Vierschanzentournee - Die Lehren vom Bergiselspringen in Innsbruck: Mensch schlägt Maschine

Der Japaner Ren Nikaido zeigt bei der Vierschanzentournee in Innsbruck, dass der Slowene Domen Prevc doch schlagbar ist. Der angekündigte Großangriff der Österreicher bleibt am Bergisel derweil aus. Der Deutsche Felix Hoffmann springt im zweiten Durchgang sogar Bestweite, zum Podest fehlt aber wieder ein Stück. Belohnt sich der DSV-Adler jetzt dafür in Bischofshofen? Die Lehren aus Innsbruck.

Eisenbichler-Analyse: Diese Kleinigkeit kostete Prevc den Innsbruck-Sieg

Quelle: Eurosport

Blickt man nur aufs Ergebnis aus Innsbruck, lässt sich eine spannende Vierschanzentournee 2025/26 vermuten. Ren Nikaido 0,5 Punkte vor Domen Prevc, der wiederum nur 0,2 Zähler vor Stephan Embacher (Österreich) - es ging dramatisch eng zu am Bergisel.
Und: diesmal auch alles mit rechten Dingen. "Es war eines der fairsten Springen in Innsbruck, die ich selbst erlebt habe", meinte DSV-Adler Philipp Raimund zum verdächtig glatt durchgeführten Wettbewerb, ohne Windkapriolen oder sonstigen Störungen - von einem kurzzeitig blockierten Lift mal abgesehen.
Obwohl Prevc durch die knappe Niederlage nun keinen "Grand-Slam"-Triumph mehr feiern kann, wehrte der Slowene die angekündigten Angriffe der Österreicher nach seinem Quali-Ausrutscher (30.) total souverän ab. Der Slowene geht nun mit einem Vorsprung in der Gesamtwertung von 41,4 Punkte auf Jan Hörl bzw. 41,7 auf Embacher ins letzte Tournee-Springen in Bischofshofen am Dreikönigstag - was knapp 23 Weitenmeter entspricht.
Die Lehren aus Innsbruck.
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Highlights: Herzschlagfinale! Nikaido stiehlt Prevc am Bergisel die Show

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1. Mensch schlägt Maschine

Bei Erwähnung des Innsbruck-Siegers geriet Raimund bei Eurosport ins Schwärmen. "Ich liebe den Kerl. Er ist supercool, supersympathisch", sagte der Deutsche: "Ich gönne es ihm wirklich von Herzen."
Mit zwei astreinen Sprüngen auf 131 und 128 Meter stellte der 24-Jährige die Hackordnung im japanischen Team endgültig auf den Kopf, holte nicht nur seinen ersten Weltcupsieg, sondern schob sich auch in der Tournee-Gesamtwertung an Hoffmann vorbei auf Platz vier.
"Ich habe gefühlt, dass heute etwas drin ist", meinte Nikaido in einer seiner wortkargen Antworten - wie Teamkollege Ryoyu Kobayashi, der sich als Zehnter wohl endgültig aus dem Kampf um das Tournee-Podium verabschiedete, spricht auch der Mann aus Ebetsu kaum Englisch.
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Nikaido nach Premierensieg: "Kann keinen klaren Gedanken fassen"

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Gelungene Schadensbegrenzung betrieb derweil "Maschine" Prevc, der zwar nicht seinen achten Weltcupsieg diese Saison, wohl aber den elften Podestrang in Folge feierte - der Rekord von Janne Ahonen aus der Saison 2004/05 ist nur noch zwei weitere Top-drei-Platzierungen entfernt.
"Ich war echt nervös heute", meinte der 26-Jährige nach seinem Quali-Hopser auf Rang 30. Trotz eines leicht zu späten Absprungs in Durchgang zwei ("Das war das My, das ihm zum Sieg gefehlt hat" - Markus Eisenbichler) landete der Slowene mit 129,5 und 127,5 Metern erneut im Top-Weitenbereich und baute seinen Vorsprung auf Verfolger Hörl jedoch sogar noch um 6,4 Punkte aus.
Dass er damit (vorerst) nicht in der Riege der Grand-Slam-Sieger Sven Hannawald (2001/02), Kamil Stoch (2017/18) und Ryoyu Kobayashi (2018/19) landet, "wird es verschmerzen können", meinte Eurosport-Experte Martin Schmitt. Für solch einen totalen Tournee-Triumph müsse schließlich auch "alles zusammenpassen. Den Goldenen Adler, den er sich so sehr wünscht, wird ihm trotzdem keiner mehr nehmen."
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Nikaido verblüfft Schmitt: "Fantastischer Wettkampf, verdienter Sieg"

Quelle: Eurosport

In Bischofshofen, wo Prevc 2017 schon mal Vierter war, 2021, 2023 und 2024 aber auch den zweiten Durchgang verpasste, reicht ihm schon eine durchschnittliche Tagesform. "Ich muss es nun wie ein Kind machen", sagte er in Innsbruck: "Genießen, relaxen - und einfach springen."

