Schmitt und Damjan erklären: Das bedeutet die neue Anzugregel im Skispringen - "Schritt in die richtige Richtung"

Es ist eine kleine Revolution im Skispringen, von der die Fans nur wenig mitbekommen: die neuen Anzugregeln der FIS. Seit dieser Saison dürfen die Weltcup-Springer nur noch insgesamt zehn Anzüge einsetzen. Bei Eurosport erklären Materialkontrolleur Christian Kathol sowie die Experten Martin Schmitt und Jernej Damjan, was die Idee dahinter ist und warum das den Skisprung gerechter macht.

Ski jumping - Feature - ITW Christian Kathol FIS equipment controller

Quelle: Eurosport

Markiert wird das mit NFC-Mikrochips und einem Schriftzeichen der Kontrolleure am Weltcupwochenende. So soll sofort auffallen, wenn Springer unerlaubterweise die Anzüge oder Teile der Anzüge austauschen - auch untereinander.
"Das System gibt uns auch die Möglichkeit, die Anzahl der Anzüge über den Lauf der Saison zu limitieren", sagt Christian Kathol von der "Equipment Control" der FIS im Gespräch mit Eurosport. So werden in mehreren Teilen des Sprunganzugs - also an den Ärmeln, dem vorderen und hinteren Oberteil sowie an den Beinen - insgesamt sieben Chips mit eigener ID-Nummer angebracht, die zur Identifizierung dienen.
Bedeutet: Schnitt und Luftdurchlässigkeit dürfen, wenn einmal im Wettkampf eingesetzt, nicht mehr verändert werden. Maximal acht der gechippten Anzüge dürfen die Springer in dieser Saison im Weltcup einsetzen, zwei weitere dürfen bei der Nordischen Ski-WM in Trondheim (26. Februar bis 9. März) gesprungen werden.
"Es geht dabei um Chancengleichheit und natürlich auch um Kostenreduzierung und Nachhaltigkeit", sagte FIS-Renndirektor Sandro Pertile vor Saisonstart. Für Eurosport-Experte Martin Schmitt ist das "ein Schritt in die richtige Richtung, weil die finanziellen Ausgaben für die Anzüge wirklich enorm waren".
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Ski jumping - Feature - Martin Schmitt and Jernej Damian on marking suits

Quelle: Eurosport

Neue Anzugregel: Chip ersetzt Plombe

Außerdem senkt es das Betrugsrisiko. "Bis dato wusste man nie, mit welchem Anzug ein Athlet im ersten oder zweiten Durchgang springt", sagt Schmitt: "Jetzt ist alles transparenter für die Jury und die Verantwortlichen." Auch Kathol sagt: "Es wird fairer."
Auch Eurosport-Experte Jernej Damjan war "kein großer Freund von den Anzugwechseln zwischen den Durchgängen, weil es einfach schwer zu kontrollieren war". Die Kontrolleure mussten die Anzüge bislang mit einer Plombe versehen. Wollte ein Springer zwischen den Durchgängen tauschen, musste er wieder zum Kontrolleur, der dann aber, wenn mehrere Athleten dieselbe Idee hatten, im kurzen Zeitraum zwischen Sprung eins und zwei unter Zeitdruck geriet.
Pro einzelnem Weltcuptag darf jetzt nur noch ein Anzug zum Einsatz kommen - außer die Jury gibt, zum Beispiel bei Regen wie in Lillehammer, einen weiteren frei (der dann aber schon vorher abgenommen wurde). Pro Weltcup-Wochenende dürfen insgesamt nur noch zwei Anzüge zum Einsatz kommen.

Schmitt erklärt Kehrseite der Medaille

"Ich finde gut, dass man jetzt in besonderen Situationen im Springen tauschen darf - wenn es regnet, zum Beispiel", sagt Eurosport-Experte Jernej Damjan und vergleicht den Effekt mit dem Motorsport: "Das ist dann wie bei einem Regenrennen in der MotoGP!"
In der ersten Saisonphase dürfen die Springer insgesamt vier Anzüge einsetzen. Ab der Vierschanzentournee sind zwei weitere erlaubt, bei der WM nochmals zwei und nach Trondheim die letzten beiden Anzüge - macht zehn insgesamt.
"Für die Teams bedeutete das aber auch harte Arbeit im Sommer", sagt Schmitt, der befürchtet: "Wenn du nach der ersten Weltcupstation hintendran bist, ist es wirklich schwierig, die Lücke zu schließen. Natürlich kannst du zuhause weiterentwickeln und auf die Vierschanzentournee warten, bis du die neuen Anzüge dann einsetzen darfst. Aber die wurden dann noch nicht unter Wettkampfbedingungen getestet und du weißt nicht wirklich, was du bekommst. Das ist ein bisschen wie bei einem Pokerspiel."
Damjan gibt auch zu bedenken, dass die Materialschlacht nicht gänzlich abgeschafft, sondern nur ins Verborgenere verlegt wurde. "Das ist die Richtung, in die die FIS gehen wollte, um mehr Chancengleichheit zu haben und die kleineren Nationen nicht zu benachteiligen. Aber im Endeffekt kannst du zuhause so viele Anzüge testen, wie du willst - es geht nur darum, wie viele davon du im Weltcup einsetzt", meint der Slowene.

Kraft spielt Bedeutung herunter

Die Athleten ließen sich in Lillehammer noch nicht in die Karten schauen. Gesamtweltcupsieger Stefan Kraft, der bisher 15 bis 20 Anzüge pro Saison einsetzte, spielte die Regeländerung herunter.
"Sicher muss man sich gut überlegen, welchen Anzug schickst du zum Chippen hin. Mit dem musst du dann doch eine Zeit haushalten", erklärte der Österreicher bei "Salzburg24". Allerdings habe er auch schon vergangene Saison einen Anzug "vom ersten Saisonsieg bis Bischofshofen verwendet". Denn: "Wenn dir der Anzug taugt, dann taugt er dir."
Bei der letztjährigen Vierschanzentournee hatte indes ein Anzug von Andreas Wellinger für Aufsehen gesorgt - dieser hatte bei der Qualifikation von Oberstdorf in TV-Bildern ein Loch offenbart. "Wenn er bei mir gewesen wäre und ich den Anzug gesehen hätte, wäre er disqualifiziert worden", sagte Materialkontrolleur Kathol später dem norwegischen TV-Sender "NRK". Eine Disqualifikation des späteren Oberstdorf-Siegers wäre regelkonform gewesen, so Hüttel.
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Quelle: Eurosport


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