Severin Freund gibt Epilepsie-Erkrankung bekannt: Zurückgetretener Skispringer hatte auch während Karriere Anfälle
Update 24/11/2024 um 21:45 GMT+1 Uhr
Severin Freund hat öffentlich bekanntgegeben, dass er eine fokale Epilepsie-Erkrankung hat. Der 2022 zurückgetretene Skispringer sagte im Interview mit der "Welt am Sonntag", dass er seinen ersten Anfall im Alter von 16 Jahren erlitt: "Die Gefahr, nicht mehr Skispringen zu können, war ganz nah. Das wäre für mich der Supergau gewesen." Die Krankheit begleite den 36-Jährigen auch heute noch.
Severin Freund hat seine Epilepsie-Erkrankung öffentlich bekanntgegeben
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"Der Status Quo ist in etwa bis heute geblieben. Ich hatte immer wieder Anfälle, allerdings nur aus dem Schlaf heraus. Es scheint bei mir so zu sein, dass ich im Abstand von sechs bis 24 Monaten ein Fenster von etwa zwei Wochen habe, in denen ich Anfälle habe. Dann ist es einer oder sind es bisher maximal drei. Danach habe ich wieder Ruhe", schilderte der Team-Olympiasieger von 2014 in Sotschi.
Freund skizzierte zudem seinen ersten Anfall aus dem Sommer 2004: "Unser Hausarzt kam von nebenan schnell rüber und bekam noch die Phase mit, in der ich nicht sofort reagibel war. Zu der Zeit war Volksfest bei uns, und die erste Frage war wohl, ob es etwas mit Intoxikation zu tun habe. Als ich dann wieder klar war und antworten konnte, hat man mir zum Glück geglaubt. An dem Tag und danach war ich in einer Art Schockstarre, fühlte mich verloren."
Nach den ersten genaueren Untersuchungen schien es aus der Sicht Freunds jedoch "nicht so schlimm zu sein". Zwei Jahre später ereignete sich dann jedoch ein weiterer Anfall. "Im Oktober 2006, im Jahr vor dem Abitur, bekam ich unter der damaligen Dosierung einen Anfall, erneut nachts. Ein ziemlicher Schock. Im Krankenhaus in München fiel dann ein Satz, der sich eingebrannt hat: "An Leistungssport ist überhaupt nicht zu denken. Bei Herrn Freund geht es darum, dass er ein geregeltes Leben führen kann", schilderte er. Tests ergaben dann jedoch zu seiner Erleichterung, dass ein Anfall am Tag sehr unwahrscheinlich sei und er auch wieder Sport machen dürfe.
Der Olympiasieger wurde zudem gefragt, ob er nicht Angst vor einem Anfall auf der Skisprung-Schanze gehabt hätte: "Das weiß ich ehrlicherweise nicht mehr. Es kann sein, dass es den Moment gab, aber übrig geblieben ist in der Retrospektive die wahnsinnig große Freude, wieder und weiter springen zu dürfen. Das hat alles überlagert."
Darum sprach Severin Freund nicht früher über Epilepsie-Erkrankung
Während seiner Karriere wollte Freund die Erkrankung aus diversen Gründen nicht öffentlich machen, "weil bei schlechteren Leistungen vielleicht immer die Vermutung da gewesen wäre, dass es an der Erkrankung liegt. Ich wollte zudem nicht permanent danach gefragt werden. Vor vielen Jahren hatte es eine Zeitung herausgefunden und wollte es veröffentlichen; wir konnten das aber noch verhindern."
Anfälle habe er ausschließlich "beim Abbau von Anspannung". Seit seinem Karriereende im März 2022 habe er einen Anfall gehabt.
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Severin Freund beendete seine Karriere im März 2022
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Freund gab auch medizinische Hintergründe zu seiner Erkrankung: "Man hat im Gehirn rechts frontal eine Stelle auf dem MRT gefunden, einen kleinen Flecken, der gewissermaßen graue Masse ist, also nicht wirklich ausgebildet, und bei mir dann keine Funktion hat. Wenn man es runterbricht, ist dieser Fleck für den Anfall verantwortlich, für diesen Sturm im Gehirn oder das Gewitter. Wenn jeder Anfall ein großer ist wie bei mir, dann geht es aufs ganze Gehirn über."
Der frühere Skispringer erklärte zudem den Ablauf eines Anfalls: "Ich fange im Schlaf an zu krampfen, beiße mir teilweise auch auf die Wange. Meine Frau schaut dann, dass nichts in der Nähe ist, an dem ich mich verletzen könnte, dass ich nicht aus dem Bett rauskugle."
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Severin Freund gewann unter anderem die Skiflug-WM 2014
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Der gebürtige Freyunger führte aus, dass es in Deutschland etwa 800.000 Menschen mit Epilepsie gebe und fasste zusammen: "Es kann eine große Einschränkung bedeuten, muss es aber nicht. Wenn du damit konfrontiert wirst, herrscht erst einmal große Hilflosigkeit. Die Verläufe und Ausprägungen sind sehr unterschiedlich und individuell. Ich hatte in vielerlei Hinsicht Glück."
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Quelle: Eurosport
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