Die wahren Duelle beim Vierschanzentournee-Auftaktspringen in Oberstdorf mit Philipp Raimund: Heute, Kinder, könnt's was geben …
Philipp Raimund nährt mit Platz zwei in der Qualifikation von Oberstdorf die Hoffnungen auf eine aus deutscher Sicht erfolgreiche Vierschanzentournee 2025/26. Allerdings müsste man dazu wohl erst mal irgendwie dem überirdischen Domen Prevc (Slowenien) beikommen. Andreas Wellinger ist derweil froh, am Montag überhaupt wieder mitspringen zu dürfen. Die wahren Duelle von Oberstdorf
"Ally Pally in Oberstdorf!" Raimund sorgt mit Top-Quali-Sprung für Jubel
Quelle: Eurosport
Nein, Philipp Raimund hatte sich nicht verhört. "Es ist auf jeden Fall geil, wenn man oben sitzt und immer mehr Leute seinen Namen rufen hört", stellte der Quali-Zweite von Oberstdorf im Gespräch mit Eurosport zufrieden fest.
An der Schattenbergschanze kannten wahrscheinlich alle der 15.500 Zuschauer am Sonntag seinen Namen. Raimund, Oberstdorfer, ist als aktuell Vierter des Skisprung-Gesamtweltcups schließlich Deutschland derzeit heißestes Eisen im Feuer der Vierschanzentournee.
Seine Geheimfavoritenrolle bestätigte der 25-Jährige am Sonntag mit einem tollen Quali-Sprung auf 132,5 m. Ein Ergebnis, das nur der derzeit in einer eigenen Liga springende Domen Prevc toppte (139,5 m). "Wer soll den schlagen?", fragte Ex-Bundestrainer Werner Schuster als Co-Kommentator bei Eurosport. Und das nicht ohne Grund.
Die wahren Duelle von Oberstdorf.
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Quali-Highlights: "Domenator" überirdisch - Raimund weckt Hoffnungen
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1.) Prevc gegen die Slowenen-Serie
Es ist schon beeindruckend: Domen Prevc schickt sich in Oberstdorf an, schon das sechste Weltcupspringen in diesem Dezember zu gewinnen. In Wisla (2x), Klingenthal (2x) und Engelberg stand er bereits fünfmal in Serie ganz oben. Nur beim zweiten Springen in der Schweiz spuckte ihm Ryoyu Kobayashi (Japan) in die Sieger-Suppe (Prevc wurde Zweiter).
Am Sonntag distanzierte Prevc die Konkurrenz aber gleich wieder um mehrere Meter. 10,7 Punkte Vorsprung arbeitete er sich mit der Tagesbestweite von 139,5 m auf die Konkurrenz (in dem Fall: auf Raimund) heraus. "Er ist der Stärkste hier am Berg", sagt deshalb auch Eurosport-Experte Martin Schmitt, der Prevc für das Auftaktspringen am Montag (16:30 Uhr live im TV bei Eurosport 1, im Stream bei discovery+ und im Liveticker bei Eurosport.de) ganz oben auf dem Zettel hat.
Prevc sein "in einer fantastischen Form". Mit dem Selbstbewusstsein eines Gesamtweltcupführenden könne er auch "bei schwierigeren Rückenwindbedingungen seine Qualitäten im Flug ausspielen und enorm gute Sprünge zeigen". Fazit: "Seine Qualität im gesamten Sprung ist auf oberstem Niveau."
Der Quali-Sprung des 26-Jährigen aus der Prevc-Dynastie sei "eine Ansage an die Konkurrenz" gewesen, fand auch Co-Kommentator Werner Schuster. "In der Form ist er nicht zu schlagen, muss man ganz klar sagen", meinte der ehemalige Bundestrainer: "Er hat so viel Substanz - und einfach zehn Punkte Luft." Das Problem: In Oberstdorf hat noch nie ein Slowene gewonnen. Gegen diese schwarze Serie kämpft der jüngste Prevc-Bruder am Montag (auch) an.
Und dann gibt es ja noch die Konkurrenz - aus Österreich zum Beispiel. Vorjahrestourneesieger Daniel Tschofenig steigerte sich in der Quali nach den Trainingsrängen 17 und elf und merkte damit auf. "Wenn es das erste Mal drauf ankommt, ist auch der Vorjahressieger da", stellte Schmitt fest: "Er springt mit einem neuen Anzug direkt auf die Drei - das ist nach schwierigen Wochen vor Weihnachten ganz wichtig für ihn und wird ihm Mut machen fürs Auftaktspringen."
Schmitt schätzt allerdings den Quali-Fünften Jan Hörl, der zuvor den besten Trainingssprung gezeigt hatte, für Montag sogar noch ein bisschen höher ein. Auch der Tourneezweite des Vorjahres springt einen neuen Anzug. "Vielleicht hatten die Österreicher noch was in der Hinterhand. Jetzt haben sie die Bestätigung bekommen: Das Material ist gut und das Setup passt." Einzig Stefan Kraft fiel mit einem Fehler im Qualisprung als 33. ab.
