er wusste gar nicht, wie gut er ist", erinnert er sich an seine gemeinsame Zeit mit dem "Sympathieträger" im DSV-Team.
Die Goldmedaille sei letzten Endes auch ein "Dosenöffner" für den 28-Jährigen, der sich vor den Großen des Weltcups nicht verstecken muss. "Alex hat es sich selbst bewiesen, dass er über einen Wettkampftag hinweg der Beste sein kann", so Dopfer. Aber auch Schmids Teamkollegen würden von seinem Gold-Coup profitieren. "Alex' Goldmedaille hat eine unglaubliche Signalwirkung fürs gesamte Team", führte Dopfer weiter aus.
Das Interview führte Thomas Gaber
Herr Dopfer, es ist ein historischer Tag für den deutschen Skisport. Linus Strasser hat die Goldmedaille von Alexander Schmid mit "saugeil" kommentiert, DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier im Eurosport-Interview mit "saugut". Wie fällt Ihre Reaktion aus?
Fritz Dopfer: Da reihe ich mich natürlich gerne ein. Alex' Goldmedaille ist ein Meilenstein in der deutschen Alpingeschichte. Er hat sich hochverdient zum Weltmeister gekrönt. Alex hat alle acht Duelle gewonnen, er war skifahrerisch sehr stabil und mental extrem abgeklärt. Er hat sein kleines Malheur aus dem Teamevent am Vortag weltmeisterlich weggesteckt.
Hätten Sie ihm diese Leistung zugetraut?
Dopfer: Hundertprozentig. Alex ist dank seiner brillanten Technik wie geschaffen für den Riesenslalom und auch für den Slalom. Wenn mich ein Kind fragen würde: "Fritz, an wem muss ich mich im Weltcup orientieren? Wen soll ich mir denn anschauen?" Ich würde immer sagen: "Schau dir den Alex Schmid an." Aus meiner Sicht zieht er technisch Schwünge wie aus dem Lehrbuch. Er hat eine super Grundposition über dem Ski und eine unfassbar parallele Skiführung. Er fährt so viele Schwünge wie möglich auf Zug. Alex ist in beiden Disziplinen einer der komplettesten Skifahrer derzeit.
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Schmid Medal Ceremony

Quelle: Eurosport

Auf einen Sieg musste Schmid dennoch lange warten. 2023 war bisher gar nicht sein Jahr mit vielen Ausfällen im Slalom. Wie hat er sich da rausgezogen, um plötzlich so abzuliefern?
Dopfer: Im Riesenslalom ist er in dieser Saison beständig unter die Top 10 gefahren, hat aber auch im Slalom mitunter die schnellsten Schwünge gezeigt und sich zweimal mit hohen Startnummern im ersten Lauf vorne positioniert. Leider ist er dann jeweils ausgeschieden. Es war aber zu beobachten, dass er auch im Slalom einen brutalen Entwicklungsschritt gemacht hat. Man darf eines nicht vergessen: Schmid hat sich Anfang Januar beim Einfahren in Adelboden das Kreuz verrissen und konnte nicht starten. Er war danach zwei Wochen außer Gefecht, so kurz vor der WM. Er hat einige Tiefschläge verkraften müssen, umso höher ist seine Leistung einzuschätzen.
Schmid sagte nach seinem WM-Titel, dass er das nicht erwartet hat. Ist er ein Zweifler?
Dopfer: Alex ist in erster Linie ein Sympathieträger, der im Team sehr geschätzt wird aufgrund seiner bodenständigen und besonnenen Art. Ich bin selbst noch mit ihm im Team gefahren. Mir ist es immer so vorgekommen, dass er gar nicht weiß, wie gut er ist. Das sind für mich ganz edle Charakterzüge, dass er sich selbst manchmal zurücknimmt, obwohl er zu den Besten seiner Zunft gehört. Umso schöner, dass er es sich am Tag X selbst gezeigt hat.
Kann er nach diesem Triumph in der Liga der ganz Großen Marco Odermatt oder Henrik Kristoffersen mitspielen?
Dopfer: Ja. Der mentale Aspekt war enorm wichtig. Alex hat es sich selbst bewiesen, dass er nicht nur im Training, nicht nur in einzelnen Abschnitten im Rennen, sondern über einen Wettkampftag hinweg, der Beste sein kann. Das kann für ihn selbst ein Dosenöffner sein, aber auch für den gesamten Verband.
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Weltmeister Schmid im Eurosport-Interview: "Unheimlich stolz"

Quelle: Eurosport

Wolfgang Maier sagte, der Druck auf die deutsche Mannschaft sei durch die Goldmedaille weg. Ist das aus Sicht der Athleten auch so?
Dopfer: Absolut. Bei einer WM ist immer Druck auf dem Kessel, für die Öffentlichkeit zählen vorwiegend die Medaillen. Je länger eine WM dauert und man keine Medaille gewinnt, desto mehr Druck kommt von außen und auch von innen. Das hat sich jetzt erledigt. Alles, was jetzt noch dazukommt, ist Zugabe. Alex' Goldmedaille hat eine unglaubliche Signalwirkung fürs gesamte Team.
Also auch für Lena Dürr, die beim Slalom am Samstag zu den Favoritinnen zählt.
Dopfer: Lena hat schon ausgezeichnete Leistungen bisher bei der WM gezeigt. Sie war die Einzige, die der Goldmedaillengewinnerin (Maria Therese Tviberg, Anm. d. Red.) Paroli geboten hat. Lena hat sie gekitzelt und gefordert wie nach ihr keine andere Läuferin. Sie hat ein gutes Gefühl zum Hang und zum Schnee aufgebaut. Lena ist in einer sehr komfortablen Situation: Sie weiß, dass sie ganz nach vorne fahren kann, wenn sie ihre Leistung bringt und sich am Limit bewegt. Und Schmids WM-Titel hat den Teamgeist noch einmal verstärkt. Linus Strasser hatte Pech in seinem Lauf mit der verrutschten Brille. Trotz der eigenen Enttäuschung ist er im Zielraum geblieben und hat mit Alex mitgefiebert. Er hat sich wahnsinnig gefreut für den Alex. Dieser Teamspirit kann für die letzten Rennen zusätzlichen Schub geben. Mein Optimismus ist groß, dass bei den ausstehenden vier WM Rennen auf dem DSV-Medaillenkonto noch etwas dazukommt.
Es sieht so aus, als sei Schmid der letzte Weltmeister im Parallel-Wettbewerb. Geht dem Skisport da nicht ein Stück Spektakel verloren?
Dopfer: Das ist ein faszinierender Wettkampf, ich war Zeit meiner Karriere ein großer Freund von dem Format. Der Skisport lebt von dieser Abwechslung, von dieser Spannung Frau gegen Frau / Mann gegen Mann und von dieser Nachvollziehbarkeit. Und es sind auch mal neue Namen vorne dabei. Das muss nicht jedes Wochenende sein, aber eine kleine Tour mit Parallel-Events würde dem Skisport richtig guttun. Der Bewerb wurde schon häufiger für tot erklärt und war dann doch jedes Mal wieder im Programm. Ein Rennen wie am Mittwoch ist die beste Werbung und ich hoffe sehr, dass das auch weiter Bestand haben wird.
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DSV-Alpindirektor Maier exklusiv zu Schmid-Coup: "Der Druck ist weg"

Quelle: Eurosport

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