Vierschanzentournee: Warum Platz vier für Pius Paschke fast schon wie ein Sieg ist - die Lehren aus Oberstdorf

Pius Paschke wird zum Auftakt der Vierschanzentournee in Oberstdorf Vierter und verliert auf Tagessieger Stefan Kraft "nur" 13,8 Punkte - nach den Eindrücken zuvor glänzt sein Blech nämlich fast golden. Der Sieger rückt derweil im ÖSV-Dreikampf die Kraft-Verhältnisse zurecht - und Karl Geiger färbt mit seinem starken Finalsprung das ansonsten schwache DSV-Ergebnis schön. Die Lehren aus Oberstdorf.

Schmitt-Analyse: Darum reichte es für Paschke nicht aufs Podium

Quelle: Eurosport

Blickte man Pius Paschke und Karl Geiger im Auslauf der Schattenbergschanze von Oberstdorf vor der Rekordkulisse von 25.500 Zuschauern in die Augen, sah man vor allem eines nicht: Enttäuschung.
Mit Platz vier (Paschke), acht (Geiger) und 20 (Andreas Wellinger) standen die drei besten DSV-Adler den Österreichern beim Dreifachsieg von Stefan Kraft vor Jan Hörl und Daniel Tschofenig zwar einiges nach, freuten sich aber vor allem über die Leistungssteigerung im zweiten Durchgang. Nach dem Motto: The trend is your friend.
"Ich bin sehr zufrieden", sagte Paschke nach Sprüngen auf 138 und 133,5 Meter, auch wenn er im zweiten Durchgang diesmal nicht nochmal seinen Turbo zünden konnte. "Es waren coole Sprünge, wenngleich der zweite am Limit war", meinte der immer noch im Gesamtweltcup führende Kiefersfeldener.
"Er ist in Schlagdistanz", sagte Bundestrainer Stefan Horngacher - und das ist erstmal alles, was zählt.
Die Lehren aus Oberstdorf.
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Großer Wurf bleibt verwehrt: Paschke fällt aus den Top drei

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1. Tschofenig? Hörl? Kraft!

Am 29. Dezember 2014 feierte Stefan Kraft seinen ersten Weltcupsieg in Oberstdorf - auf den Tag genau zehn Jahre später stand er wieder ganz oben. Hatten vor der Tournee die Experten vor allem von Daniel Tschofenig und Jan Hörl als Tourneeaspiranten gesprochen, stand in Oberstdorf plötzlich der alte Hase ganz oben - und verriet, dass er zuvor gepokert hatte.
"Ich habe in den letzten Wochen viel probiert und auf das eine oder andere gute Ergebnis verzichtet", sagte der 31 Jahre alte Gesamtweltcupsieger der Vorsaison und erklärte, dass er zuletzt "viel mit dem Material und der Anfahrtshocke" gespielt habe - nur um in Oberstdorf zur Tournee das beste Setup zu präsentieren. Bei seinen Sprüngen auf 138 und 135,5 Meter bei jeweils widrigen Windbedingungen spielte der Routinier seine ganze Klasse aus und grüßte am Ende verdient von ganz oben.
"Tschofenig und Hörl waren die Dominatoren der bisherigen Saison im österreichischen Team - jetzt hat er den Spieß umgedreht", meinte Eurosport-Experte Werner Schuster. Kraft hatte sich viel für diesen Tag aufgespart und konnte zulegen. Motto: "Wenn ich bei der Tournee was gewinnen will, muss ich durchziehen." Das tat er und fuhr die Ernte ein. "Dreifachsieg beim Tournee-Start, das erste Mal heuer ganz oben - es ist richtig geil", freute er sich.
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"Perfekt erwischt!" Kraft fliegt in Oberstdorf zum Sieg

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Tschofenig zahlte dagegen im ersten Durchgang etwas Lehrgeld. "Da sind die Nerven mit mir durchgegangen", gab er nach dem Sprung auf "nur" 131 Meter zu. Im zweiten Durchgang stand der 22-Jährige mit 140,5 Meter jedoch die zweitbeste Weite, verringerte so sogar den Rückstand auf Kraft um 0,1 Punkt auf 11,5.
Dazwischen hielt sich Hörl, dem nach Sprüngen auf 134,5 und 135,0 m letztlich nur ein Hauch (3,5 Punkte) zum Tagessieg fehlte. Das rein österreichische Podium sei "ein Märchen, das haben wir uns erträumt", sagte der 26-Jährige, der im Vorjahr in Innsbruck gewonnen hatte. Auch er hatte allerdings leichte Schwierigkeiten. "Sieg oder Sarg ist mein Motto", meinte er, "und das war es definitiv. Zum Glück ist es noch einmal gut ausgegangen."
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Halbzeitführung! Kraft erwischt Traumstart in Oberstdorf

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2. Paschke schließt die Lücke

Während Pius Paschke und Karl Geiger im Zielraum tief durchschnauften und die Atmosphäre aufsaugten, war Andreas Wellinger sauer - auf sich selbst. "Ich kann heute nicht zufrieden sein", sagte der Ruka- und Vorjahressieger nach Platz 20 (129 m / 132,5 m). Nachdem der 29-Jährige am Vortag konstant dreimal auf Platz 13 gesprungen war, gelang ihm im Wettkampf keine Verbesserung - im Gegenteil. Wellinger hat gleich mehrere Baustellen, die er in Oberstdorf nicht schließen konnte.
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"Guter Schritt": Wellinger steigert sich im Finale

