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Mikaela Shiffrin im Interview über ihre Saisonvorbereitung, Ziele und Kilde-Verletzung: "Ich bin noch nicht fertig"
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Update 16/10/2024 um 08:42 GMT+2 Uhr
Mikaela Shiffrin hat eine Ski-Saison voller Höhen und Tiefen hinter sich. Die US-Amerikanerin gewann zum achten Mal die kleine Kristallkugel im Slalom, stürzte allerdings im Frühjahr in Cortina d'Ampezzo schwer und musste wochenlang aussetzen. Im Exklusiv-Interview mit Eurosport spricht Shiffrin über ihre Saisonvorbereitung, ihre kommenden Ziele und die Verletzung ihres Partners Aleksander Kilde.
Größte Rivalinnen, Ängste, Ziele: Zwölf Fragen an Shiffrin
Quelle: Eurosport
Olympiasiegerin, fünfmalige Gewinnerin der großen Kristallkugel und Rekord-Weltcupsiegerin - langsam, aber sicher gehen einem die Superlative bei Mikaela Shiffrin aus.
Die 29-jährige US-Amerikanerin gewann im vergangenen Winter zum insgesamt achten Mal den Disziplin-Weltcup im Slalom und tröstete sich somit über eine turbulente Saison hinweg.
Immerhin war die Ausnahmeathletin im Frühjahr diesen Jahres in Cortina d'Ampezzo schwer gestürzt und hatte aufgrund einer Knieverletzung wochenlang pausieren müssen.
Noch schlimmer erwischte es ihren Verlobten Aleksander Kilde, der sich in Wengen bei einem üblen Abflug sowohl an der Schulter als auch an der rechten Wade verletzte, sodass er 45 Tage im Rollstuhl saß.
Im exklusiven Interview mit Eurosport-Expertin Viktoria Rebensburg spricht Shiffrin vor dem Weltcup-Auftakt in Sölden (26./27. Oktober live auf Eurosport 1 und bei discovery+) über ihre Vorbereitung, ihre Ziele sowie den Heilungsprozess ihres Partners.
Mikaela, wie war deine Sommervorbereitung?
Mikaela Shiffrin: Die Vorbereitung war gut. Im Gegensatz zum letzten Jahr, wo wir große Herausforderungen wie das grauenhafte Wetter in Chile zu bewältigen hatten. Dieses Mal war die Reise nach Chile und Argentinien wirklich produktiv. Ich habe jetzt so viel mehr Tage mit gutem Training hinter mir als 2023 um diese Zeit. Das stimmt mich positiv für den Start in die neue Saison.
Du hattest eine brillante letzte Saison mit insgesamt neun Siegen, bis du in Cortina d’Ampezzo schwer gestürzt bist. Was sind deine Ziele für diesen Winter? Letztes Jahr hast du nach dem Sturz die Speed-Disziplinen ausgelassen - sieht dein Plan in dieser Saison wieder so aus?
Shiffrin: Ich denke, dass ich mich dieses Jahr hauptsächlich auf Slalom, Riesenslalom und Super-G konzentrieren werde. In der letzten Saison hatte ich in der Vorbereitung den Fokus auf die Abfahrt gelegt. Ich konnte aber auch keinen Super-G fahren, weil wir an den entsprechenden Trainingstagen zu viel Schnee hatten. Im Vorjahr war mein großes Ziel, mich in der Abfahrt zu verbessern, um möglicherweise um Siege in dieser Disziplin kämpfen zu können. Aber dann habe ich gemerkt, dass es im Super-G etwas hapert. Der Sturz in Cortina hat mir jedoch gezeigt, dass man die Speed-Events nicht einfach so machen kann, ohne sich richtig vorzubereiten. Die Abfahrt ist eine echte Herausforderung, dafür braucht man drei bis vier Tage mit den Trainingsläufen und allem. Im Super-G bin ich dagegen eher in der Lage, schneller in die Disziplin reinzufinden. Das sind die Prioritäten und wir werden sehen, wie das läuft.
