Skiflug-Weltmeister Karl Geiger siegte in seiner Heimatstadt mit Sprüngen auf 127 sowie 136,5 Meter und einer Punktzahl von 291,1 und sicherte damit den ersten deutschen Sieg auf der Schattenbergschanze seit Severin Freund vor fünf Jahren.
Der Jubel der sonst 27.000 Fans in der Arena blieb allerdings aus, stattdessen feierte "Karle" seinen ersten Sieg vor tausenden Pappkameraden auf den Tribünen.
Geiger wurde vor dem finalen Sprung als Führender nach dem ersten Durchgang zunächst vom Balken genommen, weil Aufwind aufgekommen war. "Das Herz hat ganz schön geschlagen. Es war brutal, echt nicht einfach", sagte der Sieger: "Aber ich habe zwei saugute Sprünge gezeigt. Wenn jetzt noch Zuschauer hier wären, wäre alles perfekt."
Oberstdorf
Veranstalter reagieren auf Eisenbichler-Kritik
29/12/2020 AM 14:19
"Der reicht!", rief Eurosport-Experte Werner Schuster schon während des Flugs. "Es war ein extrem spannender Wettkampf", sagte Eurosport-Experte Martin Schmitt: "Karl Geiger war nervenstark. Das gibt ihm einen Push."
So lief der Auftakt der Vierschanzentournee in Oberstdorf

2,8 Punkte Vorsprung! Geiger segelt zum Heimsieg in Oberstdorf

Eisenbichler springt Bestweite und wahrt Chancen

Am Ende waren es 2,8 Punkte, die Geiger den Sieg bescherten. "Der Telemark hat ihn gerettet", sagte Schmitt. Der Pole Kamil Stoch (125/132,5 m) kam auf 288,3 Punkte, Marius Lindvik aus Norwegen (126,5/135,5 m) auf 285,2.
Halvor Egner Granerud (122/131/280,1), der zuletzt fünf Weltcupspringen in Folge gewonnen hatte, nahm als Vierter dem direkt hinter ihm platzierten Markus Eisenbichler (118/142/274,3) 5,8 Punkte ab.
Eisenbichler stand allerdings nach einem verkorksten ersten Durchgang mit 142 m im zweiten Sprung die Tagesbestweite und wahrte damit seine Tourneechancen.
"Yesss, boom!", schrie "Eisei" nach seinem Monstersatz erleichtert in die Kameras.

142 Meter! Eisenbichler mit perfekter Antwort auf schwachen Start

Nach seinem Sprung, der nur 1,5 m unter dem Schanzenrekord blieb, war Eisenbichler sichtlich erleichtert. "Für mich ist die Tournee damit erst losgegangen. Der Flug war der Hammer, echt geil", sagte der Bayer im "ZDF". Mit Blick auf den Gesamtsieg rechnet er sich noch Chancen aus: "Es ist eng, ich muss dranbleiben."
Ein "Hüpfer" wie im ersten Durchgang (118 m) sollte Eisenbichler allerdings mit Blick auf die Gesamtwertung nicht noch einmal passieren. "Der erste war nicht so gut, zu aggressiv für die Verhältnisse - da bin ich ganz ehrlich. Die Bedingungen waren sehr schwierig", sagte der 29-Jährige.

Neun Deutsche scheitern vorzeitig

Für den Rest des DSV-Teams lief der Auftakt der Tournee dafür äußerst ernüchternd. Severin Freund kam mit Sprüngen auf 123,5 und 126 Metern (249,5 Punkte) immerhin auf Platz 25.
Pius Paschke, Sechster im Gesamtweltcup, verpasste als 33. (116,5 m) jedoch überraschend den zweiten Durchgang. Im ersten Durchgang schieden auch Constantin Schmid (36.), David Siegel (38.), Richard Freitag (41.), Martin Hamann (43.), Andreas Wellinger (46.), Moritz Bär (48.), Luca Roth (53.) und Kilian Märkl (57.) aus.

Große Enttäuschung: Paschke verpasst Finale

"Zum Glück hat der Eisei einen runtergebrannt", meinte Freund: "Die Bedingungen waren schwierig, dann kann's mal schnell blöd ausschauen. Aber das Potenzial in der Mannschaft ist da und das werden wir mit Sicherheit auch wieder zeigen."
"Heute war alles dabei", resümierte Bundestrainer Stefan Horngacher: "Karl ist brutal gut skigesprungen. Markus hat einen unglaublichen zweiten Sprung gezeigt und damit gezeigt, was in ihm steckt."

"Wahnsinnig zäh": Siegel, Wellinger und Freitag durchwachsen

Polen dürfen doch starten

Anderen ging es weniger gut: Robert Johansson (NOR) beispielsweise büßte als 39. alle Chancen auf einen Top-Platz in der Gesamtwertung ein. Die letzten Tournee-Sieger Ryoyu Kobayashi (JPN/14.) und Dawid Kubacki (POL/15.) liegen schon weiter zurück. Enttäuschend lief der Wettkampf auch für Yukiya Sato (JPN/18.) und Piotr Zyla (POL/21.).
Insgesamt durften alle 62 Springer an der Entscheidung teilnehmen. Die zuvor wegen eines positiven Coronatests ausgeschlossenen polnischen Springer hatten nach negativen Befunden kurzfristig die Starterlaubnis erhalten.
Die polnischen Mitfavoriten landeten nach der 24 Stunden langen Corona-Posse geschlossen im Spitzenfeld. Neben Stoch überzeugte auch Andrzej Stekala als Siebter, Titelverteidiger Dawid Kubacki belegte Rang 15. "Es ist die Zeit der Wunder", hatte Stoch zuvor auf Instagram geschrieben.
Am Montag waren die Polen von der Qualifikation in Oberstdorf ausgeschlossen worden, nachdem ihr Springer Klemens Muranka positiv getestet worden war. Nach wiederholten negativen Tests bei Muranka und seinen Teamkollegen gab es dann doch das "Go", das Quali-Ergebnis wurde gestrichen, alle 62 Springer durften antreten.

Die Top 10 in Oberstdorf:

PlatzName1. DG2. DGPunkte
1Karl Geiger (GER)127,0136,5291,1
2Kamil Stoch (POL)125,0132,5288,3
3Marius Lindvik (NOR)126,5135,5285,2
4H. E. Granerud (NOR)122,0131,0280,1
5M. Eisenbichler (GER)118,0142,0274,3
6Stefan Kraft (AUT)126,5125,0273,6
7Andrzej Stekala (POL)123,0136,5273,3
8P. Aschenwald (AUT)130,0127,0273,0
9Anze Lanisek (SLO)120,5135,5270,1
10Ziga Jelar (SLO)128,0124,0269,8

"Das ist ganz eng": Granerud setzt sich vor Eisenbichler

Die Vierschanzentournee 2020/21: Alle Springen - Qualifikation und Wettkampf - in Oberstdorf (28.12./29.12.), Garmisch-Partenkirchen (31.12./1.1.), Innsbruck (2.1./3.1.) und Bischofshofen (5.1./6.1.) LIVE im Free-TV bei Eurosport 1 und bei Eurosport auf Joyn!
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