Das hat es mit dem neuartigen Skisprung-Helm der DSV-Adler auf sich

Einige deutsche Skisprung-Fans dürften beim Anblick zweier DSV-Adler bei den ersten Saisonspringen im polnischen Wisla und im finnischen Ruka etwas gestutzt haben. Denn Karl Geiger und Richard Freitag sprangen mit einem neuartigen Helm inklusive Wangenschutz. Ganz so neu ist dieser aerodynamische Kopfschutz aber nicht. Eurosport.de erklärt, was dahinter steckt.

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Fotocredit: Eurosport

In der Theorie soll der Helm mit dem zusätzlichen Wangenschutz die Luftströmung um den Springer herum verbessern. Eurosport-Experte Sven Hannawald erklärt:
Weniger Wirbel bedeuten weniger Widerstand, was wiederum das Tempo erhöht: "Wenn das gelingt, verliert man weniger Geschwindigkeit. Denn jeder Wirbel verringert Geschwindigkeit."
Und schnelleres Tempo erhöht die Chance auf weite Sprünge. "Das sieht man bei den Alpinen, die im Windkanal ihre Armhaltung testen, um möglichst wenige Wirbel zu verursachen", vergleicht der Vierschanzentournee-Sieger von 2001/2002 den Effekt mit einer anderen Wintersportart.

Nur Geiger und Freitag springen mit Zusatz

Jedoch bringt solch ein Helm nicht jedem Springer sofort etwas, denn mit neuem Material geht auch immer ein Eingriff ins Flugsystem einher. Und in erster Linie ist es wichtig, dass sich der Athlet in der Luft sicher fühlt. Dies ist unter anderem der Grund, warum in Wisla und Ruka nur Karl Geiger und Richard Freitag mit der neuen Helmkonstruktion sprangen.
Weltmeister Markus Eisenbichler war hingegen mit dem klassischen Helm unterwegs. "Eisenbichler ist noch nicht davon überzeugt. Er bleibt vorerst beim Altbewährten. Das liegt auch daran, dass er aktuell Knieprobleme und daher andere Sorgen hat, als sich noch auf neues Material einzustellen",verdeutlicht Hannawald die Situation des Weltmeisters. Es muss auch nicht jeder Springer den Helm nutzen, wie DSV-Pressesprecher Ralph Eder bei Eurosport betont: "Ob der Athlet den Helm springt oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen."

Sicherheit ebenfalls ein Faktor

Neben der Aerodynamik spielt aber auch die Sicherheit eine Rolle, wie Eder erläutert: "Die Athleten sollten sich beim Sturz nicht die Backe aufschürfen, wie das im Falle von Piotr Zyla passiert ist." Er ist sich sicher: "Der Mehrwert an Sicherheit ist kein Nachteil in der Aerodynamik."
Hannawald geht bei seiner Einschätzung sogar noch weiter:
Würde es vorrangig um die Sicherheit gehen, hätte man sich für einen Vollvisier-Helm entschieden, der wäre aber zu schwer.

Premiere bei der letztjährigen Vierschanzentournee

Ganz so neu, wie der Helm für viele Fans scheint, ist er aber gar nicht. Schon vor zwei Jahren kam diese Helm-Version bei der Vierschanzentournee zum Einsatz. Dort wurde er unter anderem von Andreas Wellinger und Eisenbichler getragen. Als die beiden damit beim Bergiselspringen in Innsbruck erschienen, war die Verblüffung bei den anderen Trainern groß. Österreichs damaliger Trainer Heinz Kuttin sagte der "Welt": "Ich will das auch. Das wird aerodynamisch sicher etwas bringen."
Doch dann wurde es wieder ruhig um die Innovation. Zum einen übernahm keine andere Nation den neuen Helm und auch bei den Deutschen verschwand der Zusatz wieder. Beispielsweise feierte Eisenbichler seine Erfolge in der vergangenen Saison mit einem normalen Kopfschutz ohne Zusatz.

Praxistest fehlt bislang noch

Tatsächlich sind die praktischen Auswirkungen noch nicht erwiesen. Hannawald merkt daher an:
Die Bilanz von Geiger und Freitag in Wisla und Ruka brachte ebenfalls wenig Aufschluss: Während Geiger in Wisla mit einem Quali-Sieg, einem starken Mannschaftsspringen und Platz sieben nach Halbzeit-Führung im Einzelwettkampf startete und im hohen Norden nochmal einen siebten Rang nachlegte, lief Freitags Saisonbeginn durchwachsen. Der Mann von der SG Nickelhütte Aue fiel im Einzelspringen von Wisla im zweiten Durchgang von Rang sieben auf Platz 24 zurück. In Ruka wurde Freitag als 15. zweitbester Deutscher.
Generell wird vorerst jeder Athlet für sich selbst entscheiden müssen, ob er sich persönlich mit dem Wangenschutz besser fühlt. Der reine Blick aufs Ergebnis dürfte dabei nur bedingt ausschlaggebend sein.
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