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Finnlands Skisprung-Legende Matti Nykänen gestorben
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Publiziert 04/02/2019 um 08:46 GMT+1 Uhr
Die Skisprung-Welt trauert um Matti Nykänen. Der viermalige Olympiasieger starb in der Nacht zum Montag im Alter von 55 Jahren. Das berichtet das finnische Magazin "Seiska" unter Berufung auf Nykänens Ehefrau Pia. Der Skiweltverband FIS bestätigte die Nachricht am Morgen. Die Todesursache ist noch unbekannt, Nykänen soll allerdings seit längerer Zeit krank gewesen sein.
Fotocredit: Imago
"Matti Nykänen ist tot. Einer der größten Skispringer aller Zeiten, vielleicht der größte, ist nicht mehr da", sagte Sportdirektor Clas Brede Brathen vom finnischen Skisprungverband. "Matti war für das Skispringen, was Lionel Messi und Diego Maradona für den Fußball sind", so Brathen weiter: "Er hat unseren Sport auf ein neues Level gebracht. Er war der Held, ein Idol für Generationen. Jeder wollte so springen wie Matti. Zu wissen, dass er gestorben ist, ist schockierend und traurig. Ruhe in Frieden, Matti."
Nykänen war einmal der beste Skispringer der Welt. Mit 18 gewann er die WM, mit 19 die Vierschanzentournee, mit 20 Olympia-Gold in Sarajevo.
Private Probleme bei Nykänen
Später folgte der tiefe Absturz des Überfliegers. Der Ausnahmesportler wurde wegen wiederholter häuslicher Gewalt und einer Messer-Attacke auf einen Freund verurteilt, außerdem prägten Alkoholexzesse, gescheiterte Ehen und Geldprobleme sein Leben. Die Hölle sei nicht so schlimm "wie mein Leben jahrelang war", sagte der gefallene Held 2012 in einem "Welt"-Interview: "Die Hölle muss ein besserer Ort sein."
"Nykänen hatte diese Genialität leider nur auf der Schanze, im Leben war er etwas verloren", sagte Bundestrainer Werner Schuster einmal. Da hatte der Finne gerade seinen Uralt-Rekord von 46 Weltcup-Siegen an Gregor Schlierenzauer verloren. Nykänen reiste daraufhin zum Springen nach Kuopio, um dem Österreicher persönlich zu gratulieren: "Gregor, du bist jetzt ein ganz großer Skispringer. Für mich der Größte aller Zeiten."
"Matti war zu seiner Zeit einzigartig"
Das war höflich, aber nicht unbedingt richtig. Vier Olympiasiege wie Nykänen hat Schlierenzauer (noch) nicht zu bieten. Vier Triumphe im Gesamtweltcup auch nicht. "Matti war zu seiner Zeit einzigartig", sagte auch Jens Weißflog, der sich mit dem finnischen Leichtgewicht viele Jahre lang einen erbitterten Zweikampf um die großen Titel lieferte: "Das war eine gesunde Rivalität. Nykänen war für mich eine Art Vorbild."
Doch all die Titel, all die Medaillen, sie halfen Nykänen im richtigen Leben nicht weiter. In seinem Wikipedia-Eintrag finden sich heute mehr Zeilen über die Zeit nach der Karriere als über die Jahre als Sportler. Die meisten handeln von Skandalen. Von seinen drei Scheidungen. Von einer Vorstrafe wegen Körperverletzung, weil er seine Frau mit einem Messer attackierte. Von seiner Zeit als Stripper und als Darsteller in Erotikvideos. Von einem Herzinfarkt im Jahr 2004. Und immer wieder von Alkohol.
"Wenn du trinkst, lebst du wie in einer Blase, siehst keinen Sinn", sagte Nykänen der "Welt" und versuchte sich an einer Erklärung: "Ich stand viele Jahre im Mittelpunkt, alle haben sich um mich gerissen. Ich hatte es satt, es war zu viel. Ich war unglücklich und habe angefangen, in mir drinnen eine Mauer hochzuziehen. Ich war sehr jung, als ich erfolgreich geworden bin, die Medien waren die ganze Zeit um mich herum - ich hätte Hilfe gebraucht. Das war der Anfang. Ich habe später getrunken, weil ich nichts anderes zu tun hatte, weil ich vergessen wollte."
Zu seinem 50. Geburtstag im Jahr 2013 sagte Nykänen, er habe sein Leben im Griff. Nun ist er gestorben.
Auch "Eddie the Eagle" trauert
Auch der britische Kult-Skispringer Michael Edwards alias "Eddie the Eagle" trauert um Nykänen. "Er war der beste Skispringer der Welt, ich der schlechteste. Für ihn war ich keine ernsthafte Konkurrenz, von daher hat er mir immer Tipps gegeben. Er hat nicht viel gelacht, aber er hat nie auf mich herabgesehen. Das rechne ich ihm hoch an", sagte der Brite der Bild.
Edwards war bei Olympia 1988 auf beiden Schanzen mit großem Rückstand Letzter geworden. "Calgary hat unser beider Leben verändert, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Er wurde zum sportlichen Helden, ich habe die Herzen der Zuschauer gewonnen", sagte der 55-Jährige.
An Nykänens Heimschanze in Lahti wurden die Fahnen am Montag auf halbmast gesetzt. Am nächsten Wochenende macht dort der Weltcup Station. "Wir werden Matti und sein Andenken an diesen Tagen ehren. Er war einer unserer großen Botschafter", sagte FIS-Präsident Gian Franco Kasper.
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