Vierschanzentournee | Karl Geiger darf vom Tourneesieg träumen

Karl Geiger hat sich nach zwei Stationen der Vierschanzentournee 2019/20 mit Rang zwei eine hervorragende Ausgangsposition geschaffen und darf nach seinen zweiten Plätzen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen vom großen Wurf träumen. "Der Hammer", sagte der aktuelle Vorzeigespringer des DSV. Titelverteidiger Ryoyu Kobayashi ist dagegen nicht mehr der alles dominierende Springer.

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Fotocredit: Eurosport

Karl Geiger brüllte seine ganze Freude heraus und feierte den grandiosen zweiten Platz beim Überraschungserfolg des Norwegers Marius Lindvik wie einen Sieg. 21.000 euphorisierte Fans waren nach dem Traumflug ihres "Karle" schier aus dem Häuschen.
Im Überschwang der Glücksgefühle riskierte der Vizeweltmeister auf dem Siegerpodest sogar einen ersten scheuen Blick auf den funkelnden Goldadler.
"Der sieht wirklich sehr schön aus", sagte der 26-Jährige nach dem erneuten zweiten Platz und grinste.

Traumstart ins Jahr 2020 für Karl Geiger

Keine Frage: Mit einer erneut fantastischen Leistung legte der Allgäuer beim Neujahrsspringen einen Traumstart ins Jahr 2020 hin.
"Das war echt geil heute", sagte Geiger bei Eurosport nach seinem zweiten Sprung auf 141,5 Meter in Garmisch-Partenkirchen, mit dem er den unmittelbar vor ihm gesprungenen Tournee-Führenden Ryoyu Kobayashi (141,0 m) 2,9 Punkte abgenommen hatte, und der ihn weiter vom Sensationssieg bei der Vierschanzentournee und vom Gewinn der acht Kilogramm schweren Trophäe träumen lässt:

Geiger total aus dem Häuschen

Zuvor hatte Geiger bange Momente hinter sich bringen müssen.
"Da geht schon was in einem vor, ich habe mich schon zusammenreißen müssen, dass ich bei mir bleibe. Aber das ist mir echt gut gelungen - vor so einer Kulisse, das ist der Hammer", sagte Geiger über die Sekunden vor seinem zweiten Sprung:

Martin Schmitt lobt Karl Geiger

Weil Geigers großer Rivale Kobayashi so nur Vierter wurde, kann der Traum vom ersten deutschen Tourneesieg seit 18 Jahren Realität werden.
"Das war ein sensationeller Sprung - super abgedrückt, so hoch, so schnell und mit Telemark unten", lobte Eurosport-Experte Martin Schmitt:

Marius Lindvik stellt Schanzenrekord ein

In einem hochklassigen Wettbewerb rettete Außenseiter Lindvik, der im ersten Durchgang mit 143,5 m den genau zehn Jahre alten Schanzenrekord des Schweizers Simon Ammann eingestellt hatte, seinen Vorsprung ins Ziel.
Der 21-Jährige siegte mit 289,8 Punkten und umgerechnet zweieinhalb Metern Vorsprung vor Geiger (285,0) und dem Polen Dawid Kubacki (284,0). "Ich war ein bisschen früh beim Absprung, aber es hat gereicht. Ich bin sehr glücklich", sagte Lindvik bei Eurosport.
Experte Schmitt meinte mit Blick auf Geigers zweiten Rang:

Geiger nimmt Kobayashi Punkte ab

Geiger liegt als Zweiter nun nur noch 6,3 Punkte - umgerechnet dreieinhalb Meter - hinter dem Gesamtführenden Kobayashi (282,1) zurück.
In Innsbruck am Samstag (ab 13:30 Uhr live bei Eurosport) und im Finale in Bischofshofen am Montag (ab 16:45 Uhr live bei Eurosport) ist noch alles drin, der erste deutsche Tournee-Triumph seit Sven Hannawald im Jahr 2002 ist kein unrealistisches Szenario.
"Karle haut irgendwann mit der großen Keule zu, das ist garantiert. Die Miso-Suppe wird immer würziger", sagte Eurosport-Experte Hannawald als Co-Kommentator in Garmisch-Partenkirchen zum Kampf zwischen Geiger und Kobayashi.

Geiger mit Chancen auf den Tourneesieg

"So wie heute will ich in Innsbruck weitermachen. Es hilft mir im Moment sehr, von Sprung zu Sprung zu denken," sagte Geiger, dem Bundestrainer Stefan Horngacher ein dickes Lob aussprach:
Schmitt rechnet Geiger nun durchaus Chancen auf den Gesamtsieg aus. "Kobayashi ist nicht so souverän", sagte der Eurosport-Experte, "er spielt dieses Jahr nicht mit der Konkurrenz, er muss schon alles zeigen. Andere sind gleichauf, das wird eine ganz enge Geschichte."

