Domen Prevc vor ultimativem Triumph: Mit Gesamtweltcup übertrifft er die Legenden - Martin Schmitt analysiert Phänomen

Domen Prevc steht vor der Krönung einer Saison, die bereits jetzt reif für die Geschichtsbücher ist: Am kommenden Wochenende kann der 26-jährige Slowene seinen Triumph im Gesamtweltcup unter Dach und Fach bringen und damit zum ersten Skispringer der Historie aufsteigen, der alle großen Titel innerhalb eines Jahres gewonnen hat. Eurosport-Experte Martin Schmitt analysiert den "Domenator".

245,5 Meter! Prevc fliegt zum Schanzenrekord am Kulm

Quelle: Eurosport

Im Tennis ist es der Golden Slam, im Boxen kennt man den Undisputed Champion - und im Skispringen? Dort steht Domen Prevc kurz vor einem ähnlichen Kunststück.
Am kommenden Freitag könnte der 26-Jährige aus Slowenien beim Weltcup in Lahti (ab 14:15 Uhr live im Stream bei HBO Max) vorzeitig den Gesamtweltcup für sich entscheiden und damit zum ersten Skispringer der Geschichte aufsteigen, der alle großen Titel seiner Sportart innerhalb von zwölf Monaten gewonnen hat.
Vor ziemlich genau einem Jahr krönte sich Prevc bei der Nordischen Ski-WM in Trondheim auf der Großschanze zum Weltmeister, es folgten die Vierschanzentournee 2025/26, der Titel bei der Skiflug-WM 2026 in Oberstdorf sowie die olympische Goldmedaille auf der Großschanze.
Im März 2025 schnappte sich der Ausnahmeflieger zudem in Planica mit 254,5 Metern den Weltrekord im Skifliegen.
"Domen ist zurzeit in einer herausragenden Form. In der Vergangenheit hat es das schon öfters gegeben, dass ein Athlet eine Saison dominiert und phasenweise fast schon unschlagbar erscheint", ordnet Eurosport-Experte Martin Schmitt ein. "Trotzdem ist Domen einfach außergewöhnlich."

Schmitt: "Drauf und dran, alle Rekorde zu brechen"

Legenden wie Espen Bredesen, Thomas Morgenstern, Jens Weißflog und Kamil Stoch triumphierten etwa allesamt bei den "Großen Vier" (Olympia, WM, Gesamtweltcup und Vierschanzentournee), im Skifliegen blieb die Krönung aber jeweils aus.
Einzig die finnische Skisprung-Ikone Matti Nykänen eroberte neben den vier erwähnten Titeln noch Skiflug-Gold. Die Erfolge der 2019 verstorbenen Legende erstreckten sich jedoch über mehrere Jahre.
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Prevc nach Schanzenrekord: "Hier kann man fliegen wie ein Düsenjäger"

Quelle: Eurosport

So träumt Prevc nun von seinem ganz persönlichen Platz an der Sonne. Auf dem Weg dorthin könnte er acht Springen vor Schluss sogar seinem Bruder Peter einen Rekord stibitzen.
"Peter hatte mal eine Saison mit 15 Weltcupsiegen, Domen steht jetzt schon bei 13 - und der Winter ist noch lange nicht zu Ende", so Schmitt. "Er ist drauf und dran, alle Rekorde zu brechen."

Prevc: Ein unglaublicher Automatismus

Herausragende Flugqualitäten und nicht zuletzt eine perfekte Materialabstimmung ließen Prevc in dieser Saison in eine neue Dimension vorstoßen. Sein Flugsystem sucht dabei seinesgleichen.
"Domen hat eine hohe Präzision in seiner Absprungbewegung. Manchmal gibt es leichte Asymmetrien in der Übergangsphase", analysiert Schmitt.
Selbst wenn Prevc in der ersten Phase Unsauberkeiten unterlaufen, "schafft er es schnell, sich zu korrigieren und trotzdem weit zu springen. Je größer die Schanze, desto besser kann er diese besondere Qualität ausspielen."
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Der Sprung zu Gold: Prevc krönt sich zum Olympiasieger

Quelle: Eurosport

Durch die ungewohnt hohe Anzahl an guten Sprüngen stellte sich beim "Domenator" ein unvergleichlicher Automatismus ein. "Er kann also in jeder Situation die volle Energie hineinlegen und den Absprung offensiv gestalten. Sein Flugsystem hält es aus", so Schmitt.
Was häufig bei der Einordnung der Prevc-Dominanz außen vor gelassen wird: "Skispringen ist eine sehr sensible Geschichte", merkt der Team-Olympiasieger von 2002 an. "Vor allem körperlich fühlt man sich nicht immer gleich - aber Domen schafft es über einen sehr langen Zeitraum, die ganz hohe Qualität abzurufen. Das ist außergewöhnlich."

