Severin Freund kritisiert Weltverband FIS nach Skisprung-Skandal um norwegische Anzüge: "Messlatte muss höher liegen"
VonNiklas Bien
Publiziert 17/03/2025 um 11:10 GMT+1 Uhr
Der Skandal rund um die manipulierten Anzüge der Norweger bei der Nordischen Ski-WM in Trondheim hält die Skisprungwelt weiter in Atem. Die FIS disqualifizierte bei der Raw-Air zuletzt fünf norwegische Springer, für Ex-Skispringer Severin Freund nicht genug. "Es gibt ein Problem mit dem System. Das haben die Norweger ausgenutzt", kritisierte der Gesamtweltcupsieger von 2015.
Ski Jumpin - Vikersund - Andreas Wellinger itw Ger
Quelle: Eurosport
Der Skandal um die manipulierten Sprunganzüge der norwegischen Mannschaft hatte sich im Laufe der vergangenen Woche immer weiter ausgeweitet.
Nachdem zunächst die beiden Topstars Marius Lindvik und Johann André Forfang aus dem Verkehr gezogen wurden, suspendierte die FIS einen Tag später auch Robert Johansson, Kristoffer Eriksen Sundal und Robin Pedersen - während des offiziellen Trainings in Oslo.
Zusätzlich wurden mit Cheftrainer Magnus Brevig, Assistenztrainer Thomas Lobben und Cheftechniker Adrian Livelten auch drei Mitglieder des norwegischen Trainerstabs suspendiert.
Videoaufnahmen überführten während der WM in Trondheim Lindvik und Forfang, bei denen verstärkte Nähte in den Anzügen angebracht worden. Die Aufnahmen zeigten Serviceleute - inklusive dem mittlerweile gesperrten Trainer Magnus Brevig.
"Als ehemaliger Skispringer und jetziger Fan war es ziemlich schockierend, wie weit sie gegangen sind. Das ist etwas, das ich nicht verstehen kann und das ich nicht erwartet habe", sagte der ehemalige DSV-Adler Freund gegenüber "NRK".
Freund: Regelwerk lädt zu Risiko ein
Der Team-Olympiasieger von 2014 nimmt dabei vor allem den Weltverband FIS in die Pflicht. Die Norweger hätten so gehandelt, "weil sie denken, dass sie keine großen Konsequenzen fürchten müssen", erklärte Freund und forderte konkrete Anpassungen.
"Wir brauchen klarere Regelungen in Bezug auf Sanktionen. Die Messlatte muss höher liegen. Die Disqualifikation reicht nicht aus", betonte der 36-Jährige.
Aktuell könne die Denkweise aus Sicht des Gesamtweltcupsiegers von 2015 lauten: "Wir haben die Weltmeisterschaften zu Hause und wir wollen das Risiko eingehen". Das könne die FIS verändern.
"Letztlich muss man ein Umfeld schaffen, in dem die Springer und Teams sagen: 'Okay, wir haben vielleicht eine Idee, aber wir wollen das Risiko nicht eingehen, denn es steht zu viel auf dem Spiel'", so Freund weiter.
Freund fordert mehr Klarheit bei Strafen
Grundsätzlich sind die Strafen für bestimmte Regelverstöße im FIS-Reglement festgelegt. So drohen den Springern etwa Disqualifikationen, Geldstrafen bis zu 100.000 Schweizer Franken (rund 104.000 Euro) oder der Verlust von Preisgeldern.
Für den dreifachen Weltmeister fehle aber eine noch klarere Festlegung, welches Vergehen die jeweilige Strafe nach sich zieht - tiefgreifende Regelverstöße wie die bewusste Manipulation der Norweger mit verstärkten Nähten müssten demnach härter geahndet werden als ein Anzug, der einen Zentimeter zu groß ist.
Eins steht fest: Der Skandal hat die Sinne in Bezug auf das Regelwerk im Skispringen noch einmal enorm geschärft.
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