Werner Schuster war am Eurosport-Mikrofon ganz aus dem Häuschen. "Dieser Sprung, mit diesem Druck, unter diesen Vorzeichen - ich hätt's ihm ehrlicherweise nicht mehr zugetraut. Hut ab!", kommentierte der ehemalige Bundestrainer den Qualifikationssprung von Pius Paschke auf 139,0 Meter.
Damit war der Weltcupführende nach zwei schwachen Trainingssprüngen zuvor (zweimal 122,5 m) zurück im Geschäft. Auch wenn es nicht reichte, einen Österreicher aus den Top fünf zu verdrängen, so konnte Paschke doch Mut schöpfen.
"Das könnte der Sprung gewesen sein, den er braucht", meinte Schuster: "Er hat leider keinen Telemark gemacht, aber nach dem schlechten Training auf dem letzten Abdruck einen Sprung zusammengebracht. Das könnte noch interessant werden."
Paschke selbst blieb cool. "Ich hoffe auf ein paar fluffige Sprünge", sagte er.
"Hut ab!" Paschke hält in der Oberstdorf-Quali Druck stand
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Die wahren Duelle von Oberstdorf.
1.) Österreich gegen den Rest der Welt
Fünf ÖSV-Adler auf den ersten fünf Plätzen der Quali - das Grinsen war den Österreichern fast nicht mehr aus dem Gesicht zu wischen. Angeführt von Quali-Sieger Daniel Tschofenig (141,5 m) zeigten auch Stefan Kraft (2./137,5 m), Michael Hayböck (3./141,0 m), Jan Hörl (4./140,5 m) und Maximilian Ortner (135,5 m) der Skisprung-Welt, was eine Harke ist - einzig Markus Müller (17./131,5 m) und Stephan Embacher (49./120,5 m) fielen etwas ab.
"Was für eine Show - wirklich herausragend", analysierte Martin Schmitt für Eurosport: "Das war beeindruckend, vom ersten Sprung weg. Sie springen stabil, mit viel Selbstvertrauen. Das wird eine harte Nuss für die anderen Teams."
ÖSV-Party in der Quali: Tschofenig führt Fünffachsieg an
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Was die ÖSV-Springer auch wissen. "Es ist schon sehr kitschig", meinte Hörl im "ORF:" "Das einzige, mit dem ich hadern musste, war die Landung." Die Frage: Kann man das im Wettkampf noch steigern? "Weiß ich nicht", sagte der 26-Jährige: "Ich werde mich bemühen, dass ich was find'!"
Auffällig: die gute Stimmung in der Mannschaft. "Wir haben wirklich ein starkes Team. Da kommen nochmal vier nach, die gewinnen können - das hilft schon", sagte Tschofenig: "Wir sind alle sehr cool, gönnen es uns gegenseitig."
Skispringen: Daniel Tschofenig (Österreich) gewinnt die Qualifikation von Oberstdorf im Rahmen der Vierschanzentournee 2024/25
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So wartete Kraft noch vor der Quali mit Tipps für Hayböck auf, eine leichte Gewichtsverlagerung in der Hocke sollte extra Meter bringen.
"Es ist sich genau aufgegangen", freute sich der Routinier und bedankte sich noch im Zielraum beim Tourneesieger von 2015 für die Schützenhilfe.
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"Er hat Danke gesagt, weil ich ihn ein paar Meter weitergebracht habe", feixte Kraft später: "Wir hatten eine Riesengaudi unten." Die "Riesengaudi" wollen die ÖSV-Springer jetzt auch am Sonntag haben - und am besten die ganze Tournee über. Seit zehn Jahren warten sie auf einen Tourneesieger aus den eigenen Reihen.
Für Eurosport-Experte Schmitt geht der Gesamtsieg nur über Hörl oder Tschofenig. "Wenn beide am Optimum springen, sind sie sehr schwer zu schlagen", meinte der 46-Jährige. Mit einer kleinen Einschränkung: "Hörls einzige Schwäche ist im hohen Weitenbereich die Landung. Die war nicht toll, er wollte aber auch nichts riskieren."
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2.) Paschke gegen die Landung
Bis Pius Paschke im Zielraum grinsen konnte, war es ein hartes Stück Arbeit. Im Training nur auf den Rängen 19 und 29 platziert, musste der Gesamtweltcupführende im Quali-Durchgang zulegen - und er tat es, zur Freude der 16.500 zum größten Teil deutschen Fans in Oberstdorf.
Alles halb so wild, spielte der Kiefersfeldener hinterher bei Eurosport herunter: "Ich habe ein bisschen kämpfen müssen, aber nach Weihnachten habe ich schon immer ein, zwei Sprünge gebraucht, um wieder reinzukommen. Der letzte war richtig gut und ich bin zufrieden."