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"Ich kriege es nicht ganz hin, dass ich die Energie aus den Beinen von der Kante mitnehme", haderte er. Weil er seine Knie am Schanzentisch zu weit vorne positionierte, kam er mit der Hüfte nicht richtig nach oben geschnellt.
"Das ist dann ein halber Meter Höhe und ein bisschen Leichtigkeit, die fehlen, damit man richtig runterfliegt", haderte er: "Das ist nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe und auch nicht, wie ich es kann. Das ist nervig."
Er wisse schon, wie man es theoretisch besser machen kann. "Es ist nur nicht einfach, das auch auf die Schanze zu bringen", meinte Wellinger mit einem Anflug von Resignation.
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Nur Platz 20: Wellinger erklärt schwachen Auftakt in Oberstdorf

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Weil Philipp Raimund (40.), Adrian Tittel (44.) und Stephan Leyhe (48.) den zweiten Durchgang klar verpassten, musste Geiger im zweiten Durchgang nochmal richtig einen raushauen, um das DSV-Ergebnis hinter Paschke zu schönen - und es gelang.
Mit seinem Satz auf 137 Meter, der nur 1,6 Punkte schlechter war als der von Paschke, schob sich der Oberstdorfer auf der Heimschanze noch von Rang 18 auf acht nach vorne und freute sich beinahe diebisch.
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Top-Sprung beim Heimspiel: Geiger bläst zur Aufholjagd

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"Es war ein unglaubliches Gefühl", sagte der 31-Jährige: " Der Sprung war das erste Mal wieder in einem Gleitwinkel, wo ich gemerkt habe, dass ich es schweben lassen kann. Es hat wieder richtig Spaß gemacht." Auch, weil ihm der Sprung zeigte: "Wir sind in Schlagdistanz."
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Geiger glücklich mit zweitem Sprung: "Unglaubliches Gefühl"

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Das gilt vor allem für Paschke, der am Sonntag die Lücke auf die drei Österreicher an der Spitze beinahe schließen konnte. In Engelberg mit den Plätzen zehn und 18 vor Weihnachten noch weit zurück und im Training von Oberstdorf zunächst nicht konkurrenzfähig (19./29.), steigerte sich der 34-Jährige in Quali und Wettkampf und fuhr letztlich mit Rang vier sein bestes Tagesergebnis bei einem Tournee-Springen ein.
"Pius hat geliefert. Da muss man wirklich den Hut ziehen", meinte Eurosport-Experte Werner Schuster nach bockstarken 138 Metern im ersten Durchgang. Der einzige Wermutstropfen: Anders als bei fast allen bisherigen Saisonspringen konnte der Routinier im zweiten Sprung diesmal nicht zulegen, landete kürzer. "Da war er überaggressiv, aber wer will's ihm verdenken. Es ist oben ohne Ski rausgesprungen, das war überm Limit", analysierte Schuster.
Trotzdem habe Paschke "seine Sache gut gemacht und nicht enttäuscht. Er hat nach einer kleinen Delle in Engelberg wieder zurückgefunden in die Spur." So sah es auch Martin Schmitt. "Das war schon eine Meisterleistung von Pius nach den zwei Trainingssprüngen, bei denen er noch ganz weit weg war", sagte der Eurosport-Experte: "Das so auf den Punkt mit der Anspannung, dem Druck und der Erwartungshaltung umzusetzen, war schon großartig."
Letztlich fehlten dem 34-Jährigen so auch nur 2,3 Punkte zu einem Podestplatz - und das ist aller Ehren wert. "Aber er hat immer noch in eine gute Ausgangslage für die Tournee", so Schmitt. Geigers zweiter Sprung sei indes "ein wichtiges Signal ans ganze Team" gewesen. Motto: Noch ist die Messe nicht gelesen.
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Paschke freut sich über Platz vier: "Sehr zufrieden"

Quelle: Eurosport

3. Es bleibt nur noch ein halbes Dutzend

Das Auftaktspringen der Tournee hat noch nie über den Gesamtsieger entschieden - und doch tat sich dieses Jahr schon ein erheblicher Graben auf. Kristoffer Eriksen Sundal auf Rang sieben hat nämlich bereits 32,3 Punkte Rückstand auf Stefan Kraft - eine Hypothek, die sich auf den drei weiteren Stationen normalerweise kaum mehr schließen lässt.
Schmitt ist sich in Sachen Tourneesieg deshalb auch schon sicher: "Es ist ein Duell zwischen Deutschland und Österreich, auch wenn die Norweger mit Johann André Forfang und die Schweizer mit Gregor Deschwanden nur knapp dahinter liegen." Mit der Einschränkung, dass "Deutschland" in dem Fall nur noch aus Pius Paschke besteht.
Der sei aber "nach wie vor im Rennen", so Schmitt. "Das war das Wichtigste heute: dass er auf Tuchfühlung bleibt und nicht zu viele Punkte verliert. Die Punkte, die jetzt fehlen, müssen übers Selbstvertrauen kommen, über Wiederholungen, über Sprünge auf hohem Niveau", erklärte der Team-Olympiasieger von 2002.
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Ski alpin: Pius Paschke (r.) in Oberstdorf mit seinen DSV-Teamkollegen

Fotocredit: Imago

In Garmisch-Partenkirchen wird Paschke jedenfalls erneut im Gelben Trikot an den Start gehen. Zwar ist sein Vorsprung im Gesamtweltcup auf 54 Punkte zusammengeschmolzen, der 34-Jährige ist mit der Signalfarbe auf der Brust aber immer noch derjenige, den es zu schlagen gilt. "Wir sind eng beisammen, der Kampf geht weiter", sagte Hörl, der Tschofenig in der Gesamtwertung überholte und nun Zweiter ist.
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Wahnsinnssprung im Finale: Nikaido kratzt am Schanzenrekord

Quelle: Eurosport


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