Werner Schuster sieht Daniel-André Tande trotz Podest in Klingenthal von Sturzfolgen beeinflusst

Daniel-André Tande hat nach seinem Horror-Sturz beim Skifliegen in Planica ein starkes Comeback in diesem Winter gezeigt. Doch Werner Schuster hat Zweifel daran, wie konstant es dem Norweger gelingen wird, wie beim Weltcup in Klingenthal aufs Podest zu springen. Zu tief sitze möglicherweise die Erinnerung an den schweren Crash im Unterbewusstsein des Sportlers, fürchtet der Eurosport-Experte.

Daniel-André Tande wird nach seinem schweren Sturz in Planica 2021 abtransportiert

Fotocredit: Getty Images

Die Rückkehr von Daniel-André Tande aus dem Koma in den Skisprung-Weltcup war schon ein kleines Wunder, sein Podestplatz in Klingenthal ein Sportmärchen. Doch Schuster geht davon aus, dass dies leider nur eine Momentaufnahme war.
"Er ist erstaunlich ähnlich gesprungen wie letztes Jahr, hat schwierige Wettkämpfe bestritten und dann dort bei günstigen Bedingungen eine Top-Leistung geboten", zollt ihm der ehemalige Bundestrainer allen Respekt. Doch er betont auch: "Ich finde es bewundernswert, was er in Klingenthal geschafft hat - aber es kostet irrsinnig Kraft."
Seine Prognose zur sportlichen Zukunft des 27-jährigen Olympiasiegers fällt daher verhalten aus. "Auf lange Sicht lege ich mich fest: Ich glaube nicht, dass Tande nochmal der Alte wird. Punktuell kann er das, aber nicht mehr mit der Leichtigkeit eines jungen, unverbrauchten Springers", so der Eurosport-Experte.
Denn: "Was wirklich im Gehirn abgeht, wenn man ein so schweres Trauma erleidet, was dort wirklich gespeichert wird, im Unterbewusstsein bleibt und vielleicht irgendwann einmal in vergleichbaren Situationen wieder hochkommt" ist für Schuster die entscheidende Frage. "Fürs Skispringen scheint es zu gehen, ich weiß aber nicht, ob er wieder zum Skifliegen will", gibt er mit Blick auf den einstigen Skiflug-Weltmeister zu bedenken.
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Sturz-Drama um Tande in Planica: Die Chronologie der Ereignisse

Quelle: Eurosport

Schmitt warnt: "Wird unwahrscheinlich schwer"

Martin Schmitt beurteilt das Risiko ähnlich: Ein so schwerer Sturz "bleibt im Kopf und es ist individuell, wie man sich davon erholt". Entscheidend dabei sei tatsächlich, ob ein Flashback an das traumatische Ereignis ausgelöst wird, denn "dann kann eine unterbewusste Angst wieder eine Rolle spielen".
"Man kann gewisse Dinge kompensieren, aber wenn man wieder daran erinnert wird, wieder in den Grenzbereich kommt und wieder einen Sturz oder Beinahe-Sturz hat, dann kommt das wieder hoch, dann doppelt sich das auf und es wird unwahrscheinlich schwer, wieder das tiefe Vertrauen zu haben, um in den Grenzbereich zu gehen", erklärt der Eurosport-Experte.
Bisher allerdings, unterstreicht Schmitt, habe Tande jede, auch schwierige Situation in diesem Winter "fantastisch gemeistert". Sein Podium in Sachsen war allerdings der einzige Spitzenplatz bisher, in den anderen sieben Einzelspringen der bisherigen Saison rangierte er zwischen Platz 18 und 40.
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Olympia-Rückblick: Dreikampf um Team-Gold 2018

Quelle: Eurosport

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