Markus Eisenbichler im Interview: So tickt der neue Skisprung-Bundestrainer Andreas Mitter

Andreas Mitter ist als neuer Cheftrainer der deutschen Skispringer vorgestellt worden. Für Eurosport-Experte Markus Eisenbichler hat der Deutsche Skiverband (DSV) damit den idealen Nachfolger für Stefan Horngacher gefunden. "Er ist ein top Mensch und top Trainer, da wurde eine sehr gute Entscheidung getroffen", meint der 44-Jährige. Unter Mitter darf man sich einen völlig anderen Ansatz erwarten.

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Quelle: Eurosport

Am Mittwoch war es so weit: Der DSV hat das Geheimnis um den Nachfolger von Stefan Horngacher, der sieben Jahre als Bundestrainer der Skispringer aktiv war, gelüftet und Andreas Mitter als neuen Chefcoach präsentiert.
Zwischen 2016 und 2018 sammelte der 44-Jährige bereits als Trainer des finnischen Verbandes Erfahrungen auf diesem Niveau, ab 2023 agierte der Österreicher als Co-Trainer von Vorgänger Horngacher.
Nun möchte Mitter dem deutschen Skispringen seinen eigenen Stempel aufdrücken. "Ich sehe solche Wechsel immer positiv: Wenn alles gleich bleibt, bedeutet das irgendwann auch auf der Schanze Stillstand", merkt der sechsmalige Weltmeister Eisenbichler, der Mitter noch aus seiner aktiven Zeit kennt, an.
Die Hauptaufgabe des neuen Bundestrainers werde darin bestehen, "dass er eine andere Struktur etabliert und den Fokus wieder mehr auf das Fliegen legt - und nicht nur auf den Absprung".
Worin besteht nach Lage der Dinge die Hauptaufgabe für Bundestrainer Andreas Mitter im deutschen Team?
Markus Eisenbichler: Zuallererst muss er ein funktionierendes Trainerteam aufbauen. Dafür braucht es ein gewisses Feingefühl, welche Personen in dieses System passen und wer das Team wesentlich verstärkt. Was ich so gehört habe, hat Andreas aber einen guten Plan. Seine Hauptaufgabe wird sein, dass er eine andere Struktur etabliert und den Fokus wieder mehr auf das Fliegen legt - und nicht nur auf den Absprung.
Werner Schuster und Stefan Horngacher hatten jeweils sehr positive Seiten. Im Rückblick bemerkt man oft erst, was man alles daran hatte.
Wie werden sich seine Ansätze im Training bemerkbar machen?
Eisenbichler: Für die Athleten ändert sich nicht viel, eine andere Philosophie dürfte es im Vergleich zu Stefan Horngacher aber schon geben. Die Trainingsmethoden unter Stefan waren eher strikt und folgten einem strengen Plan. Einige Skispringer profitieren mit Sicherheit davon, viele erfahrenere Profis wünschen sich aber etwas mehr Freiraum und individuelle Gestaltung. Jeder Sportler ist anders. Hier könnte Andreas beispielsweise ansetzen. Ich kenne ihn noch von meiner aktiven Zeit und er war damals sehr gestaltungsfreudig.
Wie fühlt sich das für einen Sportler an, wenn der Bundestrainer gewechselt wird - gerade wenn der Vorgänger so lange im Amt war?
Eisenbichler: Das Gefühl hängt wohl von Sportler zu Sportler ab. Ich sehe solche Wechsel immer positiv: Wenn alles gleich bleibt, bedeutet das irgendwann auch auf der Schanze Stillstand. So gibt es Veränderungen, neuer Input fließt in das Training ein. Ich persönlich fand solche Umstellungen immer gut und muss auch im Nachgang sagen: Werner Schuster und Stefan Horngacher hatten jeweils sehr positive Seiten. Im Rückblick bemerkt man oft erst, was man alles daran hatte.
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Stefan Horngacher ist für sieben Jahre als Bundestrainer der deutschen Skispringer im Einsatz gewesen

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Was zeichnet Bundestrainer Mitter im persönlichen Umgang aus?
Eisenbichler: Er ist immer gut drauf und versucht im Training, auch wenn es mal nicht so läuft, immer einen Spaß miteinzubringen. Zudem war es ihm auch immer wichtig die Stimmung aufzulockern, damit man nicht zu verbissen an bestimmte Dinge herangeht. Ich habe immer sehr gerne mit ihm trainiert. Andreas ist ein sehr guter Organisator und bewahrt immer den Überblick - das braucht man als Bundestrainer. Was nun aber wegfallen wird: Ab sofort arbeitet er weniger am einzelnen Athleten selbst. Er ist ein top Mensch und top Trainer, da wurde eine sehr gute Entscheidung getroffen.
Wie schauen seine ersten Wochen im Amt aus?
Eisenbichler: Wahrscheinlich wird er sehr viel telefonieren und organisieren. Er muss sich jetzt auch mit all seinen Trainern zusammensetzen und schließlich sein Konzept und seine neue Struktur, die er umsetzen will, vorstellen. Da kommt sehr viel Arbeit auf ihn zu.
Die Philosophie des DSV wird Andreas Mitter ein ruhiges Gewissen geben, aber er wird sich nicht darauf ausruhen und gleich in der ersten Saison Erfolge erzielen wollen.
Was ist seine größte Qualität?
Eisenbichler: Mit Sicherheit seine lockere Art. Selbst an einem schlechten Tag - zumindest ging es mir damals so - fühlt man sich mit ihm an der eigenen Seite wohl. Er baut die Athleten so auf, dass man in solchen Phasen das Positive sieht. Ein Vorteil ist auch, dass alle Sportler ihn bereits kennen. Im Vorgang wurde viel mit den Athleten selbst über den möglichen Bundestrainer gesprochen und ich gehe davon aus, dass sich vor allem die Arrivierten für Andreas entschieden haben, weil sie ihn sehr schätzen.
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Bundestrainer Andreas Mitter freut sich bei den Olympischen Spielen 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo

Fotocredit: Imago

Mit Werner Schuster und Horngacher hatte der DSV seit 2008 nur zwei Bundestrainer. Erlaubt ein solcher Rückhalt durch den Deutschen Skiverband (DSV) dem neuen Bundestrainer, mehr Dinge umzukrempeln?
Eisenbichler: Davon ist auszugehen. Ich finde es gut, dass der Verband bei uns Skispringern so vorgeht. Zur Wahrheit zählt nämlich: Am Ende muss es der Athlet selbst richten. Das wird zu selten an die Öffentlichkeit kommuniziert. Der Trainer ist letztlich dafür da, um den Sportler zu unterstützen. Die Ergebnisse muss der Athlet selbst holen. Der Bundestrainer muss das Umfeld bestmöglich aufbauen und strukturieren, damit seine Springer das Maximum herausholen können. Die Philosophie des DSV wird Andreas ein ruhiges Gewissen geben, aber er wird sich nicht darauf ausruhen und gleich in der ersten Saison Erfolge erzielen wollen.
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Quelle: Eurosport


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