Peter Schlickenrieder verbrachte die letzten Tage und Nächte vor der heißen Saisonphase fest mit seinem Sitz verschraubt im Oberstdorfer Skisprungstadion bei der Vierschanzentournee. Das heißt: Nur das Papp-Alter-Ego des Langlauf-Bundestrainers freilich, denn dieses war eine von 350 Foto-Figuren, die beim Geisterspringen für ein wenig "Kulisse" sorgten.

Der echte Schlickenrieder tüftelte derweil am letzten Konzept für die Tour de Ski - dort will das bislang enttäuschende deutsche Loipen-Team zwei Monate vor der Heim-WM im Allgäu den erhofften Aufschwung hinlegen.

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"Die Saison ist noch lang, der Saisonhöhepunkt fast zwei Monate entfernt", sagte Schlickenrieder vor der am Neujahrstag beginnenden Wettkampfserie die in acht Etappen von Val Müstair (Schweiz) über Toblach nach Val di Fiemme (beides Italien) führt. Den ganz großen Ergebnisdruck will der Sprint-Olympiazweite von 2000 seinen Schützlingen nicht machen, bei der Tour gelte vielmehr: "Die Balance zu finden zwischen Wettkampf und Trainingskilometern."

Indes: Gute Ergebnisse würden der DSV-Auswahl auf dem Weg zum Saisonhöhepunkt in Oberstdorf durchaus gut tun. Bislang steht eine einzige Top-10-Platzierung durch Sprinterin Coletta Rydzek auf der Habenseite. Und das in einem Winter, in dem die Topnationen Norwegen, Schweden und Finnland zur Corona-Prophylaxe nach dem Auftakt-Wochenende nicht mehr im Weltcup antraten und erst zur WM in voller Stärke zurückkehren wollen.

Nur mitlaufen, das will Schlickenrieder auf den Etappen ins Fleimstal aber nicht, der 50-Jährige verweist auf "den sehr hohen Stellenwert und eine besondere Bedeutung" der Tour de Ski: "Mit Tobias Angerer hatten wir den ersten Gesamtsieger gestellt. Wir Deutschen wollen da einfach vorne mit dabei sein, und haben uns da bisher immer gut präsentiert."

Tour de Ski: Hennig für DSV-Frauen an

Eine für die dies gilt ist Katharina Hennig. In Abwesenheit der verletzten Victoria Carl ist die Vorjahresachte erst recht die beste deutsche Distanzläuferin und die aussichtsreichste Starterin unter den sechs deutschen Frauen.

"Mein Saisonstart war eher durchwachsen, aber das ist ohnehin nie die Zeit, in der ich übelst in Form bin. Das ist aber okay, bis zur WM ist es ja noch etwas hin", sagte die 24-Jährige, die Mitte Dezember immerhin Elfte über 10 km war. Bei der Tour de Ski hat sich Hennig eine klare Aufgabe gestellt: "Bessere Ergebnisse erreichen als bisher."

Das gilt auch für die deutschen Männer, die zuletzt stagnierten. Wie der junge Janosch Brugger, 2018 in Lillehammer noch sensationell der letzte deutsche Weltcup-Sieger. Oder Lucas Bögl, im Vorjahr immerhin 16. bei der Tour de Ski. "Bei der Tour zu sein, ist für mich persönlich wichtig, aber auch für den deutschen Langlauf", sagt Bögl: "Deswegen ist das auch in diesem Jahr trotz einer Heim-WM nicht anders."

Schlickenrieders Vorgesetzter sieht die Lage der deutschen Langläufer offiziell noch entspannt. "Wir wussten, dass es schwer wird im Hinblick auf den Kampf um das Podest, wir sind weiter in der Aufbauphase", sagt DSV-Präsident Franz Steinle und sieht das Team im Hinblick auf die WM "auf einem guten Weg". Spätestens in Oberstdorf müssen Schlickenrieders Schützlinge aber zeigen, dass sie anders als ihr Coach nicht von Pappe sind.

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(SID)

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