Prevcs Erfolgsrezept: Flache Skier und lockere Bindung

Befindet sich Prevc erst einmal in der Luft, sorgt er auch dort für einzigartige Eindrücke.
"Im Flug ist es beeindruckend, wie flach er seine Skier führen kann", führt Schmitt aus. "Ein flacher Ski erzeugt hohe Auftriebskräfte, ist jedoch gar nicht so einfach zu kontrollieren. Aber er schafft es. Das ist sicherlich ein Schlüssel zu seinem Erfolg."
Bei dieser kniffligen Skiführung fällt auch eine Besonderheit an der Bindung ins Auge. "Domen setzt auf eine sehr lockere, tiefe Schnürung der Bindungsschuhe", erläutert Schmitt. "So hat er eine sehr große Bewegungsfreiheit am Sprunggelenk."
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Highlights: Prevc dominiert bei Flugshow am Kulm

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Das sei im Skispringen zwar normal, Prevc treibe das Spiel jedoch auf die Spitze. Auch durch "etwas mehr Spiel im Fersenbereich" ist der Slowene deutlich flexibler. "Das Ganze ermöglicht ihm sicher, dass er den Ski noch näher an den Körper bekommt."
Warum die Konkurrenz nicht längst auf diesen Zug aufgesprungen ist? "Ein relativ tief und locker gebundener Schuh bewirkt auch weniger Stabilität und Kontrolle, es ist also schwieriger zu beherrschen", hebt Schmitt hervor. "Die Kraftübertragung fällt nicht so direkt aus. Das ist eine individuelle Einstellung, die nicht so einfach zu kopieren ist."

Schmitt: "Im Hause Prevc wurde viel richtig gemacht"

Training, Material, Talent - und doch muss man auch sagen: Das Skispringen liegt Prevc einfach im Blut. Und das bezieht sich auf die gesamte Familie.
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"Wo geht der hin!?" Prevc fliegt zu neuem Weltrekord

Quelle: Eurosport

Gemeinsam mit seiner Schwester Nika sorgte er nämlich dafür, dass fortan gleich vier Prevc-Kinder olympische Medaillen in ihrem Trophäenschrank ausstellen dürfen: Die älteren Brüder Peter und Cene ließen den Familiennamen schon vor Jahren ganz hell erstrahlen.
"Im Hause Prevc wurde viel richtig gemacht", meint Schmitt. "Mit Peter hat man sicher jemanden gehabt, an dem man sich als Bruder orientieren konnte. Er hat den Weg gezeigt, das hat die jüngeren Geschwister offensichtlich motiviert, ihm nachzueifern."
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Anze Lanisek und Nika Vodan feiern mit den Prevc-Geschwistern Nika und Domen (v.l.n.r.)

Fotocredit: Getty Images

Ein Jahrzehnt nach dem Triumph von Peter steht nun Domen vor der Krönung im Gesamtweltcup und dem Abschluss eines Jahres, das es in der Skisprung-Geschichte noch nicht gegeben hat.
Während der Rekord an Saisonsiegen (15) seines Bruders für Prevc in Reichweite ist (13), muss er sich für eine weitere Bestmarke noch richtig ins Zeug legen. "Peter der Große" entschied den Gesamtweltcup damals mit einem Rekordwert von 2303 Punkten für sich und lag 813 Zähler vor dem Zweiten Severin Freund.
Domen steht derweil "nur" bei 1814 Punkten, Verfolger Ryoyu Kobayashi liegt 761 Punkte zurück. Zwei Marken hat der "Domenator" also noch vor sich - wenn nicht jetzt, wann dann?
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Wellinger beim Skifliegen weiter im Aufwind

Quelle: Eurosport


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