Pius Paschke war mit seiner Leistung in der Qualifikation zufrieden
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Der richtige Kniff war eine Veränderung der Position, vor der Quali analysiert und ausgemerzt. "So kam auch wieder Druck drauf und ich hatte wieder einen Ski, der mich unterstützt. Und dann ist es eigentlich wieder wie davor", meinte der fünfmalige Saisonsieger zufrieden.
Und überhaupt: "Das ist die Stärke aus den letzten Wochen. Da ist so ein Tag eigentlich ganz cool, weil es ein bisschen eine Challenge für mich ist", sagte er fast mit einem frechen Achselzucken.
"Es spricht für Pius, dass er es in der Drucksituation gleich umsetzen kann", sagte Martin Schmitt: "Er hat den Sprung gebraucht, um Selbstbewusstsein zu tanken. Es war wichtig, dass er dabei ist, dass er das Gefühl hat: Ich habe Tuchfühlung. Aus der Position lässt sich was aufbauen."
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Womit man beim Thema wäre: Erwartungshaltung. Ganz Skisprung-Deutschland sehnt den ersten Tourneesieg eines Deutschen seit 2002 herbei. Bei Paschke zeigte die Formkurve in Engelberg aber nach reihenweise Top-Platzierungen zuletzt nach unten (10./18.).
Und so hatte Paschkes Satz auf 139 Meter auch am Samstag einen Makel: die Landung ohne Telemark. "Da hat es mich nach hinten gedrückt", erklärte der 34-Jährige im "ZDF", "aber das ist heute eigentlich egal."
So sah es auch Werner Schuster. "Mit dem Telemark wäre er in die Phalanx der Österreicher eingedrungen. Trotzdem: Pius Paschke meldet sich zurück", meinte der Co-Kommentator.
Was auch seine österreichischen Landsleute zur Kenntnis nahmen. "Den Pius darf man definitiv nicht unterschätzen", sagte Tschofenig im "ORF: "Er ist nicht so weit weg. Er ist der mit dem Gelben Trikot, den es zu schlagen gilt. Er ist der Favorit und das bleibt auch so."
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3.) DSV-Adler gegen den Tournee-Trend
Seit ungefähr zehn Jahren reisen DSV-Springer als Mitfavoriten zur Vierschanzentournee - am Ende jubelten aber stets andere. Vor Paschke kamen auch schon Richard Freitag (2017/18) und Karl Geiger (2021/22) mit dem Gelben Trikot nach Oberstdorf, konnten den Traum vom Tourneesieg aber nicht verwirklichen.
Geiger (2020/21), Andreas Wellinger (2017/18, 2023/24) und der in Oberstdorf nicht nominierte Markus Eisenbichler (2018/19) standen schon als Zweite auf dem Podium, aber eben nie ganz oben. Auch Severin Freund (2015/16) musste genau einem anderen Springer den Vortritt lassen, dazu kamen noch zwei dritte Plätze von Stephan Leyhe (2018/19) und Geiger (2019/20).
Solider Tournee-Start: Wellinger springt in Quali in die Top 15
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Dass Geiger und Wellinger 2024/25 in den Kampf um den Tourneesieg eingreifen können, darf nach den bisherigen Eindrücken - die Quali von Oberstdorf inklusive - doch stark bezweifelt werden. Gerade Wellinger, dem Bundestrainer Stefan Horngacher eigentlich das komplette Paket attestiert, das es zum Siegspringer braucht, springt diese Saison zu inkonstant.
"Es ist ein Auf und Ab", sagte Wellinger nach einem Sprung auf 125,5 Meter nun im Zielraum von Oberstdorf: "Ich sollte stabiler oben dabei sein, aber ich versuche mein Bestes."
Wellinger nach Auftakt-Quali zuversichtlich: "Alles ist möglich!"
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Die gute Nachricht: An der Schattenbergschanze brachte der Ruhpoldinger am Samstag drei Sprünge auf demselben Niveau runter. Die schlechte: Es reichte dreimal nur zu Rang 13, weil das Timing beim Absprung nicht passte. "Das ist nicht perfekt, aber es fehlen nur Kleinigkeiten", versuchte der 29-Jährige zumindest Hoffnung für den Wettkampf zu verbreiten.
Dass man diese ausbessern kann, dafür war Paschke am Samstag das beste Beispiel. "Das gibt auch dem Karl und dem Andi das Zeichen: Wir haben es selbst in der Hand", meinte Schmitt: "Wenn wir die technischen Details lösen, kommen wir schon näher. Es ist wichtig, die Ruhe zu bewahren, aber gleichzeitig die notwendigen Schritte zu machen."
Top Ten in der Quali: Geiger lässt in Oberstdorf aufhorchen
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Geiger gab sich hingegen für 134 Meter und Platz neun die "Note zwei".
"Der Sprung ist ein positives Signal", meinte Schmitt. "Es war gut, aber noch nicht sehr gut", befand der Oberstdorfer selbst: "Das ist mein aktuelles Leistungsniveau."
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