Sie waren Weltcup-Springer, Bundestrainer, Einzeltrainer - und begleiten ab sofort das Geschehen als TV-Experte für Eurosport. Eine bunte Palette, aber was ist der schwerste Job?

Werner Schuster: Das kann ich noch nicht sagen. Was ich aber sagen kann: Ich arbeite immer noch als Trainer und es hat mich sehr gefreut, dass ich von Eurosport als TV-Experte angefragt worden bin. Ich hoffe, dass ich meine Erfahrungen auf den verschiedensten Ebenen des Skispringens dabei möglichst gut einbringen kann.

Skispringen
Ex-DSV-Erfolgstrainer Schuster wird Skisprung-Experte bei Eurosport
18/11/2020 AM 09:00

Als Bundestrainer haben Sie die Leistungen der Springer am TV-Mikrofon als Teammitglied analysiert und vertreten. Als TV-Experte verändert sich Ihre Rolle. Werden Sie offenere Worte finden, Kritik anders formulieren?

Schuster: Es geht mir nicht darum, mit Kritik zu brillieren oder mich damit zu profilieren. Mein größtes Ziel als TV-Experte wird es sein, die Zusammenhänge zu erläutern, Dinge einzuordnen. Ich bin den Sportlern - ob das nun die Mannschaften aus Österreich, Deutschland, Norwegen oder Polen betrifft - noch sehr nahe, auch wenn ich schon ein klein wenig Abstand gewonnen habe. Diese Konstellation sehe ich als Vorteil an, denn wenn man aufgrund der Corona-Pandemie nur aus dem Studio kommentieren kann, dann ist es umso wertvoller, die Aktiven gut zu kennen.

Sie kommen aus Österreich, waren aber von 2008 bis 2019 Bundestrainer beim DSV. Gab es da auch mal ein paar Sprüche aus dem ÖSV-Lager, weil sie beim sportlichen Rivalen aus dem Nachbarland Erfolg hatten?

Schuster: Ich muss vorwegschicken, dass ich im Kleinwalsertal aufgewachsen bin und daher schon immer zu beiden Ländern eine enge Verbindung hatte. Dazu hatte ich zwei Großtanten aus der Schweiz. Echte Grenzen haben in meinem Kopf nie existiert und ich habe mich immer mit voller Kraft meiner aktuellen Aufgabe gewidmet. Ob ich nun Sportler aus Deutschland betreut habe oder aus Österreich, wie zum Beispiel Gregor Schlierenzauer, spielt dabei keine Rolle. Was mich fasziniert, ist die Aufgabe, als Trainer mit den Sportlern das Maximale herauszuholen.

  • TIPP: Der Weltcup-Auftakt in Wisla ab 20. November LIVE im TV bei Eurosport 1 und bei Joyn

Am Wochenende beginnt die Weltcup-Saison im polnischen Wisla. Kann man schon jetzt die Favoriten für die Saison benennen?

Schuster: Es ist sicher schwerer als sonst, da wir infolge der Corona-Pandemie weniger Sommerspringen hatten. In meiner Funktion als Berater von Gregor Schlierenzauer hat es sich aber ergeben, dass ich einige Nationen beim Training sehen konnte. Topspringer Dawid Kubacki, Stefan Kraft oder Karl Geiger werden sich wieder zu beachten sein. Bei den Norwegern muss man mal sehen, die sind zuletzt ja nicht gereist.

Gibt es noch einen besonderen Tipp?

Schuster: Die slowenische Mannschaft mit ihrem jungen Trainerteam hat sich inzwischen gut eingespielt und hat mit Timi Zajc ein außergewöhnliches Talent in ihren Reihen.

Werner Schuster 2018 als Bundestrainer mit Karl Geiger

Fotocredit: Imago

Die DSV-Adler haben den lange verletzten Andreas Wellinger mit an Bord, dafür ist Richards Freitag in Wisla nicht im Kader. Die Hoffnungen der Fans ruhen vor allem auf Markus Eisenbichler und Karl Geiger. Wie ist das deutsche Team in diesem Winter aufgestellt?

Schuster: Das neue Trainerteam hat sich gut eingefunden und im vergangenen Winter eine super Saison hingelegt. Nun hat man Wellinger wieder dazubekommen und auch Severin Freund kämpft um den Anschluss. Das Fehlen von Stephan Leyhe tut natürlich weh (Kreuzbandriss, A.d.R.), mit jungen Leuten wie Constantin Schmid hat der DSV weitere Trümpfe. Deutschland ist aus meiner Sicht gut und breit aufgestellt.

Die Corona-Pandemie führt dazu, dass viele Events, wie etwa das Neujahrsspringen der Vierschanzentournee in Garmisch-Partenkirchen, ohne Zuschauer stattfinden müssen. Wie sehr beeinflusst das die Springer?

Schuster: Es ist sicher nicht angenehm, ohne Zuschauer antreten zu müssen – aber das ist im Moment die Realität. Aber im Tennis oder Fußball geht es auch ohne Zuschauer und ich bin ob der aktuellen Lage der Meinung, dass man über jedes Weltcup-Springen glücklich sein muss. Ich hoffe, dass in dieser Saison möglichst wenig dazwischenkommt und der Tross sicher und gesund reisen kann.

Das Interview führte Tobias Laure

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