Prevc-Posse um herrenlose Ski bei Skiflug-WM in Oberstdorf: Löste ein Regenschirm das Chaos aus?
VonJan Zesewitz
Update 26/01/2026 um 08:02 GMT+1 Uhr
Domen Prevc sorgte unfreiwillig für den denkwürdigsten Moment der Skiflug-WM in Oberstdorf - und ausnahmsweise waren es keine sportlichen Glanzleistungen. Stattdessen machten sich die Skier des Überfliegers selbstständig und rauschten am Norweger Marius Lindvik vorbei die Schanze hinab. Da er darauf in diesem Durchgang nicht mehr starten durfte, war für Slowenien Team-Gold passé.
Unglaublich! Prevc' Ski rasen unkontrolliert die Schanze hinunter
Quelle: Eurosport
Es gibt Bilder und Momente, die kann man nicht einordnen. Man hat es noch nie erlebt und merkt: Irgendetwas ist falsch. Dazu zählen TV-Aufnahmen von einem herrenlosen Ski, der eine Flugschanze hinunterfährt und es sogar den ganzen Hang hinunter schafft.
Auch im Kommentar bei Eurosport machte sich bei Gerhard Leinauer und Experte Werner Schuster zunächst Unglaube und Entsetzen breit, gefolgt von der ersten guten Nachricht: "Es ist niemand zu Schaden gekommen, das hätte unangenehm werden können", sagte Schuster.
Ein Ski flog von der Schanze gut 50 Meter durch die Luft und stoppte erst im Auslauf. Getroffen wurde niemand. Nicht auszumalen, was passiert wäre, wenn der Ski über eine Absperrung geflogen wäre oder Lindvik in der Anfahrt getroffen hätte.
Nachdem die Gefahr selbst gebannt war, wurde schnell klar, dass es die Skier von keinem Geringeren als dem neuen Einzel-Weltmeister Domen Prevc waren, der seinerseits nun mit sparsamen Blick im Aufenthaltsraum stand.
Bauer: "Prevc hat die Möglichkeit gehabt, sie in die Skibox zu legen"
Aber wie konnte das passieren? Aufschluss darüber gab der technische Delegierte der FIS, Andreas Bauer, im Interview mit der "ARD": "Es gibt oben eine Materialbox, wo die Schrittmessung vor dem Start stattfindet. Dort hat er die Ski an die Zeltplane gelegt. Bei dem Schneefall ist es glatt und es haben sich die Ski gelöst in den Anlauf rein. Ich habe das noch nie erlebt."
Laut Bauer lag die Schuld dennoch bei Prevc selbst. "Er hätte die Möglichkeit gehabt, die Ski an einen Mitarbeiter zu geben. Er hat die Möglichkeit gehabt, sie in die Skibox zu legen. Er hat sie an die Zeltplane rangelegt", so der Deutsche.
Die Konsequenz: Trotz aller Bemühungen des Teams, Prevc schnellstmöglich Ersatzski zu besorgen, geht der erste Durchgang ohne Sprung des Weltmeisters zu Ende. Im dichten Schneefall wird eine Plane über die Anlaufspur gelegt. Prevc wollte zum Balken gehen, aber er wurde gestoppt.
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"Heikler Fall": Wer hat Schuld am Ski-Fauxpas von Prevc?
Quelle: Eurosport
Schuldfrage für FIS eindeutig: Prevc selbst verantwortlich
Eurosport-Experte Schuster hatte diese Auslegung der FIS bereits vermutet: "Nach meinem Regelverständnis müsste man ihn rausnehmen", sagte der Ex-Bundestrainer: "Der Durchgang ist vorbei und er hat sein Problem nicht rechtzeitig lösen können."
Die entscheidende Frage schob Schuster direkt hinterher: "War es sein Fehler oder war es nicht sein Fehler?"
