Olympia 2026: Skisprung-Legende Jens Weißflog kritisiert deutsche Bilanz - "Platz vier zählt nicht" - strukturelle Defizite?

Skisprung-Legende Jens Weißflog hat sich kritisch zum Abschneiden des deutschen Teams bei den Olympischen Winterspielen 2026 geäußert. Im Interview mit "ran" sprach der dreimalige Olympiasieger über zahlreiche vierte Plätze, strukturelle Defizite und politische Versäumnisse. Mit Blick auf die vielen vierten Plätze ordnete Weißflog die Leistung der Deutschen deutlich ein.

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Quelle: Eurosport

"Platz vier ist zwar nur knapp an einer Medaille vorbei, zählt aber nicht. Für den Sportler selbst kann es ein sehr guter Erfolg sein, auch wenn es in dem Moment nicht zu einer Medaille gereicht hat. Das muss man auch differenziert sehen. Insgesamt ist nicht alles zufriedenstellend", betonte der 61-Jährige.
Scharfe Worte fand Weißflog auch für den abgebrochenen dritten Durchgang im Team-Skispringen. "Jeder Weltcup wird bei solchen Bedingungen eine halbe Stunde lang unterbrochen. Dass man den Wettbewerb abgebrochen hat, war eigentlich eine Farce."
Die Entscheidung hatte während der Spiele für Diskussionen gesorgt und war daher durchaus umstritten.
Rückendeckung erhielt indes die Forderung von Felix Neureuther, den Sport finanziell stärker zu fördern. "Da stimme ich absolut zu. Wir werden mit noch mehr Kürzungen im Sportbereich nicht mehr Medaillen erreichen können", sagte Weißflog.

"Haben wir noch Kinder und Jugendliche, die sich für den Sport begeistern?"

Er kritisierte, dass in den vergangenen Jahren zwar zahlreiche Leistungssportkonzepte verabschiedet worden seien, die finanziellen Mittel jedoch kaum gestiegen seien. Stattdessen nehme die Zentralisierung zu, Standorte würden geschlossen. "Das heißt aber auch, dass in deren Umfeld immer weniger passiert. Die Zuliefervereine werden dann kaum noch die Motivation haben, weiterzuarbeiten."
Über konkrete Schritte zur Verbesserung der Olympia-Bilanz wollte Weißflog nicht allein sportpolitisch sprechen – vielmehr sieht er ein gesellschaftliches Problem.
"Das ist eine sehr tiefgreifende Frage, die auch unsere Gesellschaft beantworten muss. Haben wir noch Kinder und Jugendliche, die sich für den Sport begeistern – auch für Leistungssport? Oder gibt es dort mittlerweile einfach andere Prioritäten?"
Er zweifelte zudem am generellen Leistungsanspruch in Deutschland: "Der fehlt mir insgesamt ein bisschen. Wenn bei den Bundesjugendspielen die ersten Plätze nicht mehr so stark belohnt werden, beginnt das Thema ja eigentlich schon. Da entfernen wir uns schon vom Leistungsprinzip."
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Quelle: Eurosport


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