Neue Punkte-Regel sorgt beim deutschen Skisprung-Team für Ärger - Martin Schmitt: "Wird für Diskussionen sorgen"

Eine neue Regel sorgt vor dem Weltcup-Auftakt der Skispringer am Freitag in Lillehammer für mächtig Ärger. Den Athlet/innen sollen zukünftig bei einer unsauberen Landung nicht wie bisher zwei, sondern drei Punkte abgezogen werden - eine Maßnahme, die im deutschen Lager alles andere als gut ankommt. Auch Eurosport-Experte Martin Schmitt zeigt sich hinsichtlich jener Regeländerung skeptisch.

Schmitt beurteilt neue Lande-Regel: "Wird für Diskussionen sorgen"

Quelle: Eurosport

Die Skisprung-Saison hat ihren ersten Aufreger - und das, obwohl der erste Wettkampf noch nicht einmal stattgefunden hat.
Grund dafür ist eine neue Regel, wonach die Punktrichter künftig bei einer unsauberen Landung drei statt wie bisher zwei Punkte abziehen sollen. Eine Änderung, die speziell im deutschen Lager auf wenig Gegenliebe stößt.
"Ganz ehrlich: Ich finde total bescheuert, was sich die FIS da wieder hat einfallen lassen. Da kann ich auch nicht mehr still sein, weil ich einfach die Geduld verliere", schimpfte Markus Eisenbichler.
DSV-Teamkollege Karl Geiger pflichtete ihm bei. "Wir sind ja nicht im Eiskunstlauf oder Dressurreiten. Sondern wir wollen, dass der weiteste und beste Sprung gewinnt", sagte der 31-Jährige.

PUnktrichter bekommen mehr Spielraum für Abzüge

Eurosport-Experte Martin Schmitt betrachtet die Regeländerung ebenfalls skeptisch, plädiert aber für eine differenzierte Sichtweise.
"Auf den ersten Blick mag der Unterschied von zwei auf drei Punkte nicht so groß erscheinen. Doch wer mit Kampfrichtern spricht, merkt schnell, dass eine neue interne Richtlinie weitreichender ist als der zusätzliche Punkt", erklärte der 46-Jährige.
Er führte aus, dass die Abzüge bei Fehlern nun präziser geregelt seien, was den Kampfrichtern deutlich mehr Spielraum verschaffe, unsaubere Landungen strenger zu bewerten.
"Das führt zu größeren Unterschieden, was schon beim Sommer-Grand-Prix sichtbar war", stellte der Ex-Springer klar.
Als Beispiel nennt Schmitt einen Sprung von Anze Lanisek in Hinterzarten: Ein Kampfrichter bewertete einen Fehler bei der Landung mit einer 12,0, während ein anderer 15,5 vergab - ein gravierender Unterschied.
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Anze Lanisek in Hinzenbach

Fotocredit: Getty Images

Schmitt: "Springer müssen auf der Hut sein"

"Es wird auf jeden Fall für Diskussionen sorgen. Durch den größeren Spielraum bei den Abzügen müssen die Springer wirklich auf der Hut sein", warnte der zweimalige Gesamtweltcupsieger.
Er betonte allerdings, dass die Kampfrichter nicht aus böser Absicht handeln würden. Vielmehr bringe die Präzisierung des Reglements zusätzliche Details ins Spiel, wie etwa die Armhaltung oder die korrekte Position des Skis bei der Landung.
Dennoch gibt es nach Ansicht des Team-Olympiasiegers von 2002 einen großen Haken.
"Das Hauptproblem sehe ich darin, dass Landefehler doppelt bestraft werden - sowohl in der Landung selbst, also beim Abfedern des Landedrucks, als auch bei der Ausfahrt", erklärte Schmitt: "Wenn es bei der Landung schon Probleme gibt, wirkt sich das automatisch auch auf die Ausfahrt aus."
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Eisenbichler im Exklusiv-Interview: " Genießen, was ich tue"

Quelle: Eurosport

Sorge um spektakuläre Flüge

Eisenbichler hatte daher im Vorfeld des Weltcup-Auftakts am Freitag in Lillehammer Bedenken geäußert, dass gute Flieger ihre Sprünge somit nicht mehr ausreizen würden.
Eine nachvollziehbare Sorge, denn weite Flüge sind das Markenzeichen des Skispringens und ein Hauptgrund, warum die Zuschauer ins Stadion kommen.
"Gerade bei Flügen über Hillsize - dem Weitenbereich, bis zu dem eine sichere Landung möglich ist - sollte das nicht passieren. Ich hoffe daher, dass man in dieser Hinsicht mit Fingerspitzengefühl vorgeht und es keine größeren Dramen gibt", mahnte Schmitt.
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Wellinger beeindruckt Schmitt: "Als Sportler enorm gewachsen"

Quelle: Eurosport

Wellinger und Kraft könnten profitieren

Allerdings gibt es auch Springer, die von der neuen Regel profitieren könnten, etwa Andreas Wellinger oder Stefan Kraft, die für ihre stabilen Landungen bekannt sind.
Grundsätzlich sei jedem Athleten bewusst, dass ein sauberer Telemark Pflicht ist, um Abzüge zu vermeiden.
"Dieses Element wird nun noch entscheidender", unterstrich Schmitt und fügte hinzu: "Am Ende der Saison können wir bewerten, wie sich die Regel tatsächlich ausgewirkt hat."
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