Als große Unbekannte geht indes der Quali-Siebte Kobayashi ins Auftaktspringen. "Er hat die Coolness, dass er im zweiten Training schon mal seinen Olympia-Ski testet und danach für die Quali wieder zu seinem Weltcup-Ski zurückkehrt", erklärte Schmitt: "Das heißt für mich, dass er morgen ganz anders auftreten und auf Sieg gehen wird."
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2.) Raimund gegen die Leaderrolle
Mit Ausnahme des Windspringens von Ruka (32.) ist Raimund diesen Weltcupwinter die personifizierte Konstanz. Gleich sieben Mal platzierte er sich in den Top fünf, der erste Weltcupsieg scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. In Oberstdorf saugte der 25-Jährige die Atmosphäre am Sonntag förmlich auf, zeigte keine Anzeigen, dass ihm die neue Leaderrolle im DSV-Team etwas ausmachen könnte.
"Er liebt die Massen - und hat voll durchgezogen", analysierte Schuster Raimunds gelungenen Qualidurchgang: "Das ist wichtig für ihn, für die Stimmung und für Deutschland, dass er gleich mal einen Top-Sprung hingesetzt hat." Zwar habe der Oberstdorfer bei seinem Sprung "die ersten 20, 30 Meter gar keinen Ski" gehabt, meinte Schuster, "er kann sich aber drauf verlassen, dass er in ein symmetrisches System reinspringt und in eine stabile Fluglage kommt", ergänzte Schmitt. So könne Raimund "richtig attackieren, das hält sein System aus. Das heißt: Er kann Gas geben in einer Wettkampfsituation." Am Montag könnt's also was geben ...
Der Springer selbst zeigte sich zufrieden. "Meine Sprünge sind immer sehr aggressiv. Ich bin froh, dass es auch auf dem Niveau läuft", meinte Raimund.
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Raimund: "Es ist auf jeden Fall geil, wenn ..."
Quelle: Eurosport
Etwas verhaltener war dagegen die Freude bei Felix Hoffmann über Rang zwölf in der Qualifikation. Der Zweite und Dritte von Engelberg hatte den ersten Trainingsdurchlauf mit einer Weite von 137 m noch gewonnen, in der Quali ging es dann aber "nur" auf 126 m.
Das war für Schmitt jedoch erklärbar: "Er hatte im zweiten Trainingssprung einen Verdreher über dem Vorbau, deswegen wollte er es in der Qualifikation wahrscheinlich eher kontrollieren und symmetrisch halten."
Der starke erste Sprung zeige jedoch, "dass die Grundvorstellung, der natürliche Sprung einfach stimmt. Er hat eine super Basis, auf die er sich verlassen kann." Schmitt ist deshalb "guter Dinge, dass er zulegen und am Montag vorne mitmischen kann. Das Potenzial dazu hat er."
3.) Wellinger gegen den Fluch der kleinen Schritte
Womit man bei Andreas Wellinger wäre, der am Montag im K.o.-Duell ausgerechnet gegen Hoffmann antreten muss. Wie der in Oberstdorf erneut abgestürzte Karl Geiger hatte sich der zweifache Olympiasieger zuletzt ins Training zurückgezogen und zwei Weltcup-Stationen ausgelassen.
Mit Quali-Rang 39 schaffte es der 30-Jährige immerhin in den Wettkampf. So richtig zufrieden war er damit jedoch nicht. "Ich brauche noch eine bessere Balance im Anlauf, damit ich besser abspringen kann", sagte er zu Eurosport. Das Wichtigste sei für ihn, "weiter an meinen Sprüngen zu arbeiten. Es hat sich leicht verbessert, speziell die Verbindung nach dem Absprung. Es fühlt sich noch nicht richtig gut an und auch noch nicht leicht. Aber es geht in die richtige Richtung."
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Gemischte Gefühle bei Rückkehr: Wellinger nimmt Quali-Hürde
Quelle: Eurosport
Auch Schmitt sah immerhin "eine Veränderung" in Wellingers Sprungablauf. "Er ist ein bisschen näher dran, aber weiter unter seinen Möglichkeiten", stellte der Team-Olympiasieger von 2002 fest: "Es ist hart, dass der Abstand nach vorne so groß ist. Aber so ist Skispringen nun mal."
Wunderdinge sind von Wellinger bei dieser Tournee definitiv keine zu erwarten. Eher erneute Rückschläge, die jedoch bereits eingepreist sind. "Mein Selbstvertrauen ist definitiv nicht so groß wie in den letzten Jahren", meinte der Tourneezweite von 2018 und 2024: "Es geht drum, kleine Schritte nach vorne zu machen. Und die Saison ist noch lang." So ist der Formaufbau des Ruhpoldingers jetzt klar auf Olympia im Februar ausgelegt.
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Wellinger: "Selbstvertrauen nicht so groß wie in den letzten Jahren"
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