Skisprung-Skandal - Norwegischer Betreuer gibt Manipulation bei Weltcup in Zakopane 2021 zu: "Malten Holzleim auf Anzug"

Der Skandal um die manipulierten Anzüge der norwegischen Mannschaft erschüttert den Skisprung-Sport. Dabei scheint das ganze Ausmaß des Betrugs noch überhaupt nicht klar. Nun meldete sich ein norwegischer Betreuer zu Wort, der zugibt, dass bereits im Jahr 2021 die Ausrüstung von Marius Lindvik manipuliert wurde: "Wir rührten Holzleim an und malten ihn auf den Anzug." Der Skandal weitet sich aus.

Anzug-Skandal erschüttert Skisprung-Welt: Die Tragödie im Video

Quelle: Eurosport

Fredrik Bjerkeengen war selbst früher einmal Skispringer, startete allerdings nie im Weltcup. Nach seiner aktiven Karriere arbeitete er als Betreuer für die norwegische Nationalmannschaft - und war unter anderem für die Anzüge der Athleten zuständig.
In einem Interview mit der norwegischen Tageszeitung "Verdens Gang" ("VG") gab er nun zu, dass bereits zu seiner Zeit als Betreuer systematisch Anzüge der norwegischen Sportler manipuliert wurden.
"Wir rührten Holzleim an und malten ihn auf den Anzug", sagte Fredrik Bjerkeengen gegenüber "VG". Der Betrug soll sich in der Saison 2021 in Zakopane zugetragen haben. Damals gewann Marius Lindvik - der nach Bekanntwerden des Skandals von der FIS suspendiert wurde - vor Anze Lanisek aus Slowenien und seinem Landsmann Robert Johansson.
Am Weltcup-Ort in Polen seien die Anzüge "durch alle Kontrollen" gekommen und nicht aufgefallen: "Der Kleber glänzte und verschwand. Und wenn man die Anzüge anzog und sich bückte, löste er sich allmählich auf."

Skisprung-Skandal: Was wusste der frühere Sportchef?

Der Zweck der Prozedur sei es gewesen, den Anzug steifer zu machen, damit er wie ein Flügel funktioniert.
Mit seiner Aussage griff Bjerkeengen auch direkt Clas Brede Brathen an. Der heute 56-Jährige war von 2001 bis 2021 der sportliche Leiter der norwegischen Skisprung-Mannschaft.
 "Er hatte einen großen Anteil an dem, was passiert ist. Clas war dabei, als manipuliert wurde. Das Gegenteil zu behaupten, ist eine Lüge."

Brathen weist Vorwürfe von sich

Brathen selbst hält sich bedeckt. "Es ist eine völlig hypothetische Frage, auf die ich antworte, dass ich aufrichtig hoffe, dass es nicht passiert ist. Ich weiß, dass es nicht passiert ist", wird er in "VG" zitiert.
"Mit großem Bedauern betrachte ich die Nachrichten, die sich in Bezug auf den Skisprungsport entwickeln, aber ich möchte keine weiteren Kommentare zu einer negativen Debatte in der Welt abgeben", hieß es dort weiter.
Ähnlich hatte sich auch der aktuelle Sportdirektor Jan-Erik Aalbu nach Bekanntwerden der absichtlichen Manipulation geäußert. Zahlreiche Experten hielten es allerdings für unwahrscheinlich, dass Aalbu ahnungslos war.
Fakt ist: Der Skandal um die manipulierten Anzüge in der norwegischen Skisprung-Mannschaft bringt beinahe jeden Tag neue Abgründe hervor - und beschädigt den Sport nachhaltig.
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Quelle: Eurosport


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