WM in Saalbach: Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann exklusiv nach den Schweizer Triumphen: "Haben Historisches erreicht"
Der Schweizer Skiverband (Swiss-Ski) räumte bei der WM in Saalbach-Hinterglemm 13 Medaillen ab. Bei den Herren ließen die Eidgenossen nur sechs Medaillengewinner aus anderen Nationen zu. Der Österreicher Raphael Haaser war im Riesenslalom der einzige Nicht-Schweizer mit einer Goldmedaille. Urs Lehmann, Präsident von Swiss-Ski, erklärt im Exklusiv-Interview die Gründe für die Dominanz der Schweiz.
Perfekter Lauf: Meillard fährt zu historischem Gold
Quelle: Eurosport
Dominanz und Ausgelassenheit, so erinnert man sich an die Schweizer Alpin-Asse, die bei der WM in Saalbach fast nach Belieben dominiert haben. Nur die Frisuren von Marco Odermatt und Co. mussten angesichts der Vielzahl der Erfolge von Swiss-Ski leiden.
Nach Gold und Bronze in der Abfahrt durch Franjo von Allmen und Alexis Monney wurde der Rasierer ausgepackt. Athleten, Trainer und Betreuer wurden "frisiert". Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann kam bei dieser Aktion "ungeschoren" davon.
Trotzdem genoss der ehemalige Eurosport-Experte die Festspiele der Eidgenossen. "Es waren unglaubliche Wochen", sagte er im exklusiven Interview. Seit 2008 ist Lehmann Präsident im Schweizer Skiverband, der schon seit einigen Jahren der sportlich erfolgreichste ist.
Das liegt zu weiten Teilen an Odermatt, der den Gesamtweltcup in den vergangenen drei Jahren überlegen gewann. Die alpine Ski-WM in Saalbach-Hinterglemm hat gezeigt: In der Schweiz wird die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt.
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Urs Lehmann
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Die Stimmung im Team ist dabei ebenso auf Top-Niveau. "Wir haben eine familiäre Leistungskultur entwickelt, das ist sehr schön zu beobachten", sagte Lehmann im Interview mit Thomas Janz.
Wie lautet Ihr persönliches Fazit der alpinen Ski-WM in Saalbach?
Urs Lehmann: Es waren unglaubliche zwei Wochen. Klar, war es unser Ziel, den Medaillenspiegel zu gewinnen, aber dass es uns auf eine so eindrucksvolle Art und Weise gelingt, davon konnte man nicht ausgehen. Es ist ein sehr schöner Moment. Wir haben auch Historisches erreicht. Die Männer haben noch nie so viele Medaillen geholt – den Dreifachsieg in der Team-Kombination mit sechs Schweizern auf dem Podium hat es auch noch nie gegeben.
Wie ist diese super Stimmung im Schweizer Team, gerade bei den Männern, zu erklären?
Lehmann: Das hat sich über die Jahre entwickelt. Da ist sehr viel Vertrauen und gegenseitige Unterstützung vorhanden, dazu der Ehrgeiz, dass man der oder die Beste sein will. Und das alles in einem äußerst gesunden Umfeld.
Wir haben eine familiäre Leistungskultur entwickelt, das ist unglaublich schön zu beobachten. Das war schon in den letzten zwei oder drei Jahren unsere Stärke, aber jetzt, spätestens nach der "Haare-ab-Aktion" hat es, glaube ich, jeder begriffen.
Wie ist der Präsident der Haarrasur entkommen?
Lehmann: Weil ich just an diesem Tag unmittelbar nach dem Rennen am Sonntag in die Schweiz abreisen musste. So bin ich "ungeschoren" davongekommen (lacht).
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Im Schweizer Ski-Team laufen nun viele mit Glatze herum - so auch Marco Odermatt
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Es gibt Aussagen von Lara Gut-Behrami und Mikaela Shiffrin, die sagen, dass der unbedingte Leistungswille nicht mehr so vorhanden ist, auch durch das Social-Media-Zeitalter wie der Verkauf der eigenen Marke auf Instagram. Ist das etwas, was Sie ebenfalls beobachten können?
Lehmann: Die Leistungsbereitschaft und der Siegeswille sind der absolute Schlüssel zum Erfolg im Sport, ohne geht es nicht. Gleichzeitig kann man inzwischen auch über Social Media anderweitig Bekanntheit erlangen. Ich glaube aber, dass dem trotzdem viel Fleiß zugrunde liegen muss. Ich kann diese These weder unterstützen noch negieren. Ich denke, es handelt sich hierbei um zwei verschiedene Themenfelder.
Loic Meillard wurde nach vielen zweiten Plätzen zum erfolgreichsten Athleten der WM. Ist er der derzeit kompletteste Skifahrer im Schweizer Team?
Lehmann: Wir haben zwei unglaublich komplette Skifahrer in unseren Reihen, neben Meillard auch Marco Odermatt, der bisher dreimal den Gesamtweltcup gewinnen konnte. Wir haben mit Loic einen Fahrer, der bisher etwas im Schatten von Odermatt leben musste. Das hängt sicher auch mit den Persönlichkeiten der beiden zusammen.
Aber Meillard ist für mich auf dem gleichen Level wie Odermatt. Wir sind unglaublich glücklich, dass wir zwei solche Ausnahmeathleten in unserem Team haben.