Lindvik angriffslustig

So mischen auch Kubacki und Garmisch-Sieger Lindvik weiter um den Tournee-Sieg mit. "Kubacki spielt immer so ein bisschen im Hintergrund, aber er hat seine Sachen beisammen und das braucht man bei der Tournee", meinte Schmitt.
"An die Gesamtwertung denke ich nicht, ich muss einfach von Schanze zu Schanze denken", sagte Kubacki derweil defensiv.
"Jetzt ist alles möglich, ich werde Kobayashi einen harten Kampf liefern", meinte dagegen der jetzt Gesamt-Vierte Lindvik angriffslustig. "Die anderen waren einfach stark", musste der Japaner eingestehen.

Eisenbichler mit bestem Saisonergebnis zufrieden

In einem vor allem im ersten Durchgang vom wechselnden Wind beeinflussten Springen kam Dreifach-Weltmeister Markus Eisenbichler mit einem starken zweiten Sprung auf Platz zehn (266,1/129,0+134,5).
Eisenbichler, im Vorjahr in Garmisch wie in der Tournee-Gesamtwertung Zweiter, bestätigte damit seinen Aufwärtstrend und freute sich über "die beste Platzierung in der Saison". "Es ist ein bisserl mehr drin, ich bin trotzdem recht zufrieden", sagte "Eisei" und ergänzte bei Eurosport:
Seine Sprünge wären "okay" gewesen: "Ab dem zweiten Drittel bin ich mittlerweile eine Macht und das freut mich."

Schmid überzeugt auf Platz sieben

Zweitbester Deutscher war Constantin Schmid, der als Siebter (271,5/134,5+134,5) sein bestes Weltcupergebnis einstellte. "Ich bin wahnsinnig happy, das war der beste Jahresstart jemals für mich", sagte Schmid.
Team-Weltmeister Stephan Leyhe (Willingen), Tournee-Dritter des Vorjahres, wurde 16., Pius Paschke (Kiefersfelden), kam auf Rang 20.
Nach einer kurzen und knackigen Silvesterfeier am Lagerfeuer beim Teamhotel am Rießersee war Geiger am ersten Mittag des neuen Jahres hellwach.
Vor ausverkauftem Haus - unter den Zuschauern waren das zurückgetretene Partenkirchner Slalom-Ass Felix Neureuther und Tennisspielerin Sabine Lisicki - brachte sich Geiger trotz tückischen Rückenwindes mit einem Sprung auf 132,0 m als Dritter in Angriffsposition.

Lindvik überrascht die Konkurrenz

Dass Lindvik nach seinem frühen Wahnsinnssatz bei deutlich besseren Verhältnissen auf dem Weg zu seinem ersten Weltcupsieg kaum aufzuhalten sein würde, war da schon absehbar. "Sein erster Sprung war eine brutale Granate", lobte Geiger, der selbst die schlechtesten Bedingungen aller Springer im ersten Durchgang hatte, hinterher.
"Ich war ein bisschen früh beim Absprung, aber es hat gereicht. Ich bin sehr glücklich", sagte der Sieger bei Eurosport.
Geiger und Kobayashi lieferten sich dahinter ihr Privatduell - und der Deutsche zeigte Zähne.

Kobayashi verpasst Rekord

Kobayashi verpasste es so, Skisprung-Geschichte zu schreiben: Der 23-Jährige hätte als als Erster sechs Tournee-Springen in Serie gewinnen können.
Somit war Lindvik der erste Tournee-Tagessieger seit fast drei Jahren und elf Springen, der nicht Kobayashi oder Kamil Stoch hieß. Der letzten Gewinner abseits der beiden Dominatoren war der Norweger Daniel Andre Tande am 4. Januar 2017 in Innsbruck gewesen.
Tande (30. in Garmisch) und Stoch (19.) haben 2020 jedoch ebenso wenig wie Peter Prevc (12.) nichts mit dem Tourneesieg zu tun. Auch Österreichs Topstar Stefan Kraft, als Tournee-Vierter auf die von ihm ungeliebte Schanze nach Garmisch-Partenkirchen gereist, büßte Punkte ein und kam nur auf Platz 13.
Sein Teamkollege Gregor Schlierenzauer, wie Kraft von einem Virus geschwächt, schied nach Oberstdorf ein weiteres Mal im ersten Durchgang aus. Philipp Aschenwald büßte als 25. ebenfalls nahezu alle Chancen auf eine Top-Tournee-Platzierung ein.

Showdown in Innsbruck

Eisenbichler, der in Innsbruck 2019 Weltmeister wurde, ist mit Halbzeitplatz sechs in der Tournee-Gesamtwertung hingegen zufrieden. "Ich freue mich extrem auf Innsbruck, da habe ich gute Erinnerungen dran. Das wird ein geiler Wettkampf", sagte er bei Eurosport.
Geiger meinte: "Ich muss schauen, dass ich bei meinen Sprüngen bleibe. Und der Rest wird sich in den kommenden Tagen entwickeln. Es freut mich riesig, dass ich noch im Rennen bin." Und Schmitt sagte vor der Qualifikation am Freitag am Bergisel (ab 13:30 Uhr live bei Eurosport):
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