Vierschanzentournee: Finnlands Adler am Boden

Finnland und die Vierschanzentournee, das war einst eine ruhmreiche Beziehung. Mit 16 Siegen sind die Nordeuropäer gleichauf mit Deutschland und Österreich Rekordgewinner. Matti Nykänen, Toni Nieminen und vor allem Ahonen prägten die "Four Hills". Heute präsentieren sich die finnischen Adler in einem beklagenswerten sportlichen Zustand.

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Versteckspiel in Lahti statt Silvester-Sekt in Garmisch: Finnlands Skisprung-Ikone Janne Ahonen beendete ein für ihn ziemlich verkorkstes Jahr auf Tauchstation. "Janne hat sich noch nicht erholt, er braucht viel Geduld", sagt Cheftrainer Jani Klinga über den fünfmaligen Gewinner der Vierschanzentournee. Seit Wochen ist von Ahonen nicht viel mehr bekannt, als dass er irgendwie unpässlich ist.

Skispringen wird zur Belanglosigkeit

Viel zu melden hätte Ahonen bei der Tournee ohnehin nicht. Zwar ist der 38-Jährige, der sich in beklagenswerter Form durch sein zweites Comeback müht, immer noch Suomis bester Skispringer, doch das ist mittlerweile nun wirklich kein Qualitätsmerkmal mehr.
Finnland und die Vierschanzentournee, das ist heutzutage ein ziemliches Desaster. Ein einziger Suomi-Springer erreichte in Oberstdorf den Wettkampf, Ville Larinto landete auf Platz 40. Die frühere Skandalnudel Harri Olli, dessen Comeback ein noch größeres Desaster als das von Ahonen ist, war als Vorletzter in der Qualifikation gescheitert. Auch in Garmisch überstand nur Larinto die Ausscheidung.
Das Hauptstadtblatt Helsingin Sanomat handelte Oberstdorf knapp in der Außenspalte ab. "Mäkihyppy", wie Skispringen auf Finnisch heißt, ist ein Jahr vor der Heim-WM in Lahti Synonym für Belanglosigkeit. Und Finnlands Springer sind so weit von Erfolgen entfernt wie Matti Nykänen in seinen wildesten Jahren von einem seriösen Lebenswandel.

Absurde Schuldzuweisungen

"Natürlich, wir haben in Oberstdorf enttäuscht", sagt Klinga: "Daran war aber auch der Stromausfall vor der Qualifikation schuld." Das passt ins Bild: Eine kritische Analyse der eigenen Krise haben die stolzen Finnen bislang nicht zustande gebracht.
Klinga (40), der den erfolglosen Pekka Niemäla 2014 als Chefcoach abgelöst hatte, agiert bislang ebenso unglücklich wie sein Vorgänger. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass ihm der Verband Trainer-Legende Kari Ylianttila (62) zur Seite gestellt hat. Der frühere Vierschanzentournee-Sieger hatte Matti Nykänen 1988 zu drei olympischen Goldmedaillen geführt.
Binnen nicht einmal fünf Jahren ist Finnland in die sportliche Bedeutungslosigkeit gerutscht. Im Dezember 2010 hatten Larinto und Matti Hautamäki in Kuopio einen Doppelsieg gefeiert, anschließend ging es im Rekordtempo bergab. Larinto galt als Ausnahmetalent, doch seit seinem schweren Sturz beim Neujahrsspringen 2011 ist der 25-Jährige völlig von der Rolle.

Ahonens merkwürdige Rolle

Und so sollen es diejenigen richten, die eigentlich schon weg vom Fenster waren. Olli beispielsweise, sportlich hoch begnadet, aber mit noch größerem Talent für skandalöse Ausfälle gesegnet. Im Januar 2012 hatte der heute 29-Jährige seine Karriere zum ersten Mal beendet. Zuvor war er aus dem Nationalkader geflogen, nachdem er der Jury in Kuusamo den Mittelfinger gezeigt hatte.
Oder Rekordsieger Ahonen, dessen Denkmal seit seiner 2009 erschienenen Autobiografie Risse hat - in der beichtete er, zumindest semialkoholisiert zum Skifliegen angetreten zu sein. Dass er 2013 zum zweiten Mal zurückkehrte, erklärt er selbst mit dem Ziel, einmal zusammen mit Sohn Mico (14) zu springen. Finnische Medien erklären es mit chronischen Geldproblemen. Wie auch immer: Es reicht, um die klare Nummer eins im Land zu sein.
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