2. ÖSV-Angriff bleibt aus

Nach dem Vierfach-Sieg in der Quali hatten die Österreicher für den Bergisel eigentlich den großen Angriff auf Prevc und den Tagessieg angekündigt - daraus wurde nichts. Trotz ausverkauftem Haus (22.000 Zuschauer) und frenetischen Fans sprang am Ende lediglich "Küken" Embacher um den Sieg mit - und letztlich um 0,7 Punkte dran vorbei.
"Er hat es wirklich von allen Österreichern am besten gemacht", analysierte Schmitt bei Eurosport und mahnte den 19-Jährigen lediglich zur Geduld: "Sein erster Weltcupsieg wird kommen, da bin ich mir sicher." Die geplante Aufholjagd von Jan Hörl wiederum, 2024 in Innsbruck noch Sieger, ging mit einem schwächeren zweiten Sprung auf 126 Meter ins Leere.
"Er war im zweiten Durchgang, ähnlich wie in Garmisch, nicht ganz so sauber, fast ein bisschen zu aggressiv, leicht angekippt. Das sind die kleinen Nuancen, die ausreichen, damit man vom Podium fällt", meinte Schmitt.
In der Endabrechnung machen Hörl (854,4) und Embacher (854,1) nun mit der Winzigkeit von 0,3 Punkten Unterschied den zweiten Platz in der Tourneewertung unter sich aus - außer Nikaido (841,7) wächst über sich hinaus und überrascht ein zweites Mal alle.
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Zur Feier des Tages: Skispringer rollen Bergisel hinunter

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3. Vom Schreck zum Scheck?

Felix Hoffmann machte seine Sache in Innsbruck erneut mehr als ordentlich, hatte im zweiten Durchgang aber eine Schrecksekunde zu überstehen. "Mir ist leider der Schuh kurz hängengeblieben", schilderte er sein Malheur beim Abstoßen vom Balken, das ihn beinahe aus dem Gleichgewicht gebracht hatte.
"Ich habe nur gehofft, dass die Bindung noch drinnen ist. Im Übergang habe ich dann gemerkt: Okay, die Ski sind da, die Bindung hält. Da war ich recht entspannt und konnte den Flug genießen", meinte der 28-Jährige. Vor lauter Entspannung gelang dem DSV-Adler mit 130,5 Meter sogar die Bestweite des zweiten Durchgangs. "Cool ist er", meinte Schmitt beeindruckt.
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Schrecksekunde! Hoffmann bleibt mit Bindung am Balken hängen

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Dass damit erneut nicht mehr als Platz fünf raussprang, lag weniger an Hoffmann als an den aktuell eben noch einen Tick besser aufgelegt Herren Nikaido, Prevc, Embacher und Hörl. Die Serie von nun fünf Top-sechs-Platzierungen im Weltcup in Folge kann sich für den Thüringer dennoch sehen lassen.
Auch Hoffmann ist für seinen ersten Weltcupsieg - und den damit verbundenen Siegerscheck - langsam überfällig. "Das war wieder ein saustarker Wettkampf von ihm", meinte Eisenbichler bei Eurosport. Für das Dreikönigsspringen (Quali am Montag ab 16:15 Uhr live im TV bei Eurosport 1, im Stream bei discovery+ und im Liveticker bei Eurosport.de) traut der sechsfache Weltmeister Hoffmann entsprechend "viel zu.
Er muss einfach so weitermachen und nicht das Überlegen anfangen. Er kann auch in Bischofshofen mit seinem harmonischen, ruhigen Absprung und seiner Flugqualität auf alle Fälle das Podest angreifen."
Für Philipp Raimund bedeutete Platz zwölf indes die zweitschlechteste Weltcupplatzierung des Winters nach dem Windspringen von Ruka (32.). "Er springt grundsätzlich auf einem ganz hohen Niveau", fand Schmitt: "Doch in Innsbruck ist es knifflig, da muss man den Absprung ganz genau treffen." Das sei dem Oberstdorfer diesmal nicht ganz gelungen.
"Meine Sprünge waren auf einem Naja-Niveau, normalerweise bekomme ich das besser hin", meinte Raimund selbstkritisch: "Bei mir hat leider das kleine Bisschen gefehlt und das macht gleich fünf Meter aus." Als Siebter der Tourneewertung ist das Podium außer Sichtweite geraten. "Aber es gibt diese Saison ja noch genügend andere Highlights", richtete der 25-Jährige seinen Blick bereits nach vorne.
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Raimund feiert Überraschungssieger Nikaido: "Gönne es ihm von Herzen"

Quelle: Eurosport

Hoffmann dagegen hofft noch auf ein kleines Wunder in "B'hofen", wie es die Skispringer gerne nennen. Fürs Tourneetreppchen müsste er auf der Paul-Außerleitner-Schanze Hörl und Embacher knapp acht Meter abnehmen und auch Nikaido hinter sich lassen. Unwahrscheinlich - aber auch nicht gänzlich unmöglich.
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Wellinger verpatzt Landung und verpasst deshalb den zweiten Durchgang

Quelle: Eurosport


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