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Mikaela Shiffrin spricht offen über ihre Gefühlswelt
Fotocredit: Getty Images
Gibt es in deinem Team irgendwelche Veränderungen oder hast du alles so gelassen wie in den vergangenen Saisons?
Shiffrin: Ich habe einen neuen Trainer, Janne Haarala, den wir alle 'Jamo' nennen. Er ist gemeinsam mit Karin Harjo und meiner Mutter, die die meiste Zeit dabei ist, unterwegs. Dann gibt es noch meine Physiotherapeutin Regan Dewhirst sowie meine beiden Serviceleute Lukas Rottlinger und Robert 'Robbie' Bürgler.
Es gab viele kleinere Momente, die äußerst lebensbedrohlich waren und somit zu einer großen Sache wurden.
Auch für Aleksander Kilde war es ein etwas schwieriger Sommer nach seinem Sturz im vergangenen Winter in Wengen. Wie war es für dich? Hat sich das auch auf deine Vorbereitung ausgewirkt? Schließlich wird es auch mental einen Einfluss auf dich gehabt haben.
Shiffrin: Es war ein schwieriger Prozess, seit er so schwer gestürzt ist. Es gab viele kleinere Momente, die äußerst lebensbedrohlich waren und somit zu einer großen Sache wurden. Das war sehr kräftezehrend. Wir konnten aber in diesem Sommer viel Zeit miteinander verbringen, was wirklich schön war. Ende Juli wollte ich Skifahren gehen und auch er wollte es wieder versuchen, aber dann wurde eine Infektion entdeckt. Dadurch hat sich der ganze Plan geändert und ich sah ihn zwischenzeitlich fast drei Monate nicht mehr. Es ist traurig, die Person, die man liebt, so lange nicht zu sehen, und ich weiß, wie schwer es für ihn war - auch mental. Er war nicht in der Lage, all die grundlegenden Dinge zu tun, die ein Athlet normalerweise macht. Er konnte sich nicht wirklich viel bewegen, er durfte seinen Körper nicht zu sehr belasten und musste seine Ernährung umstellen, um zu versuchen, die Infektion aus seinem Körper zu bekommen. Es geht ihm aber gut und darüber bin ich wirklich froh.
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Shiffrin leidet mit Kilde: "Gab viele lebensbedrohliche Momente"
Quelle: Eurosport
Du hast schon unzählige Erfolge in deiner Karriere gefeiert. Was motiviert dich dazu, weiterzumachen? Welche Ziele hast du noch und was ist deine innere Motivation?
Shiffrin: Im Moment sind es mehrere Dinge. Meine Hauptmotivation ist, dass ich das Gefühl habe, dem Sport noch mehr geben zu können. In meinem Körper steckt noch mehr. Ich glaube, ich kann noch schneller fahren oder meine Technik hier und da verbessern. Ich bin noch nicht fertig mit dem, was ich dem Sport geben kann und von ihm bekommen möchte. Von den Siegen abgesehen, ist es das, was ich auf dem Berg fühle. Ich bin immer neugierig zu sehen, ob ich mich nicht nur heute verbessern kann, sondern ob ich auch morgen noch besser werde. Das ist wie eine Art Sucht für mich. Darüber hinaus befinde ich mich an einem interessanten Punkt in meiner Karriere, an dem ich dazu beitragen kann, dass hoffentlich mehr Menschen den Sport anschauen und auch begeistert davon sind. Das ist das Ziel. Bei all den Athletinnen gibt es im Moment wirklich interessante Persönlichkeiten. Diese Konkurrenz ist einfach großartig und ich liebe es, ein Teil davon zu sein. Hoffentlich helfen wir auch dabei, den Leuten neue Sportarten näherzubringen. Das ist neben den sportlichen Aspekten ein weiteres Ziel von mir.
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Shiffrin kämpferisch: "In meinem Körper steckt noch mehr"
Quelle: Eurosport
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