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Lucas Braathen verkündet emotional sein Karriereende - scharfe Kritik an norwegischem Verband wirft Fragen auf
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Publiziert 27/10/2023 um 16:59 GMT+2 Uhr
Mit lediglich 23 Jahren hat Lucas Braathen seine Skier an den Nagel gehängt. Auf der in Sölden eigens dafür einberufenen Pressekonferenz schilderte der Youngster unter Tränen seinen Entschluss - und nahm dabei den norwegischen Verband unter Beschuss. Zwar beteuerte Braathen, dass sein Rücktritt nichts mit dem Konflikt über die Vermarktungsrechte zu tun hat, doch es bleiben dennoch Fragen offen.
Alpine Skiing: Press conference of Lucas Braathen talking about his retirement and the conflict with
Quelle: Eurosport
Lucas Pinheiro Braathen hatte Tränen in den Augen. Seelenruhig und bedacht erklärte der Norweger den auf der Pressekonferenz in Sölden anwesenden Medienvertretern, was auf sie zukommen würde. Doch ehe er auf die Gründe seines überraschenden Rücktritts zu sprechen kam, tauchte er in seine Kindheit ein - und offenbarte emotionalste Erinnerungen.
Der erste Funke für seine Faszination am Sport entsprang bei einem Familienbesuch in Brasilien. In seiner zweiten Heimat - Braathens Mutter ist Brasilianerin - werde Sport anders wahrgenommen als in Europa. "Er ist Teil unseres Lebens. Wir haben einen religiösen Bezug dazu", erklärte er: "Und die Athleten sind nicht nur Athleten - sie sind Götter."
Besonders der Fußball, welcher in Brasilien beispiellos zelebriert wird, hatte es dem jungen Norweger damals angetan.
Er sei besessen gewesen, habe sich stundenlang Videos von seinen Vorbildern wie Ronaldinho oder Thierry Henry angeschaut. "Es war in diesem Moment, als ich realisiert habe: Ich will mein Leben dem Sport widmen. Ich will zu einer Inspiration werden", sagte er.
Braathen: "Wollte über den Sport hinaus wirken"
Daraufhin formulierte Braathen drei Ziele, die er im Laufe der folgenden Jahre anstreben wollte. "Ich wollte in etwas der Beste der Welt werden. Der Gesellschaft, welche es mir erlaubt, meinen Traum zu leben, etwas zurückgeben. Und über den Sport hinaus wirken", fasste er zusammen.
Vor allem der letzte Punkt lag dem exzentrischen Youngster besonders am Herzen. Braathen wollte daran mitwirken, "den Sport zu einem Ort des Miteinanders und der Akzeptanz zu formen".
Das übergreifende Ziel seines Lebens sei dabei stets seine Freude gewesen. "Ich ging davon aus, dass ich so am glücklichsten werde", schilderte er. Ein Wunsch, der sich nicht erfüllen würde, wie er sehr früh in seiner Karriere rausfinden musste.
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Tearful Braathen 'so excited' for next journey after announcing retirement
Quelle: Eurosport
Braathen: Die heile Welt bröckelt
Nachdem er jahrelang hart an sich gearbeitet und es ohne finanzielle Unterstützung in den Weltcup geschafft hatte, fing seine heile Welt bereits zu bröckeln an.
Als er vor fünf Jahren im französischen Val d'Isere erstmals auf der ganz großen Bühne an den Start ging, verlor er nämlich sein höchstes Gut. "Das war der Tag, an dem ich meine Freiheit verlor", holte Braathen, der sich in den Fängen des norwegischen Verbandes "eingesperrt" fühlte, dramatisch aus.
Damit bezog sich Braathen auf seinen in den darauffolgenden Jahren schwelenden Konflikt mit seinem Verband hinsichtlich der Vermarktungsrechte an den Athleten. Gemeinsam mit seinem Vater versuchte er etwas zu bewegen, den Athleten mehr Selbstbestimmung zu verschaffen: "Das ist viel größer als meine Rechte allein. Das ist größer als Ski Alpin."
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Lucas Braathen hat sein Karriereende verkündet
Fotocredit: Getty Images
Braathen kritisiert Verband scharf
Auf einen gemeinsamen Nenner kamen die beiden Parteien nie - ganz zum Unmut von Braathen. Nach drei Jahren mühevoller und letztlich ergebnisloser Verhandlungen habe ihn das Gefühl geplagt, einen Verband zu repräsentieren, "der keinen moralischen Kompass hat, der seine Athleten missachtet und sich nicht korrekt verhält".
In Folge dieser Erfahrungen habe er sich immer wieder mit seinem zehnjährigen Ich unterhalten und seinen eigenen Werdegang hinterfragt.
Die Antwort war stets simpel - um glücklich zu sein. Doch daran sollte es letzten Endes scheitern, auch weil er seine drei zuvor auserkorenen Ziele nicht erfüllen konnte.
"Seine Entscheidung hat uns geschockt. Er ist ein super Typ und ein globaler Star, der viele junge Leute dazu gebracht hat, den Skisport zu verfolgen", bedauerte die ehemalie Gesamtweltcupsiegerin und Eurosport-Expertin Tina Maze.
Gänzlich nachvollziehen konnte sie jenen Entschluss jedoch nicht: "Ich akzeptiere das nicht, weil ich glaube, dass es Möglichkeiten gegeben hätte, dass sie (Braathen und der norwegische Verband; Anm. d. Red.) eine Lösung finden. Schließlich ist Lucas einzigartig und ein Idol - der Skisport braucht ihn."
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Maze äußert sich zum Braathen-Knall: "Ich akzeptiere das nicht"
Quelle: Eurosport
"Hier stecke ich fest": Braathen hadert mit seinen Zielen
Zwar krönte er sich im vergangenen Winter zum besten Slalomfahrer der Welt und gab der Gesellschaft mit seiner Stiftung etwas zurück, doch seiner Ansicht nach konnte er den Sport nicht zu einem besseren und diverseren Ort machen.
"Und hier stecke ich fest", gestand er. Als eine Person, die immer ihre Träume verfolgt hatte, würde er seine Überzeugungen niemals hintanstellen.
Mit dem Ideal brasilianischer Fußballer war Braathen einst in die Welt des Sports eingetaucht - zerbrochen ist er letztlich an seiner Meinung, was seine Vermarktung anbelangt.
Streit mit Verband macht Braathen mürbe
Im Herbst dieses Jahres hatte Braathen an einer Werbekampagne für die Bekleidungsmarke J. Lindeberg teilgenommen.
Nach Angaben des Sportdirektors Claus Ryste hatte Braathen dafür keine Erlaubnis. Der Verband Braathen für sein Vergehen eine Geldstrafe auferlegt. Diese jedoch hatte er bis Donnerstag nicht bezahlt. Am Freitag dann folgte der Paukenschlag.
Eigenen Aussagen zufolge tritt Braathen zwar nicht aus Protest zurück, doch erst nach seinem Rücktritt und der Befreiung aus den Fängen des Verbandes fühlte er sich "zum ersten Mal seit Jahren frei".
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Drama in zwei Akten: Braathen und Feller ebnen Yule den Weg
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