Was zeichnet Meillard aus?
Lehmann: Meillard ist technisch herausragend. Er ist einer der technisch besten Skifahrer der Welt - vielleicht der Beste. Er ist ein anderer Typ, etwas ruhiger als Marco. Beide sind sehr sympathische Typen. Vielleicht hat oder hatte Marco noch etwas mehr Killerinstinkt. Die beiden sind unterschiedlich, aber sportlich würde ich sie auf einer Ebene sehen.
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Loic Meillard gewann bei der WM in Saalbach-Hinterglemm Gold im Slalom
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Nach seinem überragenden Auftritt mit Gold im Super-G hatte es den Eindruck, als hätte Odermatt durch die zahlreichen Medientermine, Feierlichkeiten und Nebengeräusche bei der WM etwas an Energie eingebüßt. Hätte man ihn aus ihrer Sicht etwas mehr vor dem Rummel schützen müssen?
Lehmann: Das würde ich so nicht sagen. Er ist ja nicht zum ersten Mal in einer derartigen Situation gewesen. Er ist seit einigen Jahren der Megastar des Sports und ist Medientermine und so weiter gewohnt. Ich glaube nicht, dass man sagen kann, "hätte man ihn mehr geschützt, dann hätte er auch mehr Medaillen gewonnen".
In diesem Jahr muss Odermatt vor allem Konkurrenz aus dem eigenen Land fürchten. Woher rührt diese unglaubliche mannschaftliche Geschlossenheit?
Lehmann: Auf hervorragendem Training, dem Ausbleiben von Verletzungen, harter Arbeit und einem herausragenden Trainerteam. Da hilft es natürlich, jemanden wie Odermatt im Team zu haben, an dem man sich auch im Training orientieren kann.
Wenn ich mit Odermatt im Training auf Augenhöhe bin, dann weiß ich, dass ich mit der Weltspitze mithalten kann. Das macht viel aus und motiviert. Das ist sicherlich ein Teil des Puzzles.
Im österreichischen Boulevard wird ein wenig gefrotzelt - im ewigen Medaillenspiegel seit 1931 sind die Österreicher schließlich noch deutlich vor den Eidgenossen. Was ist die Antwort des Präsidenten von Swiss-Ski und warum bleibt die Schweiz auch in den nächsten Jahren die Nummer eins im alpinen Skisport?
Lehmann: Zunächst einmal gratuliere ich den Österreichern zu ihrer Führung. Das ist nicht überraschend, sie haben auch die Nationenwertung bis 2019 30 Jahre hintereinander gewonnen. Das ist eine unglaubliche Leistung, vor der ich nur den Hut ziehen kann. Wir haben es in den letzten Jahren geschafft aufzuholen, vielleicht sogar vorbeizuziehen.
Diesen Moment können wir ein wenig genießen und dann hart weiterarbeiten, unseren eingeschlagenen Weg fortsetzen. Dieser Weg hat uns dorthin geführt, wo wir jetzt sind. Im Sport ist es immer so, dass solche Verhältnisse irgendwann kippen. Das gilt es zu erkennen und so schnell wie möglich wieder aufzustehen. Ich glaube, dass unser Team stark genug ist, um sehr schnell wieder in der Spur zu sein, wenn es einmal nicht so läuft.
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Ski-WM 2025: Vincent Kriechmayr (l., Silber), Franjo von Allmen (Mitte, Gold) und Alexis Monney (r., Bronze) feiern nach der Abfahrt von Saalbach-Hinterglemm mit Champagner
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Der Deutsche Skiverband (DSV) ist mit einer Bronzemedaille hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation im Ski-Rennsport in Deutschland aus der Ferne über die Landesgrenze hinweg?
Lehmann: Gratulation auch zu dieser Medaille, es wäre auch noch mehr drin gewesen. Gerade in der Team-Kombination lag die Medaille eigentlich schon bereit. Es gibt Talente beim DSV, allen voran Emma Aicher, die eine der ganz wenigen ist, die alle Disziplinen fahren. Es gibt einige vielversprechende Athleten. Es ist schade, dass die Mannschaft in der Breite nicht so gut aufgestellt ist.
Ich mute mir nicht an, die Gründe dafür zu beurteilen, aber ich glaube, wenn das deutsche Team noch breiter aufgestellt wäre, dann wäre das gut für den gesamten Skisport.
Die WM in Saalbach hat von der Stimmung her, aber auch in allen anderen Bereichen überzeugt und begeistert. Welche Auswirkungen wird das auf den Skisport generell haben?
Lehmann: Der Skisport hat ein hervorragendes Bild abgegeben in den vergangenen zwei Wochen. Es war hochemotional und hochprofessionell - die Stimmung, die Strecken und alles Drumherum - da kann man nur Höchstnoten verteilen. Das ist es, was der Sport braucht. Wenn man den Skisport auch weltweit populärer machen möchte, dann sollte das genau so aussehen. Da kann man den Verantwortlichen und dem ÖSV und von Saalbach-Hinterglemm nur ein großes Kompliment machen.
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Siegerehrung rein Schweizerisch: Viele Medaillen, wenig Haare
Quelle: Eurosport
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