Als die deutschen Skispringer von ihrem schicken Oberstdorfer Vierschanzentournee-Quartier aus voller Tatendrang in Richtung Garmisch durchstarteten, ließen sie einen geknickten Kumpel zurück. Für Richard Freitag war das Schanzen-Spektakel ohne einen einzigen Wettkampfsprung beendet, Bundestrainer Stefan Horngacher nahm den formschwachen Teamweltmeister in beidseitigem Einverständnis aus seinem Aufgebot - für Freitag war es durchaus eine Erlösung.
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"Ritschi ist derzeit nicht in der Lage, so einzugreifen, dass er schnell auf ein hohes Niveau kommt", sagte Horngacher über seinen waidwunden Schützling, der in der Qualifikation zum Auftaktspringen am Samstag als 59. gescheitert und dabei ein trauriger Schatten seiner selbst gewesen war:
Wir haben entschieden, dass er sich zu Hause dem Training widmet. Wir werden versuchen, ihn wieder aufzubauen für die kommenden Weltcupspringen.

Freitag ratlos: "Schwierig zu erklären"

Freitag, gebürtiger Sachse und mittlerweile Wahl-Oberstdorfer, soll mit vielen Sprüngen in gewohnter Umgebung das zurückgewinnen, was ihm zuletzt dramatisch abhanden gekommen war: Selbstvertrauen, Sicherheit, stabiles Flugsystem. Ihn ohne dies alles weiter durch die Tournee zu jagen, wäre Irrsinn gewesen, dies sahen nach einem langen Gespräch am Sonntagabend Bundestrainer wie Athlet ein.

Kam in Oberstdorf überhaupt nicht zurecht: Richard Freitag

Fotocredit: Imago

"Es ist schwierig zu erklären, weil man es selbst nicht so richtig weiß", sagte der 28 Jahre alte Freitag nach dem Quali-Aus, dem erst zweiten in seiner langen Karriere nach 2010 in Oslo. Er, der vor zwei Jahren noch als bislang letzter Deutscher das Gelbe Trikot des Führenden im Gesamtweltcup trug und in diesem bei der Tournee 2017/18 die Qualifikation in Oberstdorf gewann, ist sich und anderen zu einem Rätsel geworden.

Horngacher bittet bei Freitag um Geduld

"Ich bitte einfach um Geduld mit ihm, die Situation ist für ihn nicht leicht, für uns auch nicht", sagte Horngacher:
Ritschi hat eine schwierige Situation schon vom letzten Jahr mitgenommen. Leider waren dann kurz vor der Saison ein, zwei Sprünge dabei, die ihm nicht so wahnsinnig viel Selbstvertrauen gegeben haben. Das hat ihn wieder einen Schritt zurückgeworfen.
Vor zwei Jahren war Freitag bei der Tournee in Innsbruck als Sieganwärter schwer gestürzt und ausgestiegen, kämpfte sich erstaunlich schnell zurück und holte anderthalb Monate später bei der Skiflug-WM Bronze. Aber auch wenn es danach durchaus weitere Erfolge gab, vor allem das Weltmeisterschafts-Gold 2019 in Seefeld mit der Mannschaft - irgendwie ist mit der Bruchlandung von Innsbruck ein Bruch entstanden. Diesen zu kitten, wird viel Geduld erfordern, von Freitag wie von Horngacher.
Jener füllte den ungewollt freigewordenen Platz in der Garmisch-Reisegruppe sofort auf: Mit an Bord ist nun der 21 Jahre alte Adrian Sell, Tournee-Debütant aus dem deutschen B-Team.
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