Die Antwort darauf fand Bauer im Inteview sehr eindeutig: "Das war eigenverschuldet. Bei dem Schneefall konnte man auch nicht warten. Man musste schauen, die Springer runterzubekommen, bevor die Spur nicht völlig zugeschneit ist. Das ist zu bewerten wie 'did not start', das ist ungefähr so, als wenn ich die Startnummer vergesse und zu spät am Start bin. Dafür gibt es klare Regeln."
Dementsprechend sorgte FIS-Koordinator Hubert Mathis im Aufenthaltsraum mit einer klaren Geste und jeder Menge "Neins" für ein Ende der slowenischen Hoffnungen, die mit der Ankunft der Ersatz-Ski kurz aufgekommen waren.
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"Die gehen viel besser": Prevc mit Traumflug nach Ski-Drama
Quelle: Eurosport
Slowenen protestieren - und glauben an eine andere Version
Die Slowenen sahen das freilich ganz anders als die FIS und kündigten einen weiteren Protest beim Weltverband FIS an. "Was oben auf der Schanze passiert ist, ist nicht im Sinne des Skispringens. Es muss sich etwas ändern", sagte SZS-Sportdirektor Gorazd Pogorelcnik bei "TV Slovenia".
Experte Jelko Gros bestätigte indes die von Bauer erzählte Version. "Prevc ging zur Kontrolle, dort war jedoch niemand, der seine Skier festhielt, wie es laut den Regeln vorgeschrieben ist. Da niemand da war, lehnte er die Skier an die Kabine. Die Skier fielen herunter, als sie an der Kabine lehnten", sagte Gros im slowenischen Fernsehen.
Pogorelcnik hatte jedoch noch eine völlig andere Version gegenüber dem slowenischen Fernsehen parat: "Einer der Vorspringer sah demnach einen freiwilligen Helfer, der sich mit einem Regenschirm umdrehte und die Ski berührte, die dann auf die Schanze rutschten."
Pogorelcnik: "Es sollte Kameras geben"
Ein sofort eingereichter Protest der Slowenen wurde abgelehnt. Es kam zu einer Jury-Entscheidung, die 3:1 zugunsten eines Startverbots ausfiel. "Aber für uns ist die Sache damit noch nicht beendet", sagte Pogorelcnik.
Der neuerliche Protest werde zwar am Ergebnis nichts mehr ändern, soll aber die FIS zum Nachdenken bringen. "Es sollte sich etwas ändern. Es sollte Kameras rund um das Kontrollzelt geben, um genau zu sehen, was passiert ist, damit die Jury das Filmmaterial sehen kann", so Pogorelcnik.
Laut dem Funktionär hatte die Jury direkt nach dem Vorfall Videoaufnahmen von der fraglichen Szene angefordert. "Aber sie haben ein solches Video nicht bekommen. Wenn dies der Fall gewesen wäre, wäre die Entscheidung deutlich einfacher gewesen. So aber stand Aussage gegen Aussage", sagte Pogorelcnik.
Prevc springt im zweiten Durchgang 228,5 Meter - mit Ersatzskiern
Prevc selbst äußerte sich nicht zu dem Vorfall. Eigentlich wollten die Slowenen, die auch mit einem Sprung weniger für den Finaldurchgang qualifiziert waren, gar nicht mehr antreten, Startspringer Timi Zajc wollte die Schanze schon verlassen.
Schließlich sprangen sie doch und verbesserten sich noch auf Platz sechs. Skiflug-Einzel-Weltmeister Prevc sprang mit Ersatzskiern im zweiten Durchgang 228,5 Meter.
Mit den Medaillen hatte das Team aber freilich nichts mehr zu tun. Gold ging an Japan vor Österreich, Bronze holte sich das Team Norwegen. Das DSV-Team wurde Vierter und konnte nicht von der Posse um Prevc profitieren.
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(mit SID)
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Highlights: Ein denkwürdiger Tag in Oberstdorf
Quelle: